Therapie mit Erfolg

Die stationäre psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen kann ein guter Weg zur Problemlösung sein. Die Konzepte dazu sind erfolgreich.

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Karl Heinz Brisch, Christoph Möller, Gianni Zarotti, Pedro Grosz, Ulrich Müller-Knapp und Adriaan Bekman (von links) hielten die Referate. (Bild: pd)

Karl Heinz Brisch, Christoph Möller, Gianni Zarotti, Pedro Grosz, Ulrich Müller-Knapp und Adriaan Bekman (von links) hielten die Referate. (Bild: pd)

GANTERSCHWIL. Die Erwartungen an die Kinder- und Jugendpsychiatrie sind in der Regel hoch. «Sie soll leistungsfähig, belastbar und unparteiisch sein», sagte der Chefarzt Ulrich Müller-Knapp an der Fachtagung vom 5. November der Klinik Sonnenhof in Ganterschwil über Konzepte zur stationären Behandlung.

«Man erwartet aber auch, dass sie Autorität ausstrahlt, wenn nötig Zwang ausübt, professionelle Diagnostik erstellt und Weichenstellungen auslöst.»

Intensivste Betreuung

Wie vielfältig der Weg zur Erfüllung dieser Erwartungen sein kann, zeigte Karl Heinz Brisch vom Haunerschen Kinderspital in München. Er befasst sich mit schwerst- und früh traumatisierten Kindern. «Wir sind eine Intensivstation, was in der Psychiatrie vollkommen neu ist», sagte er. Das bedeute zum Beispiel, dass jeweils eine Person für ein Kind und nur für dieses zuständig sei. Kreative Einzel- und Gruppentherapie in Kunst, Musik und Bewegung gehörten dazu, aber auch zehn Stunden Einzelpsychotherapie pro Woche und vieles mehr. Zwei bis drei Lehrpersonen würden sechs Kinder beschulen, wobei am Anfang gerade mal 10 oder 15 Minuten Unterricht möglich seien. Wöchentliche Supervision sei für alle ohne Ausnahme eine Pflicht. Nicht zuletzt verzichte man gänzlich auf Medikamente. Seine Fallbeschreibungen zeigten, dass aus den Kindern Jugendliche herangewachsen sind, die stark im Leben stehen.

Niederschwelliges Angebot

Christoph Möller vom Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult in Hannover bietet im Konzept «Teen Spirit Island» Platz für 18 Jugendliche mit Suchterkrankungen sowohl aus dem Bereich der psychoaktiven Substanzen als auch aus dem Bereich Computersucht an. Ein wichtiges Element in der rund einjährigen Behandlung sei die Gruppe, weil diese Jugendlichen primär im zwischenmenschlichen Bereich Defizite hätten, sagte Möller. So könne in aktuellen Beziehungen problematisches Verhalten erlebbar werden. «Ziel und Lohn der Gruppentherapie ist nicht die Heilung, sondern die Weiterentwicklung und die Fähigkeit, im sozialen Miteinander besser zurechtzukommen.» Er erwähnte aber auch die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung, die Familientherapie, die Schule, die Wiedereingliederung und mehr. Das erste Kriseninterventionszentrum (KIZ) der Schweiz hat Gianni Zarotti, der ehemalige Oberarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Bern, aufgebaut. Notfallaufnahmen seien dort bei akuter Selbst- und/oder Fremdgefährdung jederzeit möglich, erklärte er. Für die maximal fünf Jugendlichen stünden 500 Stellenprozente zur Verfügung.

Wie wichtig dieses Angebot ist, zeigte er mit den 244 Belegungen im Jahr 2014. «Die Aufenthaltsdauer in dieser geschlossenen Station beträgt in der Regel maximal 14 Tage. Dabei konzentriert sich die Arbeit auf einen hochintegrativen und interdisziplinären Ansatz.» In allen diesen Konzepten hat die Supervision grosse Bedeutung. Der Psychotherapeut Pedro Grosz hat die Klinik Sonnenhof während fast 30 Jahren als Supervisor begleitet.

Er erlebte nicht nur deren ständig wachsenden Stellenwert, sondern auch die neuen Anforderungen wie zum Beispiel bei Krisenintervention. (pd)