TEUFEN
Schiesssportzentrum: Erfolg vor Gericht, doch von der Gemeinde flattert die Betreibung ins Haus

Das Bundesverwaltungsgericht gibt dem Schiesssportzentrum (SSZ) Teufen Recht: Es habe Anspruch auf die Coronafinanzhilfe. Während sich auf der einen Seite ein Hoffnungsschimmer für die gegen den Konkurs kämpfende Sportanlage abzeichnet, sieht es auf der anderen Seite düster aus. Die Gemeinde hat die Betreibung eingeleitet.

Astrid Zysset
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2012 wurde das Schiesssportzentrum in Teufen eröffnet. Seitdem hat die Anlage mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen.

2012 wurde das Schiesssportzentrum in Teufen eröffnet. Seitdem hat die Anlage mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Bild: Ralph Ribi

Ein kleiner Erfolg für das Schiesssportzentrum (SSZ) Teufen. Das Bundesamt für Sport (Baspo) wollte dem SSZ zunächst keine Coronafinanzhilfe zusichern. Begründung: Diese gebe es nur für Vereine, das SSZ werde jedoch von einer Genossenschaft betrieben. Vizepräsident Heinz Bolliger liess diese Argumentation nicht gelten und legte beim Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen Beschwerde ein. Dieses entschied nun am Dienstag zu seinen Gunsten.

Das Gericht stützte sich auf eine Verordnung von Juni 2020, die besagt, dass neben Sportvereinen auch «nicht gewinnorientierte Organisationen, deren hauptsächlicher Zweck die Durchführung von Kursen, Trainings und Wettkämpfen im Breitensport» seien, Gelder erhalten. Das vom Baspo abgelehnte Gesuch vom April wurde aufgehoben. Das heisst, die beantragten A-fonds-perdu-Gelder von 70'000 Franken für den ersten Lockdown müssen nochmals geprüft werden.

Erneutes finanzielles Loch durch zweiten Lockdown

Heinz Bolliger ist Vizepräsident der Genossenschaft Schiesssportzentrum Teufen (SSZ). Das Präsidium ist vakant.

Heinz Bolliger ist Vizepräsident der Genossenschaft
Schiesssportzentrum Teufen (SSZ). Das Präsidium ist vakant.

Bild: PD

Grosse Freude über das gefällte Urteil ist bei Bolliger jedoch nicht auszumachen.

«Der Entscheid ist sicherlich als positiv zu werten. Aber das Gesuch muss nun erneut eingereicht werden. Und das ist sehr aufwendig.»

Um den Schiessbetrieb aufrechtzuerhalten, hatte sich der Vizepräsident der Genossenschaft bereits an den Trägerverein RLZS der Ostschweizer Unter- und Kantonalverbände sowie an den Schweizer Schiesssportverband (SSV) gewandt. Der SSV sicherte dem Trägerverein ein Stabilisierungspaket von 40'000 Franken zu. Weitere 30'000 Franken erhielt das SSZ direkt vom SSV für das Schiesssportzentrum, da gemäss einer Motion der Bund Sportanlagen von nationaler Bedeutung zu unterstützen hat. Macht unter dem Strich: 70'000 Franken.

Wird das Gesuch für die Coronafinanzhilfe für den ersten Lockdown nun überhaupt nochmals eingereicht? «Das werden wir mit dem SSV als Dachverband noch diskutieren», so Bolliger. Er hofft auf eine einvernehmliche Lösung mit dem Baspo und dem SSV. Denn aufgrund des zweiten Lockdowns hat sich beim SSZ ein erneutes finanzielles Loch aufgetan. Dreieinhalb Monate lang mussten Reservierungen sistiert und Abonnemente verlängert werden. Der Schaden: gegen 50'000 Franken.

Dieses Geld benötigt die Genossenschaft dringend. Bolliger versichert zwar, dass der Schiessbetrieb für die kommenden Monate gesichert ist, doch finanziell ist das SSZ nicht auf Rosen gebettet. So sind seit vergangenem Jahr nur noch ehrenamtliche Mitarbeiter für den Schiessbetrieb im Einsatz. Und bei der Gemeinde Teufen steht die Genossenschaft nach wie vor in der Kreide.

Längerer Rechtsstreit wird erwartet

Wegen der Ausstände hat der durch die Gemeinde bevollmächtigte Anwalt nun Anfang Februar die Betreibung auf Grundpfandverwertung eingeleitet. Der offene Betrag beläuft sich auf rund 144’000 Franken. Bolliger bestätigt, dass das SSZ zum grossen Teil die Überweisung der Darlehenszinsen und jährlichen Amortisationen an die Gemeinde eingestellt hat. Das Geld wurde benötigt, um den Schiesssportbetrieb aufrechtzuerhalten. Die Genossenschaft hat nun ihrerseits Rechtsvorschlag eingelegt und einen Anwalt engagiert. Bolliger geht davon aus, dass es einen längeren Rechtsstreit geben wird. Für den Vizepräsidenten ist klar:

«Gib alles, aber niemals auf! Ich bin das den jungen Schiesssportschülern schuldig. Auch ich war mal jung und dankbar, dass ich meine Träume verwirklichen konnte.»

Vom Rechtsstreit erhofft sich Bolliger, dass die Forderung der Gemeinde kleiner wird. Denn sie trage eine Mitschuld an der finanziellen Schieflage des SSZ. 2012 wurde die Schiesssportanlage eröffnet. Dies mit einer massiven Baukostenüberschreitung: Anstatt 1,85 kostete der Bau schliesslich 3,15 Millionen Franken. Die Gemeinde war damals mit zwei Personen in der Baukommission vertreten. Zwar sind die damaligen Gemeinderatsmitglieder nicht mehr aktiv, doch Bolliger sieht die Sachlage ähnlich wie bei einer Erbschaft: Schulden der vorangegangenen Generation müssten mitgetragen werden.