Tatendrang – nicht Schlaflosigkeit

Rita Grob wurde an der Hauptversammlung des Vereins Krinau aktiv zur Krinauerin des Jahres gewählt. Sie sorgt dafür, dass für die Bevölkerung zweimal in der Woche frischgebackenes Brot im «Brotegge» bereitsteht.

Kathrin Burri / Trudi Kummer
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Die Krinauerin des Jahres, Bäuerin und Bäckerin Rita Grob, in ihrem Mehllager. (Bild: Sara Oesch)

Die Krinauerin des Jahres, Bäuerin und Bäckerin Rita Grob, in ihrem Mehllager. (Bild: Sara Oesch)

KRINAU. Oh nein, es sind nicht Durchschlafschwierigkeiten, die die Krinauerin Rita Grob jeweils in der Nacht auf Mittwoch und Samstag zweimal pro Woche morgens um drei Uhr aus dem Bett hetzen. Es ist nicht eine entsetzliche Müdigkeit, die die junge Frau aus dem Büehl am Abend zuvor zeitig ins Bett schickt. Es ist einzig ihr Engagement für den «Brotegge». Denn um 7 Uhr früh am nächsten Morgen will sie ausliefern. Sie verpackt all die duftenden Brote, die kleinen Backwaren wie Weggli, Gipfeli, Brötli und Zöpfli und die Patisserie in Harasse und füllt sie im Eingang des einstigen Krinauer Gemeindehauses in die Gestelle.

Am Samstagmorgen amtet eine der freiwilligen Helferinnen zusätzlich als Verkäuferin. Am Mittwoch ist Selbstbedienung, und eine Kasse steht für die Kundschaft bereit.

Bäckerin in Krinau

Rita Grob erinnert sich an die Anfänge des Projektes «Brotegge». Als der damalige Dorfladen mitsamt der Bäckerei schloss, wurde aus der Not die Idee geboren, für das Dorf und die Bevölkerung genügend Brot herzustellen. Für die junge Bäuerin war es ein willkommener Wiedereinstieg in ihren gelernten Beruf. «Bereits als Kind war mir klar, dass ich Bäckerin werden will.» Der Duft aus der Backstube ihres Onkels hat sie durch ihre Kindheit begleitet.

Anfangs hat Rita Grob nur gerade Weggli und Gipfeli im Backofen in der Küche gemacht, das Brot wurde frühmorgens von einer nahen Bäckerei geliefert. Unterdessen ist Rita Grob die Bäckerin in Krinau. Die Nebenstube im grossen Bauernhaus wurde zur kleinen Bäckerei umgestaltet. Es duftet wieder wie in ihrer Kindheit. Der grosse Ofen gehört dem Krinauer Frauenverein und wurde zusammen mit einem Beitrag der Berghilfe erstanden mit der Bedingung, das Dorf Krinau mit frischem Brot zu versorgen. Manchmal würden ihre drei Kinder noch schlafen, wenn sie das Brot ausliefere, aber sie hätten sich noch nie gesorgt, wo denn ihre Mutter sei. «Mer hend jo gschmeckt, dass du Bachtag hesch», gibt Rita Grob eines ihrer Kinder zum Besten und schmunzelt. Und an diesen zwei Tagen der Woche freuen sie sich dann samt all den Einwohnenden von Krinau über das frische Brot zum Zmorge.

Anlässlich der Hauptversammlung des Vereins «Krinau aktiv» wurde eine Person gesucht, deren Verdienste für Krinau herausragend sind. Einzig dies war sicher: Es musste «etwas für Krinau sein». Wichtig war dem Vorstand auch, dass diese Wahl keinesfalls Missgunst wecken sollte, sondern als ein Zeichen der Anerkennung aus der Bevölkerung von Krinau gewertet werden darf. Aus all den vielen Vorschlägen wurden die sechs meistgenannten Personen vom Vorstand ausgewählt. Patric Ueltschi stellte sie an der Hauptversammlung mit einem kleinen Film vor.

Zusammenspiel bringt Erfolg

Die nominierten Personen waren würdig für die Wahl und hatten sich, jede auf ihre Art, sehr für Krinau eingesetzt.

Zum Beispiel als Allrounder, der die Wege freimacht oder für die Skilift-Piste zuständig ist, als freiwillige Helferin, die sich um viele im Dorf kümmert, oder als Filmemacher, der die Krinauer Homepage laufend auf den aktuellen Stand bringt, oder als Koordinatorin für die Kircheninnenrenovation. «Das war eine Überraschung», erzählt Rita Grob im Nachhinein. Es müssen Filmausschnitte gewesen sein, die der «dorfeigene Filmemacher», Willi Kummer, für die Homepage hergestellt hat, oder sonst etwas aus seinem Fundus, fügt sie an. Jedenfalls habe man im Film auch sie beim Backen gesehen. Nun galt es, die Stimmzettel auszufüllen und in die Urne zu werfen. Bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen fiel die Wahl auf Rita Grob. «Damit habe ich nicht gerechnet», sagt sie bescheiden und dankt all den Krinauerinnen und Krinauern, die ihr Brot im «Brotegge» kaufen. «Ohne die Bevölkerung wäre meine Arbeit nichtig», sagt sie, «erst das Zusammenspiel macht den Erfolg des «Brotegge» aus.»

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