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«Chlapfartig» im Amt: Wie sich der Alltag des neuen Innerrhoder Landesfähnrichs innerhalb kurzer Zeit veränderte

Der Alltag von Jakob Signer wurde innerhalb von drei Wochen radikal auf den Kopf gestellt. Doch wie schlägt sich nun der neue Innerrhoder Landesfähnrich, der nie einen Sitz in der Standeskommission angestrebt hat?
Claudio Weder
Er musste sich beruflich neu organisieren: Jakob Signer ist seit gut einem Monat als Innerrhoder Landesfähnrich im Amt. (Bild: Christian Merz/Keystone)

Er musste sich beruflich neu organisieren: Jakob Signer ist seit gut einem Monat als Innerrhoder Landesfähnrich im Amt. (Bild: Christian Merz/Keystone)

Betritt man Jakob Signers Büro in Gossau, fällt einem als Erstes die grosszügige Fensterfront auf, welche den Blick über die Hausdächer hinweg zum Säntis freigibt, der in der Ferne thront. Zumindest bei klarem Wetter hat der 48-jährige Unternehmensberater seine Heimat von seinem Schreibtisch aus stets im Blick. Und sollte das Wetter einmal trüb sein, hat er immer noch sein selbstgefertigtes Alpstein-Panorama, das an der Wand hängt und ihn an das Appenzellerland erinnert.

Seit 2015 ist Signer Teilhaber der Unit Consulting AG in Gossau. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner berät er KMU in finanziellen und strategischen Fragen. Vor gut einem Monat musste er jedoch sein Pensum auf 60 Prozent zurückschrauben. Die übrige Zeit widmet er sich dem Kanton Appenzell Innerrhoden – als neuer Landesfähnrich.

Am 28. April wurde Jakob Signer an der Landsgemeinde in die Standeskommission gewählt. Wie es sich für Neugewählte gehört, musste auch er sein Amt gleich am darauffolgenden Tag antreten. «Chlapfartig» sei es losgegangen, erzählt er. Grosse Mühe, sich in seiner neuen Tätigkeit zurechtzufinden, hatte Signer, der 15 Jahre lang in der kantonalen Verwaltung arbeitete und von dort her sowohl die Abläufe als auch die Leute bereits kannte, nicht. Im Gegenteil:

«Ich hatte nicht den Eindruck, ich müsse mich zuerst lange einarbeiten. Vielmehr war es für mich so, als könne ich mich gleich hinsetzen und direkt loslegen.»

Beruflich habe er sich allerdings neu organisieren müssen. «Dank meines verständnisvollen Geschäftspartners war es möglich, mein Pensum kurzfristig zu reduzieren.» Dennoch: Die Anfangsphase habe er als intensiv erlebt. «Es ging darum, sich zuerst einen Überblick über die Baustellen im Kanton zu verschaffen.»

Das Schicksal kann man nicht beeinflussen

In der Innerrhoder Politik ist Jakob Signer kein unbeschriebenes Blatt. 2014 wurde er für den Bezirk Appenzell in den Grossen Rat gewählt, dem er bis zu seiner Wahl in die Standeskommission angehörte. Er gehörte als 2. Stimmenzähler dem Büro des Grossen Rates an und war Mitglied der Wirtschaftskommission.

Einen Sitz in der Standeskommission habe er bisher nie angestrebt, sagt er. Doch das Schicksal könne man nun einmal nicht beeinflussen: Der unerwartete Tod von Martin Bürki am 9. April und die immer kürzer werdende Zeitspanne, in der ein geeigneter Nachfolger gefunden werden musste, liessen den 48-Jährigen seine ursprüngliche Entscheidung nochmals überdenken. Am Ostermontag sagte er entschlossen und motiviert zu:

«Schliesslich geht es auch darum, Verantwortung zu übernehmen.»

Dass das Justiz-, Polizei- und Militärdepartement aufgrund des früheren leitenden Staatsanwalts in die Schlagzeilen geraten war, sieht Signer nicht als Hemmnis. «Da wurden schon vor Monaten die Weichen richtig gestellt.» Als Motivation nennt Signer vor allem sein Fachwissen, das er als neuer Landesfähnrich einbringen könne – und dies, obwohl er, wie er sagt, eigentlich eher in Wirtschafts- und Finanzthemen als in der Justiz bewandert sei. Daher habe er auch grossen Respekt vor seiner neuen Aufgabe.

