Symbolisch Baum gepflanzt

Nach 24 Jahren Schuldienst in St. Peterzell tritt Hans Jörg Geiger vorzeitig in Pension. Nicht um ruhig zu werden, sondern um wieder mehr Kunst zu machen.

Cornelia Forrer
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Hans Jörg Geiger pflanzt zusammen mit den Mitarbeitenden Barbara Thomas (links) und Esther Legenstein einen Apfelbaum. (Bild: cf)

Hans Jörg Geiger pflanzt zusammen mit den Mitarbeitenden Barbara Thomas (links) und Esther Legenstein einen Apfelbaum. (Bild: cf)

St. Peterzell. Langhaarig und langbartig sei er, trage nur Birkenstöcke, produziere Seife und Zahnpasta selbst und halte sich Schafe, die er in Eigenregie schere und deren Wolle seine Frau Sophie verspinne und zu bunten Socken und warmen Pullovern verstricke. Dieses Bild eilte Hans Jörg Geiger bis weit über die Grenzen des Neckertals voraus, wie seine langjährige Mitarbeitende Esther Legenstein anlässlich der Verabschiedung erzählte.

Bloss etwas Kohle verdienen

Einiges habe dann schliesslich gestimmt, doch längst nicht alles, fuhr sie dann lachend fort. Dass der einstige Stellvertreter, der sich niemals niederlassen und bloss etwas Kohle für die Kunst verdienen wollte und trotz Auszeiten doch in St. Peterzell als Mehrklassenlehrkraft während eines Vierteljahrhunderts hängen blieb, hätte er sich selbst nie gedacht.

Wie sehr der neue Rentner – ein «Rentier» sei er, witzelte Hans Jörg Geiger – die Geschichte der St. Peterzeller Dorfschule prägte, wurde man sich mindestens während des Rückblicks in Wort und Bild so richtig bewusst. Hans Jörg Geiger und die Dorfschule St. Peterzell seien unteilbar. Geiger war es, der die pädagogische Ausrichtung und damit die geleitete Schule im Dorf einläutete und der der Schule in jeder Beziehung seinen Stempel aufdrückte – nicht mit Nachdruck, sondern mit Überzeugungsgeist und Dialogfähigkeit.

Lebens- und wohnenswert

Hans Jörg Geiger war es auch, der einen grossen Teil der heute noch modernen Infrastruktur der Primarschule prägte. «Ohne seine Einwände beim Architekten müssten die armen Schüler im hintersten Kellerabteil auf die Toilette gehen. Wäre er nicht gewesen, dann sähe das Schulhaus heute ganz anders aus und wir würden nicht für unser Vordenken allseits bewundert und gelobt», so Legenstein. «Eine Schule, in der lernend wie in einer Familie zusammengelebt wird», war das Ansinnen von Geiger.

Seine wohnens- und lebenswerte Schulstube ist deshalb ebenso bekannt, wie die Themenlager, von denen ehemalige Schüler auch anlässlich der Verabschiedung berichteten.

Duzis mit dem Lehrer

Auch das bekannte «Du» sei in einem Lager entstanden, so erzählte man sich: Geiger habe einer Klasse das Du angeboten, was auch später so geblieben sei. St. Peterzeller Lehrer und Schüler duzen sich. Dem Respekt tat das keinerlei Abbruch – im Gegenteil. Nur mit Teamgeist, Liebe und Respekt sei es möglich, gut zusammenzuleben, ist Geiger überzeugt.

Die Erfolge geben ihm recht, denn nicht umsonst kam ein schöner Teil seiner rund 300 Schülerinnen und Schüler, der ehemaligen und aktuellen Behördenmitglieder und Mitarbeitenden zum Abschiedsfest.

Ein Korb voller «Früchte»

Der Heckenlehrpfad und die Kräuterspirale, die der Scheidende auf dem Schulareal initiiert und realisiert hat, bleiben der Schule erhalten. Seit Donnerstag erinnert auch ein Apfelbaum an Hans Jörg Geiger.

Symbolisch und passend zu seinem Umweltaktivismus haben die Verantwortlichen entschieden, mit dem Neu-Pensionierten einen Apfelbaum zu pflanzen, der den Schulkindern Freude bereiten und für sie Früchte tragen wird. Einen Korb voller Früchte konnte Geiger in Form von Kunstwerken und Grüssen bereits entgegennehmen.