«Teufen kann sich das leisten»: Petition für die Aufnahme von Flüchtlingen eingereicht

Maya Leu hat beim Teufner Gemeinderat eine Petition eingereicht, welche die Aufnahme von Flüchtlingen von den griechischen Inseln fordert. Mit diesem Wunsch steht die 70-Jährige nicht alleine da: In zahlreichen Gemeinden der Schweiz soll demnächst das gleiche Begehren eingehen.

Astrid Zysset
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Zehntausende Menschen flüchteten vor Krieg, Terror und Verfolgung über das Mittelmeer auf die griechischen Inseln. Die Lager auf Leros, Chios, Kos und Samos sind restlos überfüllt, Moria brannte ab. Die Zustände vor Ort umschreibt das Hilfswerk Caritas als katastrophal.

Zehntausende Menschen flüchteten vor Krieg, Terror und Verfolgung über das Mittelmeer auf die griechischen Inseln. Die Lager auf Leros, Chios, Kos und Samos sind restlos überfüllt, Moria brannte ab. Die Zustände vor Ort umschreibt das Hilfswerk Caritas als katastrophal.

Bild: Petros Giannakouris / AP

Sie ist gerade eben von einer Ferienwoche für Geflüchtete zurückgekehrt. «Es war wunderbar! Aber auch sehr anstrengend», sagt Maya Leu. Die 70-jährige Teufnerin ist Vorstandsmitglied des Solidaritätsnetzes Ostschweiz, welches sich für eine fortschrittliche Asylpolitik einsetzt. Die vergangene Ferienwoche in Hemberg kam aufgrund einer Zusammenarbeit verschiedener Kirchgemeinden zu Stande. Doch warum war die Woche denn dermassen anstrengend?

«Von den vielen schlimmen Schicksalen zu hören – das setzt einem zu.»

Eine Frau aus Afghanistan hätte sie in einem Gruppengespräch gefragt, warum Gott es zulasse, dass so viele Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken. Maya Leu erklärte ihr, dass dies nicht Gottes Schuld sei. Europa habe die Türen verschlossen. «Dieses Gespräch gab mir nochmals einen Schub, an der bestehenden Situation etwas ändern zu wollen.» Der Teufnerin ist es ein Anliegen, dass die Menschen ohne weitere Traumatisierungen nach Europa gelangen können.

Petition eingereicht

Maya Leu lebt seit 2005 in Teufen.

Maya Leu lebt seit 2005 in Teufen.

Bild: PD

Maya Leu reichte Ende September beim Teufner Gemeinderat eine Petition ein. Die Aufnahme von einer bis zwei Familien von den griechischen Inseln wird darin gefordert. Unterzeichnet haben die Bittschrift 44 Personen. Trotz dieser geringen Anzahl an Unterschriften geht Leu davon aus, dass viele ihr Anliegen teilen. «Ich habe die Petitionsbogen nur kurz im Freundes- und Bekanntenkreis rumgereicht.» Innert dreier Tage kamen die Unterschriften zusammen. Mit dieser Petition wollte Maya Leu einem Brief mehr Gewicht verleihen, den sie Tage zuvor dem Gemeinderat schrieb. Auch darin forderte sie die Aufnahme von Flüchtlingen. Am 20. Oktober wird die Petition im Gemeinderat behandelt.

Begehren wird in verschiedenen Gemeinde gestellt

Sollte der Gemeinderat dem Begehren zustimmen, meldet er dies dem Bund – und das ist das Ziel von Maya Leu beziehungsweise der Delegierten der Solinetze Schweiz. An ihrer vergangenen Versammlung hatten sie beschlossen, mehr Druck auf Bern auszuüben. So wurden die Delegierten angewiesen, in allen Solinetzen ihre Mitglieder zu bitten, in deren jeweiligen Gemeinden ein Begehren um Aufnahme von griechischen Flüchtlingen zu stellen. «Wie viele das mittlerweile schon gemacht haben, weiss ich nicht», so Maya Leu. Aber als notwendig erachtet sie dieses Vorgehen allemal.

Über 130 Hilfsorganisationen mit insgesamt über 50'000 Einzelpersonen ersuchten den Bundesrat in einem gemeinsamen Schreiben um die Aufnahme von Flüchtlingen von den griechischen Inseln. Als Antwort kam: Die Schweiz leiste genug. 52 Jugendliche mit familiärem Bezug zur Schweiz seien im vergangenen Mai bereits aufgenommen worden.

«Und das ist die humanitäre Tradition der Schweiz?»

Für Maya Leu war die Antwort des Bundesrates der blanke Hohn. Tausende Flüchtlinge seien auf Hilfe angewiesen. Verschärft wurde die Situation durch den Brand des Lagers Moria auf Lesbos am 9. September, bei welchem 12'600 Menschen ihr allerletztes Hab und Gut verloren.

Warten auf die politische Unterstützung

«Teufen ist die reichste Gemeinde in Appenzell Ausserrhoden. Sie kann sich die Aufnahme von Geflüchteten leisten», ist Maya Leu überzeugt. Dabei müsste die Gemeinde lediglich den Wohnraum zur Verfügung stellen. Finanziert würden die Aufgenommenen durch den Bund. Und bei der Integration begleitet würden sie durch Angehörige des Runden Tisches für Geflüchtete im Rotbachtal.

Noch fehlt das politische grüne Licht. Die Zeit aber drängt. Der Winter steht vor der Türe. Und die Situation in Griechenland wird von Tag zu Tag schlimmer. Abwarten und Däumchen drehen, ist nicht in Maya Leus Sinne: Am Samstagnachmittag demonstriert sie auf dem Bundesplatz in Bern, um auf die Notwendigkeit der Flüchtlingsaufnahme aufmerksam zu machen.