TEUFEN: Die Orgel und ihre kleine Schwester

In der reformierten Kirche treffen die Akkordeonkünste von Goran Kovacevic und das Orgelspiel von Paolo d’Angelo aufeinander. Das Publikum erlebt ein stimmiges Konzert, welches die Herzen berührt.

Brigitta Schmid
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Goran Kovacevic und Paolo d’Angelo ins versierte Zusammenspiel vertieft. (Bild: Brigitta Schmid)

Goran Kovacevic und Paolo d’Angelo ins versierte Zusammenspiel vertieft. (Bild: Brigitta Schmid)

Brigitta Schmid

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@appenzellerzeitung.ch

Goran Kovacevic ist einer der renommiertesten Akkordeonspieler weitherum und in vielen Stilen zu Hause. Unter anderem ist er auch Professor für Akkordeon und Kammermusik am Landeskonservatorium in Feldkirch. Für seine Meisterkonzert-Tournee hat er sich mit Paolo d’Angelo zusammengetan. D’Angelo leitet verschiedene Chöre in den Kantonen Thurgau und Zürich. Er ist Organist, Musiklehrer und ebenfalls ein Meister seines Instruments, der Orgel. Auch am Akkordeon ist er hörbar sicher und fühlt sich – wie Kovacevic – in vielen musikalischen Stilen wohl.

Das Zusammenspiel von Akkordeon und Orgel ist nicht alltäglich. Eigentlich schade, wie schon nach dem ersten gemeinsamen Stück – Sonata La Leona von Cesario Gussago – allen im Publikum klar geworden ist. Das Publikum besetzte die Kirche in Teufen anständig, eine noch grössere Zuhörerschaft wäre jedoch mehr als verdient gewesen. Eingestiegen ist Kovacevic in die konzertante Zeitreise durch 440 Jahre Musikgeschichte mit dem in Solo gespielten Preludio von Adamo Volpi. Danach machte d’Angelo seine klangstarke Aufwartung mit dem Entree Pontificale von Marco Enrico Bossi.

Die Nähe der beiden auf den ersten Blick so unterschiedlichen Instrumente wurde nach und nach offenbar. Die beiden Musiker zeigten ihre Möglichkeiten und Eigenheiten in den gewählten Stücken auf eine eindrückliche Art und Weise. Besonders zum Tragen kam das Zusammenspiel im Konzert in a-Moll nach Vivaldi von Johann Sebastian Bach. Im Rücken des Publikums – auf der Empore bei der Orgel – pflegten die beiden Musiker das Zusammenspiel in Perfektion. In einem fliessenden, verspielten und kraftvollen Dialog spielten sich die beiden Instrumente temperamentvolle Klangstücke zu.

Es brummt und piepst

Plötzlich erfüllte ein sonorer Brummton die Kirche, ein beinahe schmerzhaftes Piepsen antwortete. Goran Kovacevic lotet mit seiner Eigenkomposition TWO-gether die Grenzen der beiden Instrumente aus. Den Tonumfang bis an die hörbare Schmerzgrenze auslotend – vom tiefsten Ton der Orgel zum höchsten Ton des Akkordeons und wieder zurück – entwickelt sich das gegenseitige Finden in der tonalen Mitte, die über einen verspielten musikalischen Dialog angestrebt wird. Dazu machte sich der Akkordeonist spielend auf den Weg von der Empore in den Chorraum. Je weiter er sich vom Orgel spielenden Paolo D’Angelo entfernte, desto näher kamen sich die beiden Instrumente. Die Begeisterung im Publikum war verdient und gross.

Den letzten Teil des Konzerts bestritten die beiden Musiker als Akkordeon-Duo. Curt Mahrs Konzert für zwei Akkordeons, «Comastor» von Franck Angelis und natürlich «La Muerte del Angel» von Astor Piazzolla bildeten einen begeisternden Dreiklang. Mit einer stehenden Ovation motivierten die Zuhörerinnen und Zuhörer die beiden spielfreudigen Musiker zu einer Zugabe.

Es ist ihnen bestens gelungen, die Möglichkeiten, Eigenheiten und die Verwandtschaft von Orgel und Akkordeon aufzuzeigen. Wer es am Sonntag nicht nach Teufen geschafft hat, erhält noch weitere Chancen. Im April und Mai stehen noch mehrere Meisterkonzerte in den Kantonen St. Gallen und Thurgau auf dem Programm.

Weitere Daten und Orte, an denen das Konzert wiederholt wird: <%LINK auto="true" href="http://www.meisterkonzert.ch" text="www.meisterkonzert.ch" class="more"%>