Talent an vielen Fronten

Freestyler Jan Scherrer bereitet sich unkonventionell auf die kommende Wintersaison vor. Im Zentrum stehen beim WM- und Olympiateilnehmer polysportive Aktivitäten in der Heimat.

Urs Huwyler
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Snowboarder Jan Scherrer hält sich vor der Saison auch als Tennisspieler fit. (Bild: Urs Huwyler)

Snowboarder Jan Scherrer hält sich vor der Saison auch als Tennisspieler fit. (Bild: Urs Huwyler)

SNOWBOARD. Aus den verschiedensten Gründen flogen Snowboard- und Freeski-Halfpiper zum Saisonauftakt nach Neuseeland. Manche gingen möglichst früh auf Punktejagd, andere suchten eine Luftveränderung im zermürbenden Trainingsalltag, und die dritte Kategorie muss von Amtes wegen jedes Rennen auf höchstem Niveau bestreiten. Jan Scherrer (Ebnat-Kappel) blieb zu Hause und nutzte die sommerlichen Bedingungen für ein abwechslungsreiches Aufbautraining. Auch das Schneetraining kann warten.

Er ist im Wattwiler Skate-Park, im Physiofit-Kraftraum, joggend. beim Volleyball- oder Tennisspielen anzutreffen. «Ich habe am Swiss Alpine Marathon teilgenommen. Und es hat Spass gemacht. Die Atmosphäre war beeindruckend friedlich», sagt er locker dahin. Zum Mitschreiben: Freestyler Jan Scherrer, Snowboard-Kollege von Olympiasieger Iouri Podladtchikov, rennt freiwillig 30 Kilometer von Davos nach Filisur. «Ich fand es faszinierend. Anfangs dachte ich bei manchen Startern vom Laufstil her, sie würden nach wenigen Metern aussteigen. Doch sie absolvierten die gesamten 74 Kilometer. Unglaublich. Bei mir waren es nur 30.»

Familien-Tennisduell

In der Overall-Wertung reichte es dem Fremdgänger in drei Stunden und vier Minuten zu Rang 113, bei den «M20» verpasste der joggende Boarder als Vierter das Podest knapp. «Ich wäre gerne unter drei Stunden geblieben», gesteht der offensichtlich unterschätzte Wintersportler. Joggen sei ideal, er könne zu Hause loslaufen, brauche keine Zeit für An- und Abreise. Weniger Spass bereitet ihm das Krafttraining. Zweimal wöchentlich genüge die Schinderei. Er müsse keinen «Sixpack» zur Schau stellen, in der Halfpipe, beim Big Air oder Slopestyle stünden keineswegs grosse Muskeln und eine Badehosenfigur im Zentrum.

Bei Jan Scherrer scheint die Rückkehr zu den Wurzeln Einzug gehalten zu haben. Schon zu Beginn der Sportlerkarriere bewegte er sich viel mit und ohne Ball. Derzeit wird familienintern zwischen Vater Kurt und Sohn Jan um die Tennis-Vorherrschaft und eine Pizza gesmasht. «Ich bewege mich mehr als sonst und erst noch vielseitig. Deshalb wollte ich auch nicht nach Neuseeland reisen, um den ersten Contest zu bestreiten. Hier habe ich es deutlich ruhiger, trainiere jedoch nicht weniger», setzt sich der WM-Finalist und Olympia-Doppelstarter nicht unter Druck.

Laax Open

Im Winter 2015/16 wird sich Jan Scherrer nicht auf die Events des Internationalen Skiverbandes (FIS) konzentrieren, sondern vorwiegend die klassischen Boarder-Contests bestreiten. Beispielsweise das eine Woche dauernde Laax Open (18. bis 24. Januar), das mit 500 000 US-Dollar Preisgeld trotz Ausstieg von Burton zum weltweit höchstdotierten Bewerb werden dürfte. Dem Sieger sollen rund 45 000 winken. «Es dürfte», so der Weltklasse-Boarder, «die gesamte Weltspitze anwesend sein. Der FIS-Weltcup rückt erst vor den Olympischen Spielen 2018 wieder ins Zentrum.» Bis dann hofft er, seine derzeitige körperliche Fitness konservieren zu können. Den entscheidenden Impuls gab Jan Scherrer die Sportler-RS. «Ich befand mich athletisch noch nie in einer solch guten Verfassung wie nach dem Militär», gesteht der allgemein sportinteressierte Freestyler, dem das ganze Jahr halfpipen zu dürfen einfach zu langweilig wäre. Es wird spannend, wie sich die verzögerte Vorbereitung im Winter auf die Resultate des kreativen Technikers auswirken wird. Vielleicht müssen im nächsten Jahr einige über die Bücher.