TEUFEN: Wie Trump die Ostschweizer Konjunktur beeinflusst

Weltpolitische Ereignisse der vergangenen Monate haben Einfluss auf die Ostschweiz. Dies wurde am Mittwoch am Konjunktur- und Trendforum deutlich. Der Referent scheute sich nicht, die Politik zu kritisieren.

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Köbi Frei schmunzelte ob der Fragen von Peter Eisenhut. (Bild: PAG)

Köbi Frei schmunzelte ob der Fragen von Peter Eisenhut. (Bild: PAG)

«Die Konjunkturaussichten waren lange nicht mehr so gut wie 2017… wenn nur die Politik nicht wäre», sagte Peter Eisenhut am Mittwoch in der «Linde» in Teufen. Die St. Galler Kantonalbank hatte zum Konjunktur- und Trendforum «Horizonte» geladen. Regierungsrat Köbi Frei musste erst schlucken, lachte dann mit den rund 250 anwesenden Gästen mit und stimmte im weiteren Verlauf des Abends den Aussagen teilweise zu.

Zu Beginn der Veranstaltung nannte Eisenhut, Inhaber der Beratungsfirma Ecopol AG, Ereignisse, «die uns dieses Jahr und noch lange beschäftigen werden». Zwei davon seien hier näher erklärt: Der Wahlsieg Trumps und die Masseneinwanderungs-Initiative (MEI). Vor allem die Handelspolitik des neuen US-Präsidenten – mit Strafzöllen, Preisvorschriften und einem tieferen Dollar – habe Einfluss auf Europa und die (Ost-)Schweiz. «Das sind Ansatzpunkte, die in Richtung Protektionismus und Nationalstaat gehen. In Richtung Abschottung statt Freiheit.» Eisenhut gab zu bedenken, dass die USA mit 14 Prozent der zweitwichtigste Exportpartner der Schweiz sei, zudem habe die Schweiz 50 Prozent ihres Bilanzüberschusses den USA zu verdanken. Protektionismus lähme die Weltwirtschaft, so Eisenhut. Anhand einer Grafik zeigte er das sogenannte politische Trilemma auf: Sich beeinflussende Faktoren sind dabei die wirtschaftliche Integration, die Demokratie und der Nationalstaat. Und wo positioniert sich die Schweiz? Eisenhut nennt als Beispiel die angenommene MEI und die Annahme der bilateralen Verträge – ein Widerspruch, wie der Experte sagte. Für die Personenfreizügigkeit seien die bilateralen Verträge entscheidend. Damit seien allerdings weder Zuwanderung noch die Beziehung zur EU gelöst. «Die Schweiz will eine direkte Demokratie, einen souveränen Nationalstaat und eine integrierte Wirtschaft. Unsere Politiker sind sich nicht bewusst, dass wir in diesem Trilemma stecken.» Wobei der Ball direkt an Finanzdirektor Frei übergeben wurde: Die Resultate der USR III- und MEI-Abstimmungen seien Signale gegen die Globalisierung für mehr Nationalisierung, sagte dieser. Weiter kritisierte Frei: «Im Moment haben wir überall die Tendenz, dass wir ernten wollen, ohne zu sähen.» Eisenhut stellte im Rahmen seines Referats Prognosen für 2017 auf. Demnach soll sich das BIP der USA um 2,3, dasjenige der Schweiz um 1,6 Prozent erhöhen. Die Inflation könnte gemäss Eisenhut von –0,4 Prozent auf +0,4 steigen. Weiter wird die Lage in der Ostschweizer Industrie- sowie Baubranche gegenüber 2016 von den Betroffenen als besser eingeschätzt.

Zum Abschluss des Abends referierte Philosoph Ludwig Hasler über die Zukunft der Arbeit beziehungsweise über die Arbeit der Zukunft. Maschinen würden zwar immer häufiger unsere Arbeit übernehmen, uns allerdings nicht arbeitslos machen. «Es entstehen neue Formen der Arbeit. Eine Lehrerein wird zum Beispiel langfristig zur Motivatorin», so Hasler. Neue Technologien würden allerdings neue Führungskräfte, neue Angestellte und eine neue Generation Arbeitnehmer verlangen. (pag )