SVP in Wattwil weiterhin ohne Glück

WATTWIL. Einzige Überraschung bei den Gemeinderatswahlen Wattwil: Der bisherige SVP-Vertreter Walter Bösch wurde abgewählt. Damit ist der Wattwiler Gemeinderat wiederum ohne SVP.

Hansruedi Kugler
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Walter Bösch, abgewählter Gemeinderat Wattwil. (Bild: hak)

Walter Bösch, abgewählter Gemeinderat Wattwil. (Bild: hak)

Die Wattwiler Ortsparteien sind allesamt zufrieden: FDP, CVP und SP haben ihre Kandidaten problemlos in den Gemeinderat gebracht. Schon wieder Katerstimmung herrscht allerdings bei der SVP: Walter Bösch, der seit vier Jahren im Gemeinderat sitzt, verpasste mit 943 Stimmen das absolute Mehr um 42 Stimmen und fällt als Überzähliger aus dem Rennen. Gewählt sind neben dem Gemeindepräsidenten Alois Gunzenreiner (CVP) und den drei Bisherigen Ruedi Sterzing (parteilos, mit 1741 Stimmen bestgewählter Gemeinderat), Konrad Dobler (FDP) und Pirmin Sieber (CVP) auch die neu Kandidierenden Marlise Porchet (CVP), Beat Bleiker (FDP) und Hansheiri Keller (SP).

Beschränktes Potenzial der SVP

Walter Bösch zeigte sich gestern nachmittag überrascht über seine Abwahl: Dass man einen Bisherigen abwählt, hätte er nicht erwartet, meinte er. Zudem habe er mit dem neuen Viehschauplatz und der Gründung des Obstbauvereins in den letzten Jahren sein Engagement für das Allgemeinwohl bewiesen. «Auch wenn ich kein Hardliner bin, werde ich halt einfach in die SVP-Schublade geworfen. Und das Potenzial der SVP hat in Wattwil leider klare Grenzen», sagt Walter Bösch. Das sieht SVP-Präsident Hansueli Hofer auch so und kritisiert die bürgerlichen Wähler: «Wir SVPler unterstützen jeweils in allen Wahlen die anderen Bürgerlichen. Umgekehrt ist das offenbar nicht so, auch wenn die Parteileitungen der CVP und der FDP sich öffentlich und in Leserbriefