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Die Mitfavoritin rechts überholt: Wer ist der neue Innerrhoder Nationalrat, der Antonia Fässler keine Chance liess?

In Innerrhoden schien erstmals die Wahl einer Nationalrätin möglich. Dann kam Thomas Rechsteiner. Wie tickt der ehemalige Säckelmeister, der trotz Nicht-Nomination seiner Partei das Rennen machte?
Claudio Weder
Der neue Innerrhoder Nationalrat Thomas Rechsteiner ist ein Verfechter des politischen Milizsystems. (Bild: Claudio Weder)

Der neue Innerrhoder Nationalrat Thomas Rechsteiner ist ein Verfechter des politischen Milizsystems. (Bild: Claudio Weder)

Dass das Innerrhoder Stimmvolk am Sonntag Thomas Rechsteiner (CVP) in den Nationalrat wählte, war wenig überraschend. Zusammen mit Gesundheits- und Sozialdirektorin Antonia Fässler (ebenfalls CVP) wurde er im Vorfeld als Favorit gehandelt. Überraschender war hingegen das deutliche Resultat, mit dem der ehemalige Säckelmeister (Finanzdirektor) seine parteiinterne Mitstreiterin hinter sich liess. Mit Fässler, die als offizielle CVP-Kandidatin nominiert wurde, hätte erstmals in der Geschichte Innerrhodens eine Frau ins Bundesparlament gewählt werden können.

Für den 47-jährigen Rechsteiner, bekennender Verfechter des politischen Milizsystems, war am Ende vor allem ein Argument ausschlaggebend: Er glaubt, dass das Innerrhoder Volk Wert darauf legt, dass die Vertretung im Nationalrat nicht gleichzeitig ein Regierungsmandat ausübt, wie es bis anhin Tradition war.

Über Rechsteiners Wahl sind indes nicht alle erfreut. SP-Parteipräsident Martin Pfister, der selbst kandidierte, aber bereits von Anfang an wusste, dass er gegen Innerrhodens bürgerliche Übermacht keine Chance hatte, bedauert, dass sich im Wahlherbst 2019 weder die Klima- noch die Frauenfrage in den Ergebnissen niederschlug. «Antonia Fässler wäre die bessere Wahl gewesen», sagt er. Nicht nur, weil sie der linken Politik nähersteht. Pfister geht es vor allem auch um die Repräsentation des Kantons in Bern:

«Rechsteiner ist für mich das politische Double von Ständerat Daniel Fässler. Das Duo Fässler-Rechsteiner würde Appenzell Innerrhoden im Parlament völlig einseitig abbilden.»

«Geschlecht spielt keine Rolle»

Auch Rechsteiners Verhalten während des Wahlkampfes war umstritten. Dass er ohne Parteinomination antrat, kam innerhalb der CVP nicht gut an. Man befürchtete, dies könne den SVP-Kandidaten Ruedi Eberle begünstigen. Unterstützung erhielt der Wildkandidat letztlich aber dennoch genug – den Rücken stärkten ihm die FDP sowie der in Innerrhoden einflussreiche Gewerbeverband.

Letzterer führte im August ein Hearing mit den drei gewerbenahen Kandidaten Eberle, Fässler und Rechsteiner durch. Dass die Nomination auf Thomas Rechsteiner fiel, hat für Albert Manser, Präsident des Gewerbeverbands, mehrere Gründe: «Rechsteiner zeichnet sich durch strukturiertes Denken aus, hat eine ruhige, besonnene Art. Seine Ideen sind zielführend und konstruktiv.» Zudem trete er rhetorisch souverän auf und besitze die Fähigkeit, so zu den Leuten zu sprechen, dass man auf ihn hört. Zudem sei Rechsteiner bodenständig, vernetzt mit Land und Leuten – auch wenn er Versicherungsunternehmer, und nicht Landwirt ist.

Dass der Entscheid letztlich nicht zugunsten von Antonia Fässler ausfiel, die einen ebenso gewerblichen Hintergrund mitbringt, hat laut Manser aber nichts mit dem Geschlecht zu tun. Die Aussage, dass Innerrhoden eine historische Chance verpasst habe, eine Frau zu wählen, stört ihn:

«Der Gewerbeverband sieht sich mit der Nomination von Thomas Rechsteiner nicht als Frauenverhinderer – das würde ich mit aller Deutlichkeit bestreiten.»

Letztlich gehe es darum, die am besten geeignete Person nach Bern zu schicken – und das ganz unabhängig davon, ob Mann oder Frau.

Rechsteiner ist Vater von drei Kindern und leitet die Generalagentur der Schweizerischen Mobiliar in Appenzell. In Bern will er sich als Unternehmer einbringen. Diese «Gewerbenähe» kommt aber vor allem in linken Kreisen nicht gut an: «Für mich ist Rechsteiner ein typischer Vertreter des Gewerbeverbands, der eigentlich in der FDP besser aufgehoben wäre», sagt Martin Pfister. Es bestehe das Risiko, dass er letztlich vor allem die Interessen der Finanz- und Versicherungsbranche vertritt. Zudem habe sein politisches Programm wenig Fleisch am Knochen: «Es blieb in der gesamten Wahlkampagne schleierhaft, wofür er ganz konkret einsteht», so Pfister.

Stratege und Vorzeigefigur

An politischer Erfahrung mangelt es dem 47-jährigen Versicherungsfachmann und Finanzplaner aber nicht. Als Säckelmeister habe er gute Arbeit geleistet, hebt der amtierende Landammann Roland Inauen hervor:

«Thomas Rechsteiner war sehr fokussiert auf seine Aufgaben, dossiersicher und blieb stets mit beiden Füssen auf dem Boden.»

Auch Ständerat Daniel Fässler, Rechsteiners zukünftiger Bundeshaus-Kollege, hat bereits während seiner Zeit in der Regierung mit Rechsteiner zusammengearbeitet und ihn dort als strategisch und analytisch denkenden Menschen wahrgenommen.

Dass er und Rechsteiner politisch ähnlich ticken würden, wie es etwa Martin Pfister kritisiert, sieht Daniel Fässler nicht als Nachteil. Es komme nicht darauf an, ob die Innerrhoder Vertreter im Parlament nun mehr links oder rechts sind: «Hauptsache ist, dass die ländlichen Interessen in beiden Kammern gut vertreten sind.»

Lob erhält der neugewählte Innerrhoder Nationalrat für seine menschliche Art – selbst von Martin Pfister: «Ich erlebe Thomas Rechsteiner als einen angenehmen, offenen und diskussionsfreudigen Menschen.» Pfister bezeichnet Rechsteiner auch als Vorzeigefigur: «Er fährt Tesla, kommt mit dem Velo zum TV-Interview, tritt mit gepflegter Wortwahl auf. Ich denke, viele Menschen sind deshalb überzeugt, dass er es schon richtig machen wird.» Zudem sei Rechsteiner eine Persönlichkeit, die genau weiss, wie sie ihre Vorteile zu ihren Gunsten als Trumpf ausspielen kann – und zudem stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Auch im Wahljahr 2019.

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