Titel, Tore und Theater

Corinna Hasler gehört dem Team von Neckertal-Bütschwil an, das zweimal in Folge den Ostschweizer Cupfinal gewann. Mit zwölf Toren belegt die 21-Jährige in der Toggenburger Torschützenliste Platz 1. In diesem Tempo darf es weitergehen.

Beat Lanzendorfer
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Zweimal Corinna Hasler: Auf dem Feld den Blick Richtung Ball. Neben dem Platz darf es auch etwas ruhiger sein. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Zweimal Corinna Hasler: Auf dem Feld den Blick Richtung Ball. Neben dem Platz darf es auch etwas ruhiger sein. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

FRAUENFUSSBALL. Die Gemeinschaft Neckertal-Bütschwil entstand vor drei Jahren. Seither eilt sie von Erfolg zu Erfolg. Grösste Aufmerksamkeit erhielten die zwei Siege im Ostschweizer Cupfinal 2015 und 2016. Als regelmässige Torschützin darf Corinna Hasler ein Stück des Kuchens für sich beanspruchen.

Sonniges Gemüt

Sportlich müssen ihre Gegenspielerinnen auf dem Feld regelmässig Insolvenz anmelden. Beruflich möchte Corinna Hasler als Mitarbeiterin des Betreibungsamtes Bütschwil-Ganterschwil ihren Kunden dieses Szenario möglichst ersparen.

Ihr, die seit ihrem siebten Lebensjahr beim FC Bütschwil dem Ball nachspringt, ist der Fussball praktisch in die Wiege gelegt worden. Vater Noldi war zum Zeitpunkt ihrer Geburt (1994) Vereinspräsident. Präsident ist er schon seit 15 Jahren nicht mehr, trotzdem stellt er dem Club seine Dienste in diversen Chargen noch immer zur Verfügung. Den Familienclan komplettiert Mutter Gaby. Sie führt den Getränkewagen bei Heimspielen. Ihre Eltern sind Fans des FC Bütschwil – in erster Linie aber natürlich von ihrer Tochter. Die kickende junge Frau hat ein sonniges Gemüt und erinnert sich gerne an den Tag des zweiten Cupsiegs am 5. Mai zurück: «Wir sind eine eingeschworene Truppe, was bei so vielen Frauen nicht ganz selbstverständlich ist», meint sie schmunzelnd. «Der Tag war genial. Die Mannschaft hat sich am Morgen im «Rössli» in Tufertschwil zum Brunch getroffen und ist anschliessend gemeinsam mit Fans und Familienangehörigen im Car nach Weinfelden gefahren. Die Unterstützung während des Spiels war phantastisch. Obwohl wir nicht den besten Tag erwischten und unser Potenzial nicht voll ausschöpfen konnten, hat es zum Glück trotzdem zum Sieg gereicht. (Anmerkung der Redaktion: Neckertal-Bütschwil gewann gegen Wittenbach 4:2 nach Elfmeterschiessen, nachdem es nach regulärer Spielzeit 1:1 stand.) Laut war es in der Kabine nicht erst danach. Die Frauen hatten sich zur Filmmusik des Klassikers Invincible (Unbesiegbar) eingestimmt.

Im Winter die Basis gelegt

Der Grundstein zum Cupsieg war schon im Winter gelegt worden: «Wir reisten mit 21 Spielerinnen ins Trainingslager nach Spanien und konnten uns so ideal auf die Rückrunde vorbereiten.» Fussball geniesst im Leben von Corinna Hasler absolute Priorität. «Zwischendurch habe ich zwar auf den Skisport gesetzt, seit acht Jahren bin ich beim FC Bütschwil aber wieder voll dabei.» Zweimal in der Woche trainiert sie unter den Fittichen der Trainer Martin Raschle und Andreas Schrag mit der 1. Mannschaft, einmal gibt sie ihr Wissen als Trainerin den E-Juniorinnen weiter. Angesprochen auf den möglichen Aufstieg in die 1. Liga, erklärt sie: «Klar möchten wir die Herausforderung annehmen. Sollten wir den Gruppensieg schaffen, werden wir uns definitiv Ende Saison entscheiden. Der Aufwand eine Liga höher ist nämlich nicht zu unterschätzen.»

Ab nach New York

Auf Hasler-Tore muss die Gemeinschaft schon bald verzichten. Am 21. Mai fliegt die kaufmännische Angestellte nach New York. In der Millionenmetropole geht sie zehn Wochen in die Sprachschule und hängt danach weitere vier Wochen an der Film Academy an.

«Ich möchte mir einen Einblick in die Filmwelt verschaffen. Es war schon immer ein Traum von mir, die Leute zu unterhalten und sie zum Lachen zu bringen. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt.» Mit der Theatergruppe «Also denn…» hat sie schon Erfahrungen auf den Brettern, welche die Welt bedeuten, gemacht. Dies hat die Lust auf mehr angeregt.

Die Reise in die USA erstreckt sich auf insgesamt fünf Monate. Nach ihrem Aufenthalt in New York fliegt sie an die Westküste und trifft dort eine Kollegin. «Wir reisen von San Diego nach San Francisco und über die Nationalparks nach Las Vegas. Auch Hawaii ist fest eingeplant.» Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz am 21. Oktober möchte sie im Fussball wieder Vollgas geben – möglichst mit ihren Teamkameradinnen in der 1. Liga.