Talentschau der Slalom-Artisten

Der Österreicher Christian Hirschbühl und der Schweizer Junioren-Slalommeister Daniel Yule gewannen in Wildhaus je einen der beiden FIS-Slaloms. Als Sieger dürfen sich auch die Organisatoren fühlen. Sie haben mit ihrer Arbeit Goodwill bei den ausländischen Teams geschaffen.

Urs Huwyler
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Rennleiter Ruedi Forrer spurtet einmal mehr aufwärts, weil sein Einsatz im Mittelstück benötigt wird.

Rennleiter Ruedi Forrer spurtet einmal mehr aufwärts, weil sein Einsatz im Mittelstück benötigt wird.

WILDHAUS. Marc Bösch (Ebnat-Kappel) müsste eigentlich mit dem Schicksal hadern. Am ersten Tag (61.) trug er die Startnummer 96, einen Tag später (51.) durfte er bei teilweise starkem Schneefall mit Nummer 93 an den Start. Doch er jammerte nicht. «Die Piste war hervorragend präpariert. Wir haben bei deutlich besseren Wetterbedingungen schon um einiges schlechtere Verhältnisse angetroffen», sprach der St. Galler Sportschüler den Organisatoren mit Martin Mettler (OK-Präsident) und Ruedi Forrer an der Spitze ein dickes Kompliment aus. Was das Duo mit den Helferinnen und Helfern schon während der Tage zuvor leistete, war beeindruckend.

Ruedi Forrer stapfte mit Schaufel und Bohrer bewaffnet auf der Piste Hoxperen nach oben und unten, die Mitglieder des SSC Toggenburg rutschten im Flachstück noch Schnee aus den Toren, als der nächste Fahrer bereits auf der Kuppe erkennbar war – und standen doch nie im Weg. Die Idee, zwei FIS-Slaloms parallel zur WM auszutragen, brachte den gewünschten Effekt. Über 100 hoffnungsvolle Fahrer aus 14 Nationen reisten ins Toggenburg.

Weltcupstarter

Die Palette reichte von Russland, Kasachstan über das erstaunliche Lettland bis Belgien und Österreich, das dank Christian Hirschbühl zwei Podestplätze erreichte. An dessen Beispiel zeigt sich, wie schwierig es ist, irgendwann im Weltcup Fuss zu fassen. Hirschbühl feiert im April den 23. Geburtstag, er wurde 2010 an der Junioren-WM eingesetzt (19.), entschied bisher drei FIS-Rennen für sich, kam im Europacup bei 28 Starts aber noch nie unter die Top 30. Obwohl er 2010 an den nationalen Riesenslalom-Meisterschaften Vierter (Sieg für Marcel Hirscher vor Hannes Reichelt) war. Ob je ein Wildhaus-Starter für internationale Schlagzeilen zu sorgen vermag? Daniel Yule (Jahrgang 1993), der bisher dreimal im Weltcup eingesetzt wurde (kein Resultat) bestätigte sein Talent mit Bestzeit im zweiten Lauf. Er verdrängte dadurch Halbzeitleader Hirschbühl auf Rang zwei. Mit dem C-Kader-Mitglied Marco Tumler (ebenfalls drei Weltcupstarts ohne Ergebnis) und Weltcupfahrer Luca Aerni (Rang 9 beim City-Event München) folgten zwei Mitfavoriten auf den Ehrenplätzen.

Marc Bösch konstant

Bei den Toggenburgern kam Marc Bösch zweimal in die Wertung und sammelte wertvolle FIS-Punkte. Vor ihm klassierte sich niemand mit einer höheren Startnummer. Lokalmatador Linus Mettler (Unterwasser) schied am zweiten Tag im zweiten Lauf aus. «Auf der eigenen Trainingsstrecke ein Rennen zu fahren, ist speziell», fand Linus Mettler. Vor allem im Kopf sei es anders, weil einiges erwartet werde. Jan Peter (SSC Toggenburg) kam beide Male nicht ins Ziel. Der Wiler Cédric Noger (Speer Ebnat-Kappel) büsste nach zwei regelmässigen Läufen als elftbester Schweizer drei Sekunden auf die Spitze ein (23.). «Wichtig war, etwas für die Nachwuchsförderung zu tun, nicht nur von anderen Organisatoren zu profitieren», waren sich die Schneearbeiter einig. Sie schufen mit ihrem Engagement auch bei den ausländischen Teams viel Goodwill für Wildhaus und die Region Toggenburg.

Der Ebnat-Kappler Marc Bösch kam dank konstanter Leistungen als einziger Toggenburger bei beiden Rennen ohne Ausfall ins Ziel. (Bilder: Urs Huwyler)

Der Ebnat-Kappler Marc Bösch kam dank konstanter Leistungen als einziger Toggenburger bei beiden Rennen ohne Ausfall ins Ziel. (Bilder: Urs Huwyler)