Tatwaffe Korkenzieher

In Mogelsberg hat der zweite Krimiabend in der Bibliothek stattgefunden. Die Erzähler präsentierten Passagen aus zwei Werken von Schweizer Autoren.

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Stefan Hochreutener und Heinz Fluck im Gespräch mit Margrit Hauert, Leiterin der Bibliothek Mogelsberg. (Bild: pd)

Stefan Hochreutener und Heinz Fluck im Gespräch mit Margrit Hauert, Leiterin der Bibliothek Mogelsberg. (Bild: pd)

MOGELSBERG. Auch der zweite Krimiabend der Bibliothek Mogelsberg hat geknistert. Die Erzähler Stefan Hochreutener und Heinz Fluck zogen die über 30 Zuhörerinnen und Zuhörer fest in ihren Bann. Mit dem Krimi «Bitterer Abgang in Maienfeld» von Markus Matzner hat sich Stefan Hochreutener auseinandergesetzt. Obwohl er kein Bücherwurm sei, hat es ihm der 50jährige Autor Markus Matzner, geboren in Horn am Bodensee, angetan.

Eine nicht alltägliche Geschichte

Matzners Erstling «Bitterer Abgang in Maienfeld» ist kein alltäglicher Krimi. Denn Landschaft, Stimmung und Charaktere der Menschen in diesem Winzerdorf werden lebendig. Diese Bilder wurden dem Publikum gleich auch noch auf der Leinwand mitgeliefert. Stefan Hochreutener wusste über die hohe Kunst von Rebbau und Weinbereitung zu erzählen und auch, dass die Helden des Krimis gerne mal mit Slowenischem nachgeholfen haben. Dazu genossen die Zuhörer den passenden Wein aus der Region. Der Konkurrenzkampf unter den Maienfelder Winzern ist gross, und die Familienfehden reichen weit zurück. So fehlt es nicht an Verdächtigen, als die ersten mysteriösen Dinge passieren. Unerklärlicherweise schmeckt der liebevoll gepflegte Wein plötzlich bitter, sobald er mehr als fünfzehn Grad erreicht. Das ist allerdings nur die erste Plage, die über das Dorf hereinbricht. Bald tauchen mutierte Schädlinge auf, die finanzielle Verluste in sechsstelliger Höhe verursachen. Der Winzerpräsident Elmar Obrist stirbt auf ungewöhnliche Art in seinem Weinkeller, jeder verdächtig jeden. Stefan Hochreutener hat es gut verstanden, mit seiner bildlichen, präzisen und spannenden Zusammenfassung und Erzählart aus dem Buch die Stimmung auf hoher Spannung zu halten.

Erzählkunst steigert Spannung

Nach der kurzen Pause, zwecks Erneuerung des Weines, wartete Heinz Fluck mit dem 56jährigen Berner Autor Peter Hänni auf. Der Facharzt für Hals- und Gesichtschirurgie lebt in Solothurn. Sein Kriminalroman «Rosas Blut» trägt starke autobiographische Züge einer Familie, deren Bande mit Italien fest verknotet sind. «Rosas Blut» ist sein erster Roman, wurde aber unter dem Titel «Mord in Montella» in einer kleinen Auflage für den privaten Gebrauch schon veröffentlicht. Der Autor hat den Krimi überarbeitet, und Heinz Fluck präsentierte ihn mit eigenen Einflechtungen und sehr realen Bildern, die zum Mord führten. Auch die Erzählkunst aus den verschiedenen Kapiteln des Buches steigerte die Spannung. Er 62jährige Carlo Clemente wird in seinem süditalienischen Heimatdorf Montella tot in einem Kastanienwald aufgefunden. «Akutes Herzversagen» lautet die unumstössliche Diagnose des ortsansässigen Amtsarztes. Im Aufbahrungszimmer will sich sein Neffe, der in Bern tätige Chirurg Dr. Luca Clemente, mit einem Kuss auf die Stirn verabschieden. Plötzlich pfeift es aus dem Toten heraus. In seinem Hörgang sitzt weit nach hinten verschoben das noch aktive Hörgerät fest.

Zweifel an der Todesursache

Das geplatzte Trommelfell lässt Dr. Clemente an einer natürlichen Todesursache sofort zweifeln. Er kann die Angehörigen gegen den Willen des Amtsarztes überzeugen, den Leichnam am Rechtsmedizinischen Institut in Bern untersuchen zu lassen. Durch die Autopsie wird Luca Clementes Verdacht bestätigt: Carlo Clemente ist nicht an einer natürlichen Todesursache verstorben – er ist tatsächlich mit einem Korkenzieher ermordet worden. Die Berner Kriminalpolizei steht vor der schier unlösbaren Aufgabe, ein in Süditalien verübtes Verbrechen aufzuklären, das auch in der Schweiz seine Kreise zieht. Luca Clemente gibt nicht auf, bis es im Rosenpark Bern nochmals einen Toten gibt.

Zum Abschluss des spannenden Abends offerierten die beiden Erzähler feine heisse Marroni mit einem weiteren Wein aus der Region Montella. (pd)

Der dritte und letzte Mogelsberger Krimiabend findet am 26. November mit Irma Haltner und Christine Santschi statt.