Weil Kosten erneut gestiegen sind: In Teufen wird abermals über Tunnellösung abgestimmt

Die Resultate der Standortbestimmung zum Projekt Doppelspur liegen vor. Diese besagen, dass die Kosten erneut gestiegen sind. Mittlerweile schlägt die Doppelspur mit 65 Millionen Franken zu Buche. Die Gemeinde will darum die Tunnellösung nochmals zur Abstimmung bringen.

Astrid Zysset
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So soll sich die Lösung Doppelspur einmal präsentieren: Der Zug der Appenzeller Bahnen gliedert sich in den Strassenverkehr ein. (Visualisierung: PD)

So soll sich die Lösung Doppelspur einmal präsentieren: Der Zug der Appenzeller Bahnen gliedert sich in den Strassenverkehr ein. (Visualisierung: PD)

Teufen und die Frage nach dem Tunnel – eine scheinbar unendliche Geschichte. Gemeindepräsident Reto Altherr hofft trotzdem, dass mit einer Abstimmung über einen Projektierungskredit und allenfalls später einer solchen über einen Tunnel die Diskussionen «ein für allemal verstummen».

Am Montagabend stellte die Projektleitung um Kanton, Appenzeller Bahnen und Gemeinde im Lindensaal in Teufen die Resultate der Standortbestimmung vor. Diese wurde in Auftrag gegeben, nachdem Anfang dieses Jahres bekannt geworden war, dass die Kosten für die geplante Doppelspur aus dem Ruder zu laufen schienen. Damals wurden sie mit 53,3 Millionen Franken angegeben. Zum Vergleich: 2014, im Edikt zum Langtunnel, wurde noch mit Kosten von 26 Millionen Franken gerechnet.

Am Montagabend dann die Überraschung, als Kantonsingenieur Urban Keller einräumte, dass die Kosten abermals gestiegen sind. Das hätten die genauen Kostenevaluierungen, welche im Rahmen der Standortbestimmung durchgeführt wurden, ergeben. «Wir haben alles nochmals intensiv durchleuchtet, alle Details studiert», führte der Kantonsingenieur aus. Auch eine Zweitkalkulation durch Externe wurde vorgenommen. Resultat: Die Doppelspur, welche nun als Auflageprojekt vorliegt, kostet 64,9 Millionen Franken. Eine Redimensionierung wurde zwar von der Projektleitung diskutiert, schliesslich jedoch verworfen. Weder soll die Sanierung der Hangbrücke vorgezogen, noch auf den Kreiselbau verzichtet oder Trottoirlücken bestehen bleiben.

«Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen»

Mit 65 Millionen Franken wurden gemäss damaligen Edikt jedoch auch die Kosten für den Langtunnel veranschlagt. Ist der Tunnel nun gleich teuer wie die Doppelspur? «Dem ist nicht so», stellte Keller klar. «Das käme einem Vergleich zwischen Äpfel und Birnen gleich.» Denn zu den Kosten für den Tunnel müssten noch einzelne Projektbestandteile der Doppelspur hinzu gerechnet werden, welche trotzdem realisiert werden müssen.

Dies sind unter anderem die Hangbrückensanierung, die Erneuerung der Kantonsstrasse oder auch eine Verbesserung der Situation für den Langsamverkehr. Wie teuer der Tunnel tatsächlich wird, ist unklar. Die genauen Kosten sollen nun evaluiert werden. «Ein Vergleich zwischen den Varianten Tunnel und Doppelspur ist nur möglich, wenn wir beides in gleicher Bearbeitungstiefe gegenüber stellen können», so Altherr.

Abstimmung über Tunnel im Jahre 2024

Am 17. Mai 2020 stimmt die Teufner Stimmbevölkerung über einen Projektierungskredit ab. Mit diesem sollen die genauen Aufwendungen für eine Tunnellösung Bahnhof – Stofel bestimmt werden. Altherr gab Planungskosten von 3,3 Millionen Franken und ein Zeitaufwand von 3,5 Jahren an.

Das Projekt Doppelspur liegt somit mindestens bis kommenden Mai auf Eis. «Eigentlich hätten wir es im Januar einreichen wollen», so Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen. Doch darauf wird vorerst verzichtet. Sagt die Stimmbevölkerung Ja zum Projektierungskredit, wird die Tunnellösung ausgearbeitet. 2024 soll die Abstimmung erfolgen, sodass 2027 der Baustart und 2031 die Inbetriebnahme erfolgen soll.

Lehnt die Bevölkerung den Projektierungskredit jedoch ab, wird die Doppelspur weiter verfolgt. Deren Fertigstellung würde 2030 erfolgen.

Entschuldigung für Kostensteigerung

Doch warum ist die Doppelspur überhaupt dermassen teuer geworden? Kantonsingenieur Urban Keller spricht von drei Kostensprüngen, welche das Projekt genommen hat. Der jüngste geschah mit der nun vorgenommenen Standortbestimmung. Die Erhöhung der Kosten von 36,8 Millionen auf 53,3 Millionen Franken passierte im zweiten Sprung mit der Verlängerung der Doppelspur um 330 Meter. Das war 2017/2018. Und die Kostenschätzung über 26 Millionen Franken, welche sich im Edikt zum Langtunnel befand, beruhte auf einem «Führungsfehler», so Keller.

«Wir hatten zu spät realisiert, dass die Zahlen für die Abstimmung verwendet werden. Die Kostenschätzung wurde nicht ausreichend überprüft. Wir stehen zu unserem Fehler: Es tut uns leid.»

Eine Entschuldigung, die bei den Bürgerinnen und Bürgern, die zahlreich der Einladung zur Präsentation der Standortbestimmung gefolgt waren, geschätzt wurde. Auch, dass noch einmal über einen Tunnel abgestimmt werden kann, stiess auf Wohlwollen im Lindensaal.

Kritisch beäugt wurden die 3,5 Jahre, die es gemäss Altherr braucht, bis das Tunnelprojekt ausgearbeitet ist. Zudem sei die Sicherheit im Projekt Doppelspur für den Langsamverkehr nicht ausreichend gewährleistet, warf ein Votant ein. Und ein weiterer machte sich dafür stark, dass die Auswirkungen der Bautätigkeit auf das Gewerbe nicht vergessen werden.

Kommentar

Ein Dorf dreht sich im Kreis

In Teufen ist die Diskussion um eine Tunnellösung neu aufgeflammt. Eine Petition ist im Gange und eine Stimmrechtsbeschwerde gegen die vergangenen Abstimmung 2017 wurde eingereicht. Die Mittelländer Gemeinde scheint vom Tunnel einfach nicht loszukommen - ein Kommentar.
Astrid Zysset