Talente tauschen Beruf gegen Sport

Die beiden Ski-Freestyler, der Neckertaler Fabian Meyer und der Libinger Joel Gisler, schliessen im Sommer ihre Lehre ab. Danach wollen sie in der Halfpipe als temporäre Profis im Kampf um die Olympia-Ticktes vorne mitjumpen.

Urs Huwyler
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Bei den Freeskiern, hier Joel Gisler, gehören spektakuläre Jumps über der Halfpipe zum Standardprogramm. (Bilder: pd)

Bei den Freeskiern, hier Joel Gisler, gehören spektakuläre Jumps über der Halfpipe zum Standardprogramm. (Bilder: pd)

FREESKI. Mit der Freeski-Junioren-WM im italienischen Valmalenco enden heute Donnerstag für die Wintersportler in der vorolympischen Saison die internationalen Titelkämpfe. Am Start sein wird Joel Gisler (Libingen), darauf verzichten muss wegen einer im Training zugezogenen Knieverletzung Fabian Meyer (Brunnadern). Beide gehören dem nationalen Challenger-Sichtungskader an, beide stecken bis Sommer in der Ausbildung, beide dürfen sich Hoffnungen auf eine Olympia-Teilnahme machen und beide werden im nächsten Winter erstmals voll auf den Sport setzen.

Joel Gisler aus dem Micarna Goodwill-Team flog am Wochenende in der Sierra Nevada (Spanien) im Weltcup auf Rang 16. Damit erfüllte er als zweitbester Schweizer 50 Prozent der B-Limite (2x Rang 20) und zeigte sich entsprechend zufrieden mit seiner Leistung und dem Resultat. Das Ergebnis von Spanien könnte dann an Bedeutung gewinnen, sollte im nächsten Winter die Swiss Ski-Fraktion nicht im erhofften Mass auf Touren kommen.

Fabian Meyer sollten durch das Weltcup-Forfait in Spanien keine Nachteile erwachsen, nachdem die Resultate, Formkurve und Diplom-Potenzial (Top 8) im Olympia-Jahr beim Trainerurteil höher gewichtet werden als jene aus dem Vorjahr.

Maler und Koch

Die Leistungs- und Schwierigkeitsspirale wird sich im Olympia-Winter erfahrungsgemäss weiter nach oben schrauben. Kommt dazu, dass Freeski Halfpipe erstmals olympisch ist. Für den 19jährigen Toggenburger Maler Joel Gisler (Meier AG Bütschwil) und den 1993 geborenen Neckertaler Koch Fabian Meyer (Alters- und Pflegeheim Wier Ebnat-Kappel) gibt es auf dem Weg nach Sotschi nur eine Variante: Nach der Lehrabschluss-Prüfung müssen sie auf den Sport setzen, unter anderem auch die Contest in den USA besuchen. Zumal das Angebot an hochkarätigen Wettkämpfen vergleichsweise klein ist.

Die Trainings an den Wochenenden würden kaum ausreichen, obwohl das fliegende Duo während der Ausbildung auf Arbeitgeber mit viel Verständnis und grosser Flexibilität zählen konnte. «Sonst wäre es nicht möglich gewesen, international mitzuhalten», wird dies- und jenseits der Wasserfluh festgestellt. Speziell bei Wintersportlern werden die Aufgebote – je nach Wetterlage – oft kurzfristig umgepolt.

Vor allem im Kampf um die Olympia-Tickets liessen sich Beruf und Sport auf Dauer kaum vereinbaren. Der weitere Karrierenverlauf dürfte deshalb überregional wegen des Modells Berufslehre/Sport statt Sportgymnasium/Sport mit Interesse beobachtet werden. «Wir versuchen nächste Zeit unter professionellen Bedingungen die eigenen Möglichkeiten auszutesten», betonen die talentierten Akrobaten, die wiederholt zusammen trainiert haben.

Selektionskonzept

Die Sportart «Ski Freestyle» umfasst die fünf Disziplinen Aerials (Skiakrobatik/Schanze), Moguls (Buckelpiste), Ski Cross, Ski Halfpipe und Ski Slopestyle (Hindernisparcours). Insgesamt können für Sotschi in der Schweiz 24 Athletinnen/Athleten selektioniert werden (maximal 14 des gleichen Geschlechts/maximal vier pro Disziplin). Die Selektionsphase dauert vom 1. Januar 2013 bis 26. Januar 2014. Bei den Freestylern zählen die besten drei Resultate.

Im Weltcup 2012/13 rangiert Joel Gisler auf Rang 43, Fabian Meyer einen Platz dahinter. Daneben haben drei weitere Schweizer (26./27./29.) Weltcuppunkte gewonnen. Es hat also Luft nach oben. Im Slopestyle liegen die Kollegen auf den Positionen 6/7/8/13/22/26, im Ski-Cross feierten die Schweizer durch Alex Fiva/Armin Niederer einen Doppelsieg, die Skiakrobaten belegen die Ränge 10/16/18, die Buckelpisten-Spezialisten blieben ohne vordere Klassierung. Müsste derzeit selektioniert werden, würde die Aufteilung wohl 10 Frauen/14 Männer lauten. Den Freeski-Halfpipern blieben rechnerisch drei bis vier Startplätze.

Zehn Toggenburger in Sotschi?

Rund zehn Monate vor den Olympischen Spielen in Sotschi sollten sich zehn Toggenburger den Termin der Winter-Spiele in Russland frei halten. Der bereits vierfache Olympiasieger Simon Ammann ist gesetzt, die anderen, die Skispringerinnen Bigna und Sabrina Windmüller, Marianne Kaufmann-Abderhalden (Ski Alpin), Christoph Eigenmann (Langlauf) und Jan Scherrer (Snowboard) können sich ein Wörterbuch beschaffen. Dazu gesellen könnten sich Fabian Meyer/Joel Gisler. Das Ticket bestellen dürfen die Trainer Christian Rufer (Snowboard) und Martin Künzle (Skisprung).

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