TEUFEN: Suche nach neuen Klängen

Das Trio Anderscht verkörpert die Kombination von Tradition und Innovation. Morgen Sonntag präsentiert es im Lindesaal seine neue CD «schlagfertig».

Patrik Kobler
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Roland Christen, Fredi Zuberbühler (vorne) und Andrea Kind sind das Trio Anderscht. (Bild: PD)

Roland Christen, Fredi Zuberbühler (vorne) und Andrea Kind sind das Trio Anderscht. (Bild: PD)

Patrik Kobler

patrik.kobler@appenzellerzeitung.ch

Das Trio Anderscht ist eine Art musikalisches Reisebüro. Hört man seine Musik und schliesst dabei die Augen, befindet man sich gedanklich bald hier, bald da. Denn Andrea Kind, Fredi Zuberbühler (beide Hackbrett) und Roland Christen (Kontrabass) bringen in ihren Werken Musikstile verschiedener Weltgegenden zueinander: Jazz, Walzer, Flamenco, Rumba – und natürlich Appenzeller Musik. Jetzt gibt es neuen Hörstoff. Morgen Sonntag präsentiert das Trio Anderscht um 17 Uhr im Lindensaal in Teufen seine neue CD «schlagfertig». «Wir haben uns wieder auf die Suche nach neuen Klängen gemacht», sagt Roland Christen. Zu entdecken gibt es beispielsweise ein Jazz-Arrangement des Volkslieds «Lueget vo Berg und Tal» oder ein Medley von Strauss-Melodien. Eingespielt hat das Trio die CD in einem Saal in Heiden – und zwar live, aber ohne Publikum.

Vor 13 Jahren gegründet – damals noch als Duo

Gegründet haben die Formation Fredi Zuberbühler und Andrea Kind vor 13 Jahren. Damals noch als Duo, denn am Anfang traten sie ohne Kontrabass auf. Das änderte sich mit der Zeit. Seit mittlerweile vier Jahren ist Roland Christen fixer Bestandteil der Gruppe. Als Jazzer spiele er normalerweise mit Schlagzeugern zusammen, sagt er. Das Hackbrett sei aber auch ein sehr rhythmisches Instrument. Er schätzt die klangliche Vielfalt der Musik. Als seine grösste Herausforderung nennt er, die Appenzellermusik authentisch hinzukriegen.

Das Trio, das die Kombination von Tradition und Innovation verkörpert, geniesst weit über das Appenzellerland hinaus Bekanntheit und wird in der ganzen Schweiz für Auftritte gebucht. «Pro Jahr spielen wir rund 80 Auftritte», sagt Christen. Regelmässig tritt man auch mit anderen Künstlern auf. So bestreiten sie beispielsweise am Sonntag, 7. Januar 2018, 17 Uhr, das Dreikönigskonzert in der Kirche Wolfhalden mit der Violonistin Bettina Boller. Zu den Auftritten hinzu kommen jeweils die wöchentlichen Proben im Appenzeller Vorderland bei Fredi Zuberbühler zu Hause. Das tönt nach Fulltime-Job. Können die drei von der Musik leben? «Grösstenteils schon», sagt Christen. Als Familienvater verdient er sich aber etwas dazu und gibt Musikunterricht.

Der Innovationsgeist des Trios offenbart sich nicht nur in der Musik, sondern auch bei den Instrumenten. Die Hackbretter sind Eigenproduktionen Fredi Zuberbühlers. Mit Unterstützung des bekannten Innerrhoder Hackbrettbauers, Johannes Fuchs versucht er, das traditionelle Instrument zu modernisieren. Auch eigene Rueten aus Karbon hat er entwickelt. «Weil sie so diffizil sind, muss man immer darauf achten, dass man nicht aus Versehen auf eine am Boden liegende Ruete tritt», sagt Roland Christen.

Auf die Frage, ob der experimentelle Stil des Trios bei Traditionalisten auch auf Ablehnung stosse, antwortet er, dass er das Gefühl habe, dass ihre Musik im Allgemeinen gut ankomme, sie würden ja eine ziemlich unterhaltsame Musik spielen. Es sei aber schon vorgekommen, dass sich die Leute vor den Kopf gestossen fühlten. «Auf den ersten Blick suggerieren Fredi Zuberbühlers Tracht und die Hackbretter etwas Anderes als dann geboten wird», sagt er. Die Appenzellermusik mache nämlich nur einen kleinen Teil des Konzerts aus. «Wir beginnen und enden jeweils mit ihr», so Christen.

An der morgigen CD-Präsentation gibt es die Gelegenheit, sich davon zu überzeugen. Das Konzert ist öffentlich und der Eintritt frei.

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