TEUFEN: Lebenslinien zweier Künstler

«Walk The Line» heisst die neue Ausstellung im Zeughaus Teufen. Gezeigt werden Parallelen zwischen Johann Ulrich Fitzi und Klaus Lutz, zweier Kunstschaffenden aus verschiedenen Epochen.

Karin Erni
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Kurator Ueli Vogt freut sich, den wertvollen Leporello von Klaus Lutz ausstellen zu dürfen. (Bild: Karin Erni)

Kurator Ueli Vogt freut sich, den wertvollen Leporello von Klaus Lutz ausstellen zu dürfen. (Bild: Karin Erni)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Das Zeughaus Teufen stellt in seiner neuen Ausstellung ab 8. April Werke von Klaus Lutz (1940 bis 2009) Arbeiten von Johann Ulrich Fitzi (1798 bis 1855) gegenüber. Obwohl die beiden unterschiedlichen Epochen und Stilen verpflichtet sind, sieht Kurator Ueli Vogt Parallelen: «Eine Linie als die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine geläufige Definition. Daraus lassen sich panoramahaft Ortsbilder und Landschaften darstellen. Also scheinbar statische Ansichten, damit wir wissen, was ist, respektive in der Zukunft wissen, was war.» Dies nutzte zum Beispiel Johann Ulrich Fitzi für seine Darstellungen. Um den Verlauf von Zeit zu benennen oder gar darzustellen, wird oft auch die Linie zu Hilfe gezogen. So erinnern viele grafische Arbeiten von Klaus Lutz an Filmsequenzen, also einem Ablauf von Bildern, welche durch die Zeit verbunden sind. Als Beispiel zeigt Vogt ein Bilderbuch mit 31 kleinformatigen Kaltnadelradierungen von Klaus Lutz. Er entwarf dieses 1973 auf der Grundlage von Robert Walsers «Das Ende der Welt».

Berühmter Ausgewanderter

Kurt Lutz war von Beruf Lehrer. Er ist in St. Gallen aufgewachsen und lebte viele Jahre in Zürich, einige Zeit auch in Genua. Seit Mitte der 1980er-Jahre drehte er Experimentalfilme. Lutz erhielt 1992 das Atelierstipendium für das Atelier-Loft der Stadt Zürich in New York. Er blieb danach in East Village, einem Stadtteil im Bezirk Manhattan in New York, wo er bis zu seinem Tod in einem kleinen Studio lebte und arbeitete. Noch immer leben im Appenzellerland einige seiner Verwanden und Bekannten. Zu diesem Thema findet am 1. Juli eine öffentliche Führung statt. Von Klaus Lutz ist unter anderem die zwölf Meter lange Zeichnung «Pas de deux» zu sehen, die bisher kaum je in ihrer vollen Länge öffentlich ausgestellt worden ist. Ebenfalls gezeigt werden Filmstills aus «Arabia 1» und die frühe Druckarbeit «Zimmerstück».

Bekanntester Maler des 19. Jahrhunderts

Der in Teufen geborene Johann Ulrich Fitzi ist der wohl bekannteste Zeichner und Maler des 19. Jahrhunderts in Ausserrhoden. Er betätigte sich auch als Zeichenlehrer. Der Kanton hat vor einiger Zeit rund 300 Zeichnungen von ihm gekauft. 100 davon werden im Zeughaus ausgestellt. Sie sind in einer Art Panorama zusammengefügt zu sehen. Den Schluss der Reihe bilden Zeichnungen von toten Menschen, die im Gegensatz zu den eher den schematischen Landschaftsbildern erstaunlich lebendig wirken.

Die Werke der beiden Künstler werden in zwei gleich langen, roh gehobelten Vitrinen gezeigt. Diese sind mit Retro-Tischleuchten versehen und betonen die Linien der Zentralperspektive im ansonsten dunkeln Ausstellungsraum. Zum Titel der Ausstellung «Walk The Line», sagt Ueli Vogt: «So heisst ein von Jonny Cash (1955) geschriebener und interpretierter Song. Darin gelobt er seiner Angebeteten, artig und treu zu sein und die Regeln einzuhalten. Die Linie verschwindet meistens in der deutschen Übersetzung. Sie hat viele Gestalten und wird oft als Metapher verwendet.»

Wie immer runden Beiträgen weiterer Künstlerinnen und Künstler die Ausstellung im Zeughaus ab. Werke von Anna Beck-Worner, Karin Karinna Buhler, Christian Kathriner, Sandra Kuhne, Reto Muller und Christian Ratti.

Hinweis Vernissage: Sonntag, 8. April, 14 Uhr Begleitveranstaltungen: Sonntag, 13. Mai, 14 Uhr: «Step by Step» Mit Biograf Johannes Schläpfer auf Johann Fitzis Teufner Spuren. Sonntag, 3. Juni, 14 Uhr im Museum am Dorfplatz in Gais: Promenade durch die Bilderwelt von Johann Ulrich Fitzi mit Dr. Heidi Eisenhut. Sonntag, 24. Juni, 14 Uhr Lutz-Sonntag: Gespräch zwischen Weggefährtinnen und -gefährten, Kennerinnen und Kennern, Verwandten und Bekannten von Klaus Lutz über sein Leben und Werk. Sonntag, 1. Juli, 14 Uhr: Öffentliche Führung im Dialog mit Anna Beck-Wörner. Sonntag, 19. August, 14 Uhr Finissage «Die Welt hinter den Zeichen, Teil 2» Lecture Performance Teil 2 von Karin Karinna Bühler.