Teamplayer mit gesundem Ego

Mario Schönenberger hat sich nach schwierigen Jahren beim Super League Club Thun in Wil zum Teamleader entwickelt. Trainer Axel Thoma schätzt den Mosnanger nicht nur als Spieler.

Urs Huwyler
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Fussball. Der 21jährige Uzwiler Claudio Holenstein wartete nach dem Training beim Challenge League Club Wil auf Mittelfeld-Kollege Mario Schönenberger. «Er ist ein klassischer Teamplayer, der sich dafür einsetzt, dass es allen gut geht», charakterisierte der über Gossau zu Wil transferierte Sohn von Roman Holenstein, der jahrelang beim FC Kirchberg spielte, seinen neuen Captain. Dass ein «Tschutter» aus Mosnang, also einem Dorf ohne Fussballverein, in der zweitobersten Liga durch die Mannschaft zum Chef auf dem Platz gewählt wird, gab es noch nie. Und dies im Jahr mit den Derbys gegen den FC St. Gallen und den SC Brühl.

Als Junior beim FC Bütschwil und später im Wiler Nachwuchs trug das früh von anderen Clubs beobachtete «Talent aus den Bergen» verschiedentlich die Captain-Armbinde. Damit schliesst sich der Kreis, der vom Karriereverlauf her bisher einige Ecken aufwies. Sei es wegen Verletzungen oder Fussballlehrern, welche die Fähigkeiten des athletischen Technikers schlicht nicht erkannten und ihn als Aussenverteidiger statt im Zentrum einsetzten. «Ich denke, nun spielt er auf der richtigen Position. Im Mittelfeld kommen seine Qualitäten zum Tragen», betont der jetzige Trainer Axel Thoma.

Erfahrungen sammeln

Während der zweieinhalb ereignisreichen Jahre in Thun – in der Super League sowie in der Challenge League – und dem Abstecher zum SC Kriens schien es vorübergehend, als werde der Fussballprofi schon bald hauptberuflich als kaufmännischer Angestellter arbeiten. Mit der Rückkehr zum Stammverein Wil (neben Bütschwil) und der Zusammenarbeit mit Thoma änderte sich die Situation. «Bei Mario stimmt die Einstellung, er kämpft für den Erfolg. Ich schätze ihn als überdurchschnittlichen Challenge League-Spieler ein», sagt der als Trainer und Sportchef arbeitende Thoma.

Mario Schönenberger wirkt austrainiert, antrittsschnell, auch präsent, wenn er nicht im Ballbesitz ist. «Meine physische Verfassung stimmt», so der im gleichen Quartier wie der Unihockey-Internationale Daniel Kläger oder die beiden Leichtathletinnen Selina Büchel und Elisabeth Graf aufgewachsene Teamleader, «ich fühlte mich schon vergangene Saison wohl und war froh, nach Wil zurückkehren zu können. Als Captain werde ich allerdings zuerst Erfahrungen sammeln müssen. Aber ich empfinde das Amt nicht als Belastung.»

Einzelkämpfer im Team

Wiederholt war in den letzten zehn Jahren im Kreis von regionalen Fussballgrössen zu hören, «sollte Mario den Durchbruch nicht schaffen, wer sonst im Toggenburg.» Unterschätzt wurde, dass im Geschäft mit dem Ball viele nicht direkt beeinflussbare Faktoren eine Rolle spielen und ein Fussballer im Gegensatz zum Einzelsportler durch Trainer, Geldgeber und Funktionäre teilweise fremdbestimmt wird. «Ich musste lernen, dass es einen gewissen Egoismus braucht, um sich durchzusetzen. Aber am Ende ist jeder für die eigene Leistung selbst verantwortlich.»

Ein Jahr läuft der Vertrag beim FC Wil noch. 70 Prozent spielt Mario Schönenberger Fussball, 30 Prozent arbeitet er als Buchhalter im Bildungszentrum «Living Sense» Bürglen. «Sollte ich nochmals Profi werden, würde ich wohl wegen der Abwechslung einen Teilzeitjob behalten. In welcher Form auch immer.» Wieder in der Super League zu spielen bleibt ein Ziel des 25jährigen Teamplayers mit dem gesunden sportlichen Egoismus, der in Wil trotz des Chürze-Strassenfussballs, der Mosnanger Schulhauswiese-Tschutterei, der Ausbildung in Bütschwil und dem 2.-Liga-Zwischenjahr in Bazenheid als Einheimischer gilt.