TEUFEN: Frustkäufe suchen neue Besitzer

Jeden Tag wird ein gebrauchtes, aber noch tragbares Kleidungsstück an einem öffentlichen Ort ausgesetzt. Die Aktion ist Teil eines Kunstprojekts, das im Zusammenhang mit der Ausstellung «Iigfädlet» steht.

Karin Erni
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In der Kleider-Kontakt-Börse im Zeughaus Teufen verpackt und etikettiert die Künstlerin Iris Betschart die Kleider für die weitere Verwendung. (Bild: Karin Erni)

In der Kleider-Kontakt-Börse im Zeughaus Teufen verpackt und etikettiert die Künstlerin Iris Betschart die Kleider für die weitere Verwendung. (Bild: Karin Erni)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

«Der heutige Kleiderüberfluss ist ein Wahnsinn», sagt Iris Betschart. Textilien würden in Fernost unter teils unwürdigen Bedingungen produziert und in Europa zu Billigstpreisen verramscht. Ebenso unbedacht wie sie gekauft wurden, wandern die Kleider bei Nichtgebrauch in die Altkleidersammlung. Diese Wegwerfmentalität ist der St. Galler Modedesignerin und Künstlerin ein Dorn im Auge. Ihr Rezept gegen die Textilflut heisst «Second Life». Unter dem Label «Graue Zone» werden bei ihr aus gebrauchten Textilien durch Umarbeiten Designerteile. Ausrangierte Militärartikel verfremdet sie bis zur Unkenntlichkeit und führt sie einem neuen Verwendungszweck zu. Eine besondere Note erhalten die Stücke auch durch das Bemalen mit Javelwasser. Zurzeit sind einige dieser Objekte im Zeughaus Teufen ausgestellt.

Doch nur Ausstellen allein genügte Iris Betschart nicht. Die Künstlerin möchte ihr Anliegen aktiv in den öffentlichen Raum tragen. Gemeinsam mit Kurator Ueli Vogt hat sie ein Projekt entwickelt, um auf die Verschwendung der wertvollen Ressourcen aufmerksam zu machen. Gut erhaltene Kleider werden gewaschen, verpackt und an öffentlichen Orten deponiert.

Die Kleider für die Aktion ­bezieht Iris Betschart vom Secondhandladen Kleika und dem Tauschprojekt Swap. Dort tauschen Frauen regelmässig unter sich Kleider, die sie nicht mehr tragen wollen. Dabei blieben am Schluss immer einige übrig, sagt Iris Betschart. «Es handelt sich wohl oftmals um Frustkäufe, die kaum getragen wurden und daher in einwandfreiem Zustand sind.»

Diese Secondhand-Kleidungsstücke werden von Iris Betschart gefaltet und in Folie gepackt. Zum Schluss umwickelt sie das Ganze mit einem Band, auf dem das Datum des Aussetzungstages aufgestempelt ist. Auf einer Etikette ist fein säuberlich die Konfektionsgrösse gestempelt. «Es soll bewusst hochwertig daherkommen und kein Müll sein», so die Künstlerin. Rund 200 Kleidungsstücke werden so bis Ende Oktober einen neuen Besitzer oder eine neue Besitzerin gefunden haben.

Ursprünglich habe man auf der Etikette einen zusätzlichen Hinweis anbringen wollen. Mit diesem hätten die neuen Besitzer gebeten werden sollen, ein Bild von sich und dem adoptierten Kleid zu schicken. Aus Platzgründen sei man wieder davon abgekommen. «Aber falls uns jemand ein Foto von sich mit dem neuen Kleid schickt, würde uns das sehr freuen», so die Künstlerin.

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