Tino Vetsch, Karikaturist

Mit Tino Vetsch ist kürzlich ein ehemaliger Karikaturist der Appenzeller Zeitung verstorben. Er hatte vor rund zehn Jahren einen schweren Velounfall erlitten und kämpfte seither mit den Folgen davon.

Bruno Eisenhut
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Eine Karikatur von Tino Vetsch aus dem Jahr 2002.

Eine Karikatur von Tino Vetsch aus dem Jahr 2002.

Mit Tino Vetsch ist kürzlich ein ehemaliger Karikaturist der Appenzeller Zeitung verstorben. Er hatte vor rund zehn Jahren einen schweren Velounfall erlitten und kämpfte seither mit den Folgen davon. Tino Vetsch – mit bürgerlichem Namen Martin Vetsch – brachte die Leserinnen und Leser der Appenzeller Zeitung Ende der 1990er-Jahre und zu Beginn der 2000er-Jahre zum Lachen. Kreativ waren seine Ideen, träf setzt er diese um, und seidenfein rundete er sie mit wenigen Worten in Sprechblasen ab.

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Tino Vetsch hat seine künstlerischen Spuren vor allem im Appenzellerland hinterlassen, wo er durch seine Karikaturen in der Appenzeller Zeitung einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte. Typisch für Vetschs gezeichnete Personen waren deren markante Nasen. Als Appenzeller Sennen stellte er seine Protagonisten in seinen Karikaturen besonders gerne dar. Tino Vetsch verstand es vorzüglich, aktuelle Themen mit wenigen Worten einzufangen und mit der hiesigen Landschaft und den Gegebenheit in Verbindung zu bringen. Geschichten mit unzähligen Details entsprangen der sprudelnden Phantasie des begabten Zeichners und Malers. Der Künstler mit der Strickmütze als Markenzeichen zeichnete aber auch Landschaftsbilder, die auf Postkarten zu sehen sind. Nicht nur seine kreativen Bilder waren es, welche Tino Vetsch zur Bekanntheit verhalfen. Er genoss den Kontakt mit der Bevölkerung und war einer geselligen Runde nie abgeneigt.

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Tino Vetsch lebte während seiner Zeit als Maler in Urnäsch. Bis zu einem fatalen Velounfall im Sommer 2005. Danach verbrachte er lange Zeit im Krankenhaus. Das Sprechen fiel dem früher so kommunikativen Menschen plötzlich sehr schwer. Später war er auf den Rollstuhl angewiesen, die rechte Hand war gelähmt. Trotz dieses Schicksalsschlags liess sich Vetsch aber nicht davon abbringen, weiterhin seiner Leidenschaft nachzugehen. Schon kurz nach dem Unfall griff er wieder zum Stift – mit der linken Hand. Er verbrachte Zeit im Imbodehuus im Osten der Stadt St. Gallen. Die sozialpädagogische Einrichtung hilft Menschen mit schwerer körperlicher Beeinträchtigung. Dass eine hauseigene Fussball-EM-Party mit Karikaturen von Tino Vetsch bereichert wurde, zeigt, dass der Künstler auch mit links seine Kreativität auf Papier bringen und die Geschichten zeichnen konnte.

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Die Folgen des Unfalls prägten das Leben von Tino Vetsch bis zu seinem Lebensende. Jenen Personen, welche ihn vor seinem Unfall persönlich kennenlernen durften, wird Tino Vetsch als geselliger Mensch mit einer besonders grossen Portion an Kreativität, scharfsinnigem Witz und dem nötigen Mut zur Umsetzung der eigenen Ideen und Visionen in Erinnerung bleiben.

Die langjährigen Leserinnen und Leser der Appenzeller Zeitung werden sich an die Karikaturen zurückerinnern. Allein schon der Gedanke an Tino Vetschs Zeichnungen wird ihnen ein letztes Mal ein Lächeln abringen.

Martin (Tino) Vetsch 17. Januar 1951 – 5. Mai 2015 (Bild: apz)

Martin (Tino) Vetsch 17. Januar 1951 – 5. Mai 2015 (Bild: apz)

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