Täglich auf die schiefe Bahn

Speerspitz

Martin Knoepfel
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Es gibt teure Wohnorte und günstige, ruhige und laute, begehrte und unbeliebte, ge­sunde und weniger gesunde. Zu den gesunden zählen Lichtensteig und Mogelsberg. Bedingung ist, dass man mit der Bahn zur Arbeit oder Schule fährt – und eine Portion Selbstdisziplin aufbringt. Diese beiden Bahnhöfe liegen deutlich tiefer als das Siedlungsgebiet. Man lege den Rückweg hinauf ins Städtli oder Dörfli zu Fuss oder mit dem Velo zurück statt im Auto, zumindest bei trockenem Wetter. Schon ist ein Kreislauftraining im Heimweg inbegriffen, und das Abonnement für den Fitnessclub spart man auch.

Der Hinweg hinab zum Bahnhof taugt natürlich nicht als Fitnesstraining, aber dafür hat er ganz viel Spass-Potenzial. Das zu heben, ist einfach. Die Gemeinden müssen lediglich überdeckte Rutschbahnen bauen. Dann legen die Pendler den Weg vom Städtli oder Dorf hinab zur Bahn mit viel Gaudi und Tempo auf dem Allerwertesten zurück. Im Fall von Lichtensteig dürfte das Tempo zwar nicht für ganze Strecke zum Bahnhof reichen, aber wohl für einen Looping in der Rutschbahn. Wer würde unter diesen Umständen nicht gerne täglich auf die schiefe Bahn geraten?

Die Bewohner von Lichtensteig und Mogelsberg werden ganz unschweizerisch mit einem Lächeln auf den Lippen am Arbeitsplatz erscheinen. Smarte Unternehmen werden Arbeitnehmern einen Zustupf leisten, wenn sie in Mogelsberg oder Lichtensteig wohnen, weil sie dann aufgestellt und motivierter und produktiver am Arbeitsplatz erscheinen. Was will man mehr?

Martin Knoepfel

martin.knoepfel@toggenburgmedien.ch