Teufens Dorfleben auf 240 Seiten

TEUFEN. Die Teufner Ortsgeschichte liegt vor. Im Zeughaus hat vor dichten Reihen die Vernissage des delikat gestalteten Buchs stattgefunden. Auf 240 Seiten vereinigt es Beiträge von elf Autorinnen und Autoren.

Martin Hüsler
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Die lebendig gewordene Geschichte werde in Teufens Schulen in den Unterricht einfliessen, so Gemeinderat Martin Ruff. (Bild: hü)

Die lebendig gewordene Geschichte werde in Teufens Schulen in den Unterricht einfliessen, so Gemeinderat Martin Ruff. (Bild: hü)

«Unsere neue Ortsgeschichte versucht… auf Fragen der Gegenwart zu antworten. Sie will aufzeigen, wie sich das Gemeinwesen entwickelt hat, das sich einst im wilden Forst ze Tiuffen angesiedelt hat.» Diese, die Buchidee auf knappste Weise charakterisierenden Sätze finden sich auf Seite 228 des eben herausgekommenen Werks, dessen Erscheinen eine stimmige, durch Jörg H. Schoch moderierte Vernissage im Zeughaus galt.

Kompakt

Es ist nicht so, dass in den letzten Jahrzehnten versäumt worden wäre, den Lauf der Dinge in Teufen schriftlich festzuhalten. Gemeindepräsident Walter Grob erinnerte an die 1949 erstellte Gemeindegeschichte. Ihr folgten in regelmässigen Abständen die auf klar umrissene Themen fokussierenden Teufner Hefte. Alles in allem habe dieserart auf 890 Seiten Ausdruck gefunden, was die Gemeinde prägte. Jetzt aber haben wir ein kompaktes Gesamtwerk, das selbst die jüngste Gegenwart nicht ausklammert, freute sich Walter Grob.

Auch als Lehrmittel tauglich

Von einem tauglichen Behelf zur Verwurzelung und zur Identitätsfindung sprach Gemeinderat Martin Ruff, Präsident der Kulturkommission, in deren Schoss das Projekt Ortsgeschichte Konturen annahm. Die lebendig gewordene Geschichte, geboren auch aus der Vielfalt der Autorinnen und Autoren, werde in Teufens Schulen in den Unterricht einfliessen. Martin Ruff richtete den Blick bereits aufs nächste Jahr, in dem in Ergänzung zur Ortsgeschichte das Projekt «Teufen als Heimat» mit verschiedenen Aktivitäten anläuft. Seine Ausführungen mündeten in einen herzlichen Dank an all jene, die am Zustandekommen des Werks ihren Anteil leisteten.

Bücher machen ist schön

Als eine Herausforderung empfand Franziska Schläpfer das Zusammenfügen der einzelnen Beiträge zu einem grossen Ganzen. Ihr oblag die Funktion der Lektorin und der Redaktorin. Und aus ihrer Feder stammt die einleitende, bis in die Gegenwart reichende Chronik. Franziska Schläpfer stellte die anderen zehn Autorinnen und Autoren anhand ihrer Beiträge vor und dankte ihnen für die grosse Arbeit. Die Ortsgeschichte wolle und könne keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, trage aber dazu bei, dass Geschichte ins Gespräch komme. «Es gibt nichts Schöneres, als Bücher zu machen», zog sie ein begeistertes Fazit.

Dass nicht nur Bücher machen befriedigend wirkt, sondern auch darin lesen, demonstrierte die Schauspielerin Regina Weingart auf eindrückliche Art. Sie brachte einige Passagen aus diversen Kapiteln ins gepflegte Wort und fachte so die Lust auf mehr an. Den wunderbaren musikalischen Rahmen zur Vernissage steuerte die ihrem Namen alle Ehre machende Hackbrettformation Anderscht bei. Man kann nicht anders, als ihre Darbietungen zwischen «sackstark» und «elend schöö» anzusiedeln.

Autorenschaft und Themen

Unterschiedliche Themenbereiche aus unterschiedlicher Feder: Folgende Autorinnen und Autoren haben Beiträge verfasst: Thomas Fuchs (Unternehmerische Familien – Spitzenleistungen in Handwerk, Gewerbe, Textilindustrie); Gottlieb F. Höpli (So wird aus Gegenwart Geschichte); Oliver Ittensohn (Schroffe Schluchten, riskante Fahrten – die wechselhafte Geschichte der Verkehrswege); Irène Kost (Von folgsamen zu mündigen Köpfen – zwei Jahrhunderte Schulwesen/Der Kitt der Gesellschaft – die Vielfalt der Künste und ein vitales Vereinsleben); Rezia Krauer (Das Dorf emanzipiert sich – wie Teufen die klösterliche Herrschaft los wird); Rahel Lämmler (Die Moderne zu Besuch – Ernst Sommerlads Visionen); Peter Müller (Im Doktorwinkel der Schweiz – ein gesundheitspolitischer Sonderfall); Hanspeter Spörri (Kämpferische Zeiten – wie der Wille zur freien Meinungsäusserung radikalisiert/Unrast und Bodenständigkeit – vom einstigen Teufner Geist, Erinnerungen und Geschichten); Peter Witschi (Teufen, Europa und die Welt – Söldner, höhere Töchter, Zuwanderer und ein Weltreisender); Stefan Würth (Lortanne – wo die Lärchen stehen, wie Orte und Fluren zu ihren Namen kamen); Franziska Schläpfer (Lektorat und Redaktion). Eine Chronik in geraffter Form ergänzt die Ortsgeschichte.

Hackbrettformation Anderscht sorgte für musikalische Unterhaltung. (Bild: hü)

Hackbrettformation Anderscht sorgte für musikalische Unterhaltung. (Bild: hü)