TEUFEN: Wertvolles Waldreservat

Im unteren Sittertobel haben das kantonale Amt für Wald und die Gemeinde Teufen ein Waldreservat eingerichtet. Auf der gestrigen Begehung macht Regierungsrat Dölf Biasotto eine spannende Entdeckung.

Mea Mc Ghee
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Im Sonderwaldreservat im Sittertobel soll ein lichter Baumbestand erreicht werden, damit viel Sonnenlicht auf den Boden fallen kann. (Bilder: Mea Mc Ghee)

Im Sonderwaldreservat im Sittertobel soll ein lichter Baumbestand erreicht werden, damit viel Sonnenlicht auf den Boden fallen kann. (Bilder: Mea Mc Ghee)

Mea Mc Ghee

mea.mcghee@appenzellerzeitung.ch

Trittfest muss sein, wer durch den Wald im unteren Sittertobel streift. Das Gelände ist steil, der Boden nach dem Regen glitschig. Im Teufner Gemeindewald wurde ein Sonderwaldreservat ausgeschieden, um die Artenvielfalt zu fördern. Eine Delegation mit Vertretern des Kantons und der Gemeinde Teufen hat gestern zur Begehung eingeladen. «Der Wald bietet Menschen ein Einkommen, er dient der Erholung, er schützt vor Naturgefahren und er ist Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere», beschreibt Regierungsrat Dölf Biasotto das Spannungsfeld, in dem der Wald steht.

Bis 2030 sollen gemäss Vorgabe des Bundes schweizweit mindestens zehn Prozent der Waldfläche als Waldreservate ausgeschieden sein: Naturwaldreservate, in denen keinerlei forstlichen Eingriffe gemacht werden und Sonderwaldreser­vate, in denen durch gezielte Eingriffe der Lebensraum für Flora und Fauna aufgewertet wird

760 Hektaren sind das Ziel

Appenzell Ausserrhoden hat 2013 im Waldplan festgelegt, dass bis ins Jahr 2028 die Hälfte der kantonalen Waldfläche als Waldreservate geschützt werden soll. Das Sonderwaldreservat im unteren Sittertobel umfasst 22 Hektaren Wald der Gemeinde Teufen und 17 Hektaren Kantonswald. Diese Flächen sind vertraglich für die nächsten 50 Jahre als Waldreservat gesichert. Es sei möglich, dass das Reservat auf freiwilliger Basis durch private Parzellen erweitert werde. Waldeigentümer würden finanziell entschädigt, so Regierungsrat Biasotto. «Mit der Einrichtung des Reservats im Sittertobel hat der Kanton rund die Hälfte der vorgesehenen 760 Hektaren Reservatsfläche erreicht», zeigt sich Dölf Biasotto zufrieden. Weitere grössere Reservate gibt es auf der Schwägalp und beim Nellenkapf in Reute.

In Waldreservaten hat die Natur Vorrang vor den Interessen des Menschen. Im Sittertobel soll durch gezielte forstwirtschaftliche Eingriffe ein lichter Wald entstehen. Buchen zum Beispiel würden gefällt, damit mehr Sonnenlicht zum Waldboden durchdringen kann. Davon profitierten Bäume wie Eichen oder Eiben. Erstaunlich viele stattliche Eiben trifft die Gruppe auf der Begehung an. «Es ist eine ökologisch wertvolle, relativ seltene Baumart», erklärt Beat Fritsche, Leiter der kantonalen Abteilung Wald und Natur. Die Triebe der Eibe seien beim Wild heiss begehrt und daher nicht oft zu sehen.

Doch dann macht Regierungsrat Dölf Biasotto eine erstaunliche Entdeckung: Auf einer Krete recken gleich mehrere junge Eiben ihre Triebe in die Höhe. «Und daneben wachsen eine Ulme und ein Ahorn», weist Heinz Nigg auf die bestehende Artenvielfalt im Gebiet hin. Im lichten Wald sieht der Leiter des kantonalen Amtes für Raum und Wald auch Potenzial für verschiedene Tagfalter, Hirschkäfer oder den Glögglifrosch. Und an toten Bäumen, die im Reservat stehen gelassen werden, könnte der Specht Gefallen finden.

Ein vielseitiger Lernraum

Teufens Revierförster Thomas Wenk wird mit seinem Team die forstlichen Eingriffe planen und ausführen. In den nächsten Wochen gelte es, einen Standort für den Seilkran zu finden, mit dem die gefällten Bäume aus dem Wald geholt werden. «Ich hoffe, dass wir im kommenden Winter mit den Forstarbeiten beginnen können.» Für die Lernenden im Forstamt Teufen bietet das Waldreservat einen Lernraum. «Sie können ihre Beobachtungsgabe schärfen, ihre Pflanzenkenntnisse anwenden und erweitern.» Im steilen und weitläufigen Gebiet sei das Team technisch und handwerklich gefordert. Manchen Baum werde man schonend von der Krone her fällen, um Eichen, Eiben oder Erlen zu schützen, die im Reservat gefördert werden sollen.