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Temporäre WC-Finsternis

Brosmete
Roger Fuchs

Seit Wochen herrscht Dunkelheit. Und das nicht nur in den Nachtstunden, sondern auch tagsüber. Ob der Grund ein defekter Bewegungsmelder ist oder eine kaputte Birne, entzieht sich meiner Kenntnis. Immerhin herrscht das Glück, dass es sich beim besagten Raum um ein kleines, keine fünf Quadratmeter grosses Kabäuschen handelt – dennoch ist Vorsicht geboten. Ein Stolperer könnte unangenehme Folge haben, vor allem dann, wenn sich vor einem schon eine andere Person den Weg durch die Dunkelheit gebahnt und möglicherweise nicht alles ganz sauber hinterlassen hat. Deshalb versuche ich stets beim Betreten noch einen Lichtspalt zu nutzen, um kurz mit meinen Augen die Situation zu scannen. Dann aber wird es dunkel und ich bin ganz auf meine Intuition angewiesen. Mit den Händen taste ich nach der Tür, um diese ins Schloss zu drücken, gleich darunter befindet sich der Drehverschluss. In Bibelischritten bewege ich mich schliesslich retour, bis ich in etwa auf Höhe der Kniekehle einen Widerstand zu spüren bekomme. Das ultimative Signal dafür, dass ich nun in die Knie gehen und mich langsam hinsetzen kann. Geschafft, ich befinde mich auf der Herren-Toilette. Und dies in jenem Gebäude, in dem sich unser Arbeitgeber in Herisau eingemietet hat.

Gottseidank konnte ich diesen kleinen Raum zuvor über Jahre hinweg bei Licht aufsuchen, so dass mir die Orientierung in der Dunkelheit nicht allzu schwerfällt. Zudem habe ich es inzwischen geradezu schätzen gelernt, einfach mal zwei Minuten Abstand zu nehmen vom Büro und ohne jeglichen visuellen Einflüssen dasitzen zu können. Man möge diese Aussage aber nicht falsch verstehen. Dauerhafte Blindheit ist niemandem zu wünschen. Die temporäre WC-Blindheit lässt mich aber einen kurzen Moment innehalten und durchatmen in der Hektik des Alltags.

PS: Fast schade, dass ausgerechnet in diesen Tagen wieder Licht brennt, als ob man diese Brosmete erahnt hätte.

Roger Fuchs

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