Wolfhalden
Taschen aus Zementsäcken – Wolfhäldlerin betreibt Upcycling

Martina Koller leitet den Shop bekos.ch in Wolfhalden und verkauft Produkte, die aus wiederverwerteten Materialien wie Zementsäcken bestehen. Ihr Motto: «Aus Alt mach Neu.»

Elia Fagetti
Merken
Drucken
Teilen
Martina Koller verpackt alle Produkte, die bei ihr gekauft werden, bei sich zu Hause.

Martina Koller verpackt alle Produkte, die bei ihr gekauft werden, bei sich zu Hause.

Bild: PD

An der Strasse von Heiden Richtung Rheintal steht in einer Kurve in Wolfhalden ein unauffälliges Haus, in dem jedoch etwas Besonderes gemacht wird. Martina Koller betreibt hier ihren Onlineshop. Die gelernte Betriebslogistikerin hat sich mit ihrem Unternehmen auf Upcycling-Produkte, also Produkte aus Abfall, spezialisiert.

Koller kommt gerade von einem viertägigen Campingurlaub zurück. Seit einem Jahr habe sie keine Ferien gemacht. Mit dem Shop, zwei Kindern und ihrer regulären Arbeit habe sie keine Zeit zum Stillstehen.

Zweigleisig, bis es anläuft

Im Jahr 2019 startete sie zusammen mit ihrem Mann den Shop Bekos. Momentan besteht ihr Sortiment aus Upcycling-Produkten und Dekorationen. Koller erklärt den Umstand:

«Ich muss zweigleisig fahren, bis der Shop rentiert und ich davon leben kann»

Das Interesse für das Upcycling entfachte bei der zweifachen Mutter eine Tragetasche. Sie habe eine solche aus wiederverwerteten Materialien aus Neugier gekauft und war sofort begeistert. Die Tasche halte schon ungefähr fünf Jahre. Koller erzählt:

«Erst vor kurzem habe ich erste Mängel festgestellt. Das recycelte PVC, welches als Schutz für das Design die Tasche umgibt, blättert langsam ab. Das kann man aber einfach reparieren.»

Was ist Upcycling?

Der Begriff Upcycling kommt aus dem Englischen und setzt sich aus «up» und «recycling» zusammen. Das Wort bedeutet nichts anderes als Wiederverwerten. Dabei meint man meist Abfallprodukte, wie zum Beispiel Portlandzementsäcke aus Kambodscha, die nach ihrem originalen Gebrauch für einen anderen Zweck entfremdet werden. So entstehen nicht nur Umhängetaschen aus diesen Säcken, sondern zum Beispiel auch Portemonnaies aus alten Autoreifen. Neben der Tatsache, dass die meisten dieser Produkte robust sind, ist auch jedes ein Unikat. Alle Upcycling-Produkte, die Koller anbietet, werden von Hand gemacht.

Nebst dem Upcycling ist auch die Klimaneutralität ein zentraler Punkt für Koller. Der grösste Teil der weltweiten Umweltverschmutzung wird durch Transport verursacht, deswegen schaut Koller auch darauf, sich möglichst immer alles gleichzeitig liefern zu lassen. Sie arbeitet mit der Post zusammen und garantiert so klimaneutrale Zustellung.

Für die Zukunft wünscht sich die Unternehmerin ein breiteres Verständnis der Menschen für das Wiederverwerten. Sie möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass nicht immer alles sofort weggeworfen werden muss, sondern wiederverwertet werden kann. Und damit die Nachhaltigkeit nicht leidet, will sie möglichst viel Plastik durch wiederverwertbare Materialien ersetzen wie Kork oder Kokosnuss.

Nebst ihrem Shop gebe es in der Schweiz sonst nur noch eine Firma, die Upcycling-Produkte verkaufe. Der Trend hin zu solchen Produkten, den sie schon in anderen Ländern sieht, lasse in der Schweiz noch auf sich warten. «Die Schweiz ist in manchen Dingen drei bis fünf Jahre im Verzug», meint die Unternehmerin.