TEUFEN: «Ich gebe nicht viel auf Ratings»

Die «Weltwoche» hat ihr Gemeinderating publiziert. Alle bisherigen Ausserrhoder Gemeinden und Innerrhoder Bezirke haben massiv verloren. Trotzdem: Teufen ist Ostschweizer Spitzenreiter.

Monika Egli
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Teufen verliert 141 Plätze gegenüber 2015, bei anderen ist der Verlust noch viel höher. (Bild: Hanspeter Schiess)

Teufen verliert 141 Plätze gegenüber 2015, bei anderen ist der Verlust noch viel höher. (Bild: Hanspeter Schiess)

TEUFEN. Untersucht wurden alle Schweizer Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern, insgesamt 919 Gemeinden. Teufen hat gegenüber dem Vorjahr 141 Plätze eingebüsst, liegt auf Rang 180, ist damit aber die bestplazierte Ostschweizer Gemeinde. Gemeindepräsident ad interim, Markus Bänziger, äussert sich dazu.

Markus Bänziger, Teufen ist im Gemeinderating von Rang 39 auf Rang 180 gefallen. Können Sie sich diesen Absturz erklären?

Teufen mag im Rating zurückgefallen sein, tatsächlich lebt es sich hier aber so gut wie kaum jemals. Der Absturz lässt sich mit der Veränderung der Kriterien und Gewichtung erklären. Die ganze Ostschweiz ist zurückgefallen.

Wo hat die Ostschweiz besonders verloren?

Bei Schule/Bildung war die Ostschweiz bisher immer weit vorne. Dieser Bereich wird aber nicht mehr als eigenständiges Kriterium gewertet.

Und wo schneidet Ihre Gemeinde besonders schlecht ab?

Beim Kriterium Erreichbarkeit/Verkehrserschliessung liegen wir und alle Ausserrhoder Gemeinden auf Rängen über 700 von 919 Gemeinden. Ich sehe es allerdings anders: In 15 bis 25 Minuten ist man ab Teufen im Zentrum von St. Gallen.

Aber das müsste den Ansprüchen der «Weltwoche» doch genügen…

Die «Weltwoche» legt dieses Kriterium mit einer Reisezeit per öV oder Auto «zum nächsten Zentrum und zur nächsten Grossstadt» fest. Eventuell wurde St. Gallen nicht als Zentrum oder Grossstadt definiert, sondern nur Zürich. Nach Zürich brauchen wir zwischen einer bis 2,5 Stunden, je nach Verkehrsmittel und Tageszeit. Aber für mich zählt: Die Erreichbarkeit des Ostschweizer Zentrums St. Gallen ist sehr gut.

Man könnte sie aber noch verbessern?

Stimmt. Stichworte dazu sind die Anbindung an das Nationalstrassennetz und die Beseitigung des Engpasses im Riethüsli.

In der Top-100-Liste figuriert keine Ostschweizer Gemeinde mehr. Können Sie dieses Rating überhaupt noch ernst nehmen?

Ich gebe nicht viel auf Ratings. Und es gibt Kriterien, da wollen wir gar nicht vorne liegen. Hohe Baulandpreise beispielsweise sind nicht erstrebenswert. Aber man kann aus Ratings Erkenntnisse ableiten. Man kann sehen, was den Einwohnern wichtig ist.

Nämlich?

Bildung, Versorgung, Erschliessung/Erreichbarkeit, Sicherheit.

Was heisst das für Sie als interimistischer Gemeindepräsident?

Der Gemeinderat wird weiterhin für eine hochwertige Schule, eine moderne Infrastruktur und vermehrt für den Erhalt und Ausbau der Einkaufsmöglichkeiten eintreten. Für eine bessere Erschliessung muss sich aber der Kanton, müssen sich alle Gemeinden gemeinsam einsetzen.

Verliert Teufen jetzt an Standortattraktivität?

Nein, im Gegenteil. Es kommt immer darauf an, was und wie man etwas bewertet. Die Einwohner und Einwohnerinnen der Gemeinde Rüschlikon als Gewinnerin sind sicher stolz. Ich persönlich möchte aber nicht mit ihnen tauschen.

Was lieben Sie denn besonders an Ihrer Wohngemeinde?

Ich fühle mich hier äusserst wohl. Wir haben ein aktives Vereins- und Dorfleben, eine intakte Einkaufslandschaft, gute öffentliche Verkehrsmittel, eine hervorragende Infrastruktur und eine hochwertige Schule nebst der exzellenten Lage am Eingangstor zum Appenzellerland.

Und dank gut gefüllter Kassen keine finanziellen Sorgen.

Teufen hat in den letzten vier Jahren die Verschuldung massgeblich reduzieren können. Wir haben den Handlungsspielraum für das Nachholen von punktuell aufgestautem Unterhalt, aber auch für Neuinvestitionen erhöht.