Die Justiz sei für ihn aber dennoch kein Neuland. Er arbeitete von 1998 bis 2001 als Departementssekretär des Volkswirtschaftsdepartements und wurde dort auch mit juristischen Aufgaben betraut. «Ich kenne mich aus mit Vernehmlassungsantworten und Entwürfen von Gesetzesrevisionen», sagt Signer und lacht. Neben politischer Erfahrung, Führungserfahrung und Erfahrung im Militär – Signer war Oberst und Chef des Kantonalen Territorialverbindungsstabes des Kantons Appenzell Innerrhoden – sieht der neue Landesfähnrich seine grosse Stärke vor allem darin, dass er ein komplexes Problem effizient erfassen und analysieren könne.

«Als Unternehmensberater entscheidet man nicht selber, vielmehr erarbeitet man Entscheidungsgrundlagen, zeigt Vor- und Nachteile verschiedener Lösungen auf.»

Dinge, die man auch als Mitglied der Regierung können müsse – auch wenn hier letztlich natürlich Entscheide zu fällen seien. Geduld zähle hingegen nicht zu seinen Stärken, gibt Signer zu. Die Politik sieht er daher als eine Art Pflaster, das einem eine gewisse Geduld und Demut lehrt.

Ausbruch aus der Komfortzone

Ein klares Ziel in Bezug auf das Justiz-, Polizei- und Militärdepartement hat Signer nicht. «Bei diesem Departement geht es nicht darum, einen Publikumspreis zu gewinnen, sondern darum, bestehendes Recht durchzusetzen.» Wichtig sei ihm dabei, alle Leute fair zu behandeln, ihnen zuzuhören und Lösungen zu bieten. Bezüglich seiner generellen Arbeit in der Regierung hat er aber ein klares Ziel: Er wolle den Kanton weiterentwickeln – in wirtschaftlicher, steuerlicher, aber auch gesellschaftlicher Hinsicht.

«Die Welt dreht sich – und wir müssen schauen, dass wir uns mit ihr drehen. Stehen bleiben ist keine Lösung.»

Jakob Signer, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Meistersrüte wohnt, ist ein vielseitiger Mensch, sowohl in seiner Freizeit als auch beruflich. «Ich könnte nicht ein ganzes Leben lang beim selben Arbeitgeber arbeiten», gibt er zu.

Ein Blick auf sein Curriculum bestätigt das: Nach einer kaufmännischen Lehre bei der kantonalen Verwaltung absolvierte Signer die Höhere Wirtschafts- und Verwaltungsschule HWV in St. Gallen und arbeitete anschliessend zwei Jahre für ein Treuhand- und Revisionsunternehmen in Weinfelden. Ab 1998 war er als Departementssekretär des Volkswirtschaftsdepartements AI tätig und leitete unter anderem die Wirtschaftsförderung, das Handelsregisteramt und die Stiftungs- und BVG-Aufsicht. 2001 übernahm er die Leitung der Kantonalen Steuerverwaltung Appenzell Innerrhoden. Von 2006 bis 2015 arbeitete er in verschiedenen Führungsfunktionen für die UBS Ostschweiz.

«Immer mal wieder probierte ich Neues aus, brach bewusst aus meiner eigenen Komfortzone aus», sagt er. Er brauche diese Abwechslung, sie diene der Erweiterung seines Horizonts. Abwechslung ist dem 48-Jährigen aber auch in seiner Freizeit wichtig, wo er mal auf dem Golfplatz in Gonten, mal mit den Skis auf der Ebenalp, mal mit der Fotokamera auf dem Hohen Kasten anzutreffen ist. Nebenbei ist Signer im Verwaltungsrat der Kastenbahn sowie im Lions Club engagiert. Am wichtigsten ist ihm aber, Zeit mit der Familie zu verbringen.

«Ich will schliesslich nicht, dass meine Kinder sagen müssen, sie hätten ihren Vater nie gesehen.»

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