Sympathische Koinzidenz

Die Appenzeller Zeitung hat in diesem Herbst ihre Aufmerksamkeit und ihren Spaltenraum zwei Ereignissen gewidmet, welche – oberflächlich betrachtet – nichts miteinander zu tun hatten: Das erste Ereignis: Im September hat das Dorf Schwellbrunn die begehrte Auszeichnung «Schönstes Dorf der Schweiz» entgegennehmen können. Die Medien in der ganzen Schweiz priesen zu Recht die vielen feinen Qualitäten unseres höchstgelegenen Ausserrhoder Dorfes mit seiner aufgeschlossenen, integrierenden Gemeindekultur. Das zweite Ereignis: Letzte Woche erschien ein Artikel unter dem Titel «Ein Vermächtnis in Noten». René Wäspi erinnerte die Leser darin an den vor 25 Jah­ren verstorbenen Herisauer Dirigenten und Komponisten Fred Kaufmann. In einer sympathischen Rückschau ehrte René Wäspi als ehemaliger Präsident des Jodlerclubs Alpeblueme Herisau den unermüdlichen, bescheidenen Schöpfer vieler Kompositionen, deren Gesamtwerk rund 100 Lieder, Zäuerli und eine im Jahr 1987 uraufgeführte Jodlermesse umfasst. Und damit bin ich bei der sympathischen Koinzidenz, welche diese beiden Ereignisse in einen engen Zusammenhang bringt: Fred Kaufmann – er ist im Hauptberuf ein Leben lang stv. Werkmeister in der Qualitätskontrolle von Huber+Suhner AG gewesen – hat schon vor vielen Jahren dem neuerdings schönsten Dorf der Schweiz eine Art Liebeslied gewidmet. Dieses Lied – dessen Text eine veritable «Hommage» an Schwellbrunn ist – habe ich in meinen Jugendjahren von Chören im Hinterland noch singen gehört. Irgendwann ist es aber offenbar dem Zeitenwandel und dem schleichenden Vormarsch neudeutscher Melodien wie Schlagern und Popsongs zum Opfer gefallen. Zudem konnte Fred Kaufmann noch die «stilli Welt do obe» besingen, ein Prädikat, auf das auch Schwellbrunn im Zeitalter allgegenwärtiger motorisierter Mobilität keinen Anspruch mehr erheben kann. Auch an der grossen Schwellbrunner Preisübergabe im letzten Monat war keine Rede und kein Singen von Fred Kaufmanns früher Schöpfung zu Ehren der Preisgewinnerin – erinnert sich auch in Schwellbrunn niemand mehr an das Lied? Die angesprochene Koinzidenz gibt guten Anlass, Fred Kaufmanns vergessenes Werk noch einmal in die Öffentlichkeit zu tragen. Schade, dass Zeitungen nicht auch Tonträger sind, sonst könnte auch die herrlich eingängige Melodie des Lieds «Schwellbronn» zu den Lesern gelangen:

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Lied «Schwellbronn» von Fred Kaufmann

«Dei am Risi of de Höchi, stoht das schöni Dorf Schwellbronn, II: wo de Alpstää i de Nöchi lüchtet i de Morgesonn.:II»

«Jedes Huus ischt suuber ghalte, schö im Appezeller Stil. II: Do hönd d’Lüüt no Freud am Alte, drom isch das mis Wanderziil. :II»

«Icht e stilli Welt do obe, wyt ewegg vo Lärm ond Zwang, II: Ghörscht no s’Schelleglüüt vo Lobe, ond vo wyt en Senne-Gsang. :II»

Kurt Meier, Schmidhusen 17, Herisau