TEUFEN: Baukultur liegt im Auge des Betrachters

Nach über einem Jahr Planung war es am Mittwoch so weit: Im Zeughaus unterzeichneten Akteure rund um die Baukultur ein Dokument des Forums Appenzellerhaus. Nicht alle Anwesenden zeigten sich überzeugt.

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Die Geister spalteten sich am Mittwoch an einer Veranstaltung des Forums Appenzellerhaus zum Thema Baukultur. Anwesend waren unter anderem Vertreter von Denkmalpflege, Stiftung Dorfbild, Kulturstiftung, Heimatschutz und Hauseigentümerverband. Im Zentrum stand die Unterzeichnung der sogenannten «Durchsage». Damit sollen sich Organisationen zur «wertvollen, lokalen Baukultur» bekennen. Einführend wurde in der Runde über zwei Objekte eine Diskussion durchgeführt: den Umbau des Rothenstalls in Teufen und den Neubau im Schopfacker in Trogen. Beim Umbau des Rothenstalls wurden die räumliche Anordnung und Struktur des ehemaligen Stall- und Wohngebäudes beibehalten. Mängel sieht Eva Keller, Stiftung Dorfbild Herisau, etwa bei der Farbe oder dem neuen Dach. Der Gebäudetyp solle sich der Nutzung anpassen. In diesem Fall hätte der frühere Stall in irgendeiner Form angepasst werden sollen, sagen andere Stimmen.

Das Bauernhaus im Schopfacker fiel vor sechs Jahren einem Brand zum Opfer. Um das geschützte Dorfbild zu erhalten, wurde ein Ideenwettbewerb durchgeführt. Der Ausserrhoder Denkmalpfleger Fredi Altherr findet, dass ein gutes Ergebnis herausgekommen sei. René Hornung ist anderer Meinung und bezeichnete es als «typisches Vorarlberger-Haus», das nicht so richtig ins Dorfbild Trogens hineinpasse. Einig sind sich die Anwesenden in dem Punkt, dass an den zwei diskutierten Objekten sehr sorgfältig vorgegangen wurde und qualitativ überdurchschnittliche Bauten entstanden seien. Diskussionsleiter René Hornung zog Bilanz: «Die Abwägung scheint schwierig zu sein.» Zum einen solle Kulturgut erhalten bleiben, zum anderen würden der neue Nutzen beziehungsweise das moderne Wohnen immer mehr in den Vordergrund rücken. «Was würdet ihr in einem solchen Fall raten?», fragte er in die Runde. Auch Eva Keller ist ähnlicher Meinung: «Was macht ein typisches Appenzellerhaus überhaupt aus?» Traditionelle Bauweisen fänden heutzutage einfach keinen Einsatz mehr.

Die Durchsage lässt noch zu wünschen übrig

Nach der Diskussion folgte der eigentliche Grund für die Zusammenkunft: die Durchsage. Ziel sei es, die verschiedenen Kräfte in der Baukultur zu bündeln, so Vreni Härdi vom Forum Appenzellerhaus. Es sei eine Art Selbstdeklaration und Vernetzung von Beteiligten zugleich. Kriterien wie «wertvoll, sorgfältig, Zusammenarbeit» sind auf dem Dokument zu lesen. Das Resultat überzeugte jedoch noch nicht alle Anwesenden. So auch Gabi Bucher, die sich mit den «schwammigen» Formulierungen nicht anfreunden konnte. Was würde ein Unterzeichnen oder Nichtunterzeichnen der Durchsage bedeuten? Ändern solle sich an der Zusammenarbeit nichts, so Härdi. Fredi Altherr verteidigte das Vorhaben des Forums Appenzellerhauses: «Sie versuchen einen Sack Flöhe zu hüten. Ohne Sack.» Es sei an der Zeit, sich mit einer Unterschrift für die aufgeführten Werte zu bekennen. Am Abend kamen vorerst 13 Unterschriften zusammen. Es könnten noch mehr hinzukommen. Wichtig sei, dass man für Gesprächsstoff sorge und die Leute auf die Baukultur aufmerksam mache.

Jonas Manser

jonas.manser@appenzellerzeitung.ch