TEUFEN: Vereint gegen den Tunnel

An der öffentlichen Versammlung wurde am Mittwoch eine geballte Ladung an Argumenten gegen den Kurztunnel präsentiert. Zu reden gab das Tunnelportal beim «Schützengarten».

Patrik Kobler
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Eine Zug der Appenzeller Bahnen vor der Einfahrt in Teufen. (Bild: Benjamin Manser)

Eine Zug der Appenzeller Bahnen vor der Einfahrt in Teufen. (Bild: Benjamin Manser)

Patrik Kobler

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@appenzellerzeitung.ch

Einen Monat nachdem das Initiativkomitee seine Gründe für den Teufner Kurztunnel präsentiert hatte, lud am Mittwochabend die Gemeinde zur öffentlichen Versammlung. Die gut 350 Leute im vollbesetzten Lindensaal bekamen eine geballte Ladung an Argumente gegen den Tunnel zu hören. Auf der Bühne präsentierten sich Vertreter der Gemeinde, des Kantons sowie der Appenzeller Bahnen. Sie machten ihre Arbeit überzeugend. «Man müsste fast kapitulieren», meinte Werner Hugelshofer vom Initiativkomitee, als er die Bühne betrat, um für den Tunnel zu werben. Freilich werden weder er noch seine Mitstreiter aufgeben. «Wir sind gute Demokraten», sagte Jakob Brunnschweiler bei seiner Ankunft. Der ehemalige Ausserrhoder Baudirektor engagiert sich an vorderster Front für den Tunnel und liess sich – ganz Routinier – auch nicht von einer Bemerkung des Kantonsingenieurs Urban Keller ins Bockshorn jagen. Dieser hatte aufgezeigt, das 2005 verschiedene Varianten geprüft worden waren. Die jetzt anvisierte Strassenbahnlösung stellte sich damals als beste heraus, der Kurztunnel als fast schlechteste. Zu den Entscheidungsträgern habe damals auch Brunnschweiler gehört. Dieser bemerkte später dazu, dass er den Langtunnel favorisieren würde.

Viel zu reden gab am Mittwochabend die Situation beim Portal Schützengarten. Urban Keller sprach von einem Pferdefuss und die Gemeinde von einem «eigentlichen Sicherheitsproblem» beim Spar. Denn mit dem Kurztunnel würde der Zug im Eisenbahnregime daher kommen. Er würde zügig fahren und die Strecke müsste mit Barrieren gesichert werden. Ausserdem bräuchte die Bahn ein eigenes Trassee. «Der ‹Schützengarten› müsste weg, wenn wir genügend Platz für Bahntrassee und Kantonsstrasse schaffen wollen», sagte Urban Keller. Er bezeichnete den Kurztunnel als keine schlaue Lösung, deshalb sei er 2005 mit guten Gründen verworfen worden. Weiter zeigte er auf, dass der Kanton beim Bahnhof einen Kreisel realisieren will – und zwar unabhängig vom Kurztunnel. Nur ein Kreisel könne das kommende Verkehrsaufkommen aufnehmen. Die Realisierung soll während des Betriebsunterbruchs der Bahn im Sommer 2018 erfolgen. Ab 2019 werden rund 105 Zugsdurchfahrten erwartet; der Individualverkehr nimmt gemäss Prognosen bis 2035 auf über 10 000 Fahrten pro Tag zu. Aktuell passieren rund 8500 Fahrzeuge täglich die Bahnhofkreuzung. Das Initiativkomitee hält den Kreisel für überdimensioniert, bei einem Kurztunnel sei er in dieser Grösse nicht nötig.

Apropos Bahnhofkreuzung: Die Appenzeller Bahnen (AB) haben die Belegung der Kreuzung errechnet. Direktor Thomas Baumgartner: «Die Kreuzung wird in der Hauptverkehrszeit viermal während 76 Sekunden für den Individualverkehr geschlossen sein; während der Nebenverkehrszeit sind es zweimal 76 Sekunden.» Ausserdem zeigte er auf, dass die Bahn im Dorf als sicher betrachtet werden könne. Seit 2007 kam es im Dorfkern zu sieben Unfällen. Ausserdem wurden von 2006 bis 2016 keine polizeilich registrierten Velounfälle verzeichnet. Auch AB-Präsident Fredy Brunner meldete sich zu Wort. Er sagte, dass er die aktuelle Diskussionen mit Sorge verfolge, weil für die Bahn in Teufen zwingender Handlungsbedarf bestehe. Die aktuelle Linienführung verletze verschiedenste Vorschriften. Wie schon an der Infoveranstaltung im vergangenen November, machte er den übergeordneten Rahmen deutlich: Die AB werden für rund 300 Millionen Franken modernisiert. Zu den Hauptprojekten gehören etwa der Riet­hüslitunnel oder die Beschaffung neuer Züge. Mit dem Fahrplanwechsel Ende 2018 wird mit der Durchmesserlinie der Viertelstundentakt eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt muss der Bahnhof Teufen erneuert sein.

Kein Geld vom Kanton

Die Ausserrhoder Regierungsrätin Marianne Koller bezeichnete die Modernisierung als Quantensprung. Der Kanton stehe in der Pflicht, Beschlüsse mit Nachbarkantonen und Bund zeitgerecht umzusetzen. «Der Regierungsrat unterstützt nach wie vor die Doppelspur, weil sie das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweist», sagte sie. Der Kanton werde keinen Beitrag an die Finanzierung des Kurztunnels leisten, Mehrkosten für andere Varianten als die Doppelspur seien durch die Gemeinde zu tragen.

In der abschliessenden Diskussionrunde wurde die Frage aufgeworfen, bis wann bei einem Ja zur Initiative ein Vorprojekt vorliegen würde. Gemäss Gesamtprojektleiter Arthur Hitz wäre nicht vor Ende 2018 damit zu rechnen. Die Abstimmung über die Volksinitiative für den Bau eines Kurztunnels findet am 21. Mai statt.

Die Gemeinde hat eine Homepage zur Ortsdurchfahrt aufgeschaltet: odt.teufen.ch