TEUFEN: Doppelspur favorisiert

Seit Jahrzehnten ist die Ortsdurchfahrt ein Thema. Am 21. Mai entscheiden die Stimmberechtigten über die Volksinitiative für einen Kurztunnel. Nun bezieht der Gemeinderat Stellung.

Patrik Kobler
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Ihre Position steht fest: Teufens Gemeindeschreiber Philipp Riedener, Gemeinderätin Pascale Sigg , Gemeindepräsident Reto Altherr. (Bild: PK)

Ihre Position steht fest: Teufens Gemeindeschreiber Philipp Riedener, Gemeinderätin Pascale Sigg , Gemeindepräsident Reto Altherr. (Bild: PK)

Patrik Kobler

patrik.kobler

@appenzellerzeitung.ch

Der Teufner Gemeinderat hat sich festgelegt: Er empfiehlt den Stimmberechtigten einstimmig, am 21. Mai die Initiative für einen Kurztunnel abzulehnen. «Die Vorteile einer Strassenbahnlösung mit richtungsgetrennter Doppelspur überwiegen unserer Meinung nach deutlich», sagte Gemeindepräsident Reto Altherr gestern an einer Medienkonferenz. «Nebst den massiven baulichen Einschnitten ins Ortsbild durch die Tunnelportale müsste der Bahnhof tiefer gelegt werden und der Zugang würde im ‹Untergrund› erfolgen. Zudem bleibt bei der Kurztunnelvariante die problematische Situation an der neuralgischen Stelle bei Elektro Nef zwischen Schützengarten und Stofel ungelöst», begründet der Gemeinderat seinen Entscheid. Die Verkehrssituation und -sicherheit zwischen Stofel und Bahnhof Teufen lasse sich insgesamt mit der Strassenbahnlösung überzeugender und nachhaltiger verbessern. «Dank der Reduktion von drei auf zwei Fahrbahnen entstehen neue Freiräume für Velo- und Fussverkehr», so Altherr. Es blieben auch alle Optionen offen, solche Freiräume später auf der ganzen Strecke bis zur Lustmühle, die auch ein wichtiger Schulweg sei, zu nutzen. Der Kurztunnel würde diese Möglichkeit einschränken. Mit Blick auf die Verkehrssicherheit und auf den Kosten-Nutzen-Vergleich sei der Gemeinderat von den Vorteilen der Strassenbahnvariante überzeugt. Gleichzeitig ist es dem Gemeinderat aber ein Anliegen, die Varianten mit allen Vor- und Nachteilen offen auf den Tisch zu legen, damit die Stimmbürger eine gute Entscheidungsgrundlage hätten. Sowohl im Edikt als auch an der öffentlichen Orientierungsversammlung vom 3. Mai werde das Initiativkomitee zu Wort kommen. Finanziell könnte sich gemäss Reto Altherr die Gemeinde den Kurztunnel leisten, wobei der ursprünglich genannte Kredit von 10 Millionen Franken nicht realistisch sei. Nach heutigem Kenntnisstand müsse gegenüber der Strassenbahnvariante mit Mehrkosten von 24,8 Millionen zu Lasten der Gemeinde gerechnet werden.

An der Medienkonferenz nahm auch Gemeinderätin Pas­cale Sigg teil. Die Leiterin der Arbeitsgruppe «Gestaltung Dorfzentrum Teufen» betonte, dass die Appenzeller Bahnen Bauherrin seien. Seit dem Nein zum Langtunnel im Januar 2015 treibt diese das Doppelspurprojekt vor­an. Die Bahn soll im Dorf Teufenkünftig richtungsgetrennt auf zwei Gleisen mit den Motorfahrzeugen auf der Strasse fahren. Mit Inbetriebnahme der Durchmesserlinie Trogen-St. Gallen-Appenzell per Fahrplanwechsel Ende 2018 erweitert die AB ihr Angebot. Die Fahrzeit zwischen Stadt und Teufen wird reduziert und zu den Hauptverkehrseiten am Morgen und am Abend wird Teufen neu im Viertelstundentakt mit St. Gallen verbunden. Für diesen Angebotsumbau schaffen die AB tramähnliche Züge an. Zugleich sind die Gleisanlagen und Haltestellen auf den neuen Betrieb umzustellen. Dies bedingt den Umbau des Bahnhofs Teufen mit der Erweiterung auf drei Spuren sowie den Umbau der vier Haltestellen Lustmühle, Niederteufen, Sternen und Stofel.

Für die Projektierung sind also die Appenzeller Bahnen zuständig. Allerdings: Die Gemeinde kann eine Projektalternative – wie im aktuellen Fall einen ­Kurztunnel – einbringen. Die Bahn­betreiberin ist aber beim Einreichen des Plangenehmigungsgesuches nicht an Projektalternativen gebunden. Sigg: «Dies beantwortet auch die oft gestellte Frage, weshalb in Teufen noch nie über die Doppelspur abgestimmt wurde.»

Hinweis: Am 3. Mai, 19.30 Uhr, ist im Lindensaal eine öffentliche Orientierungsversammlung. Initiativkomitee und Gemeinderat informieren über die Initiative. Die Abstimmungsunterlagen werden bis spätestens 28. April verschickt sein.