TEUFEN: Verspätet wegen Formalität

Eigentlich hätte der Baustart für die Fotovoltaikanlage an der Umfahrungsstrasse bereits im Jahre 2016 erfolgen sollen. Realisiert wurde aber bislang nichts. Warum?

Astrid Zysset
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An dieser Stützmauer soll die Fotovoltaikanlage entstehen. (Bild: Ralph Ribi)

An dieser Stützmauer soll die Fotovoltaikanlage entstehen. (Bild: Ralph Ribi)

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

«Was bleibt mir anderes übrig als zu warten?», zuckt Jakob Brunnschweiler, Präsident der «Energie Genossenschaft Teufen», mit den Schultern. «Ich würde gerne schon heute mit der Umsetzung beginnen. Doch das geht leider nicht.» Die politischen Prozesse bräuchten manchmal etwas länger. Und tatsächlich dauern sie schon lange. Eigentlich hätte 2016 der Baustart für die Fotovoltaikanlage an der Umfahrungsstrasse zwischen St. Gallen und Teufen erfolgen sollen. Ein entsprechendes Projekt hatte die Genossenschaft im April selbigen Jahres der Öffentlich­keit vorgestellt. Auf einer Fläche von rund 1700 Quadratmetern würden 1042 Module mit schwarzen Monokristallin-Solarzellen angebracht. Diese wiederum wären in der Lage, 185 000 kWh pro Jahr zu generieren. Dieser Strom würde an­schliessend ins Netz der St. Gallisch-­Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) eingespiesen. Die Idee: Die Teufnerinnen und Teufner kaufen sich ihre Module und generieren so ihre «eigene» Energie. Doch realisiert wurde bislang nichts.

Die Fäden wurden im Hintergrund gespannt. Die Baubewilligung liegt vor. Einsprachen, die im Rahmen dieser Bewilligung eingingen, wurden geregelt. Das kantonale Tiefbauamt als Besitzerin der Stützmauer hat die Konzession erteilt. Dies zu einem «sehr günstigen Betrag», so Brunnschweiler. Gültig ist sie über einen Zeitraum von 30 Jahren – so lange wie die vermutete Lebensdauer der Anlage. Auch um eine KEV-Vergütung wurde angefragt. Der Entscheid stehe zwar noch aus, doch die Anmeldung ist gültig. Was nun noch fehlt, ist der Entscheid um einen möglichen Gemeindebeitrag. Beteiligt sich die Gemeinde, würde der Kaufpreis eines Moduls 500 Franken be­tragen, ohne Zuschuss 650.

Formale Schwierigkeiten behoben

Der Gemeinderat hat den Entscheid über eine allfällige finanzielle Beteiligung am Projekt auf die Sitzung vom kommenden 24. Oktober traktandiert. Doch wa­rum erst jetzt? Das Gesuch wurde der Gemeinde im Spätsommer vergangenen Jahres zugestellt. Zuerst mussten formale Hürden bewältigt werden, wie Markus Peter, stellvertretender Gemeindeschreiber, auf An­frage hin erläutert. Problem: Die «Energie Genossenschaft Teufen» hatte das Gemeindehaus als ihren Sitz im Handelsregister eingetragen. Die Genossenschaft ist aber unabhängig von der Gemeinde. «Der Sitz musste erst verlegt werden. Es braucht hier eine klare Trennung.» Anschliessend wurde von der Genossenschaft eine aktualisierte Finanzplanung verlangt, damit die finanziellen Risiken besser beurteilt werden konnten. Auch wenn sich die Gemeinde nur über Subventionen beteiligen würde, bestehe dennoch eine Pflicht zur Prüfung der unterstützten Angebote, so Peter weiter. Im Juli erfolgte die erste Lesung im Gemeinderat. Aus dieser ergingen Fragen bezüglich Sicherheit und Gestaltung der Anlage. Sämtliche Antworten liegen nun seit Mitte September vor.

Rund 650 000 Franken soll der Bau der Anlage kosten. Geld, das erst noch zusammengetragen werden muss. Brunnschweiler schwebt ein Crowdfunding-­System vor. Wie genau dies vonstatten gehen soll, ist noch ­unklar. Zuerst wolle man den Entscheid der Gemeindeverwaltung ab­warten. «Anschliessend können wir dann endlich loslegen und Sponsoren und Gönner anfragen», so der Genossenschaftspräsident. Und dann wäre auch der definitive Baustart absehbar. Immerhin: Die Ver­zögerung hatte auch ihr Gutes: Der Kaufpreis der Module ist mittlerweile gesunken. 2016 ging man noch von einem Investitionsaufwand von 720 000 Franken aus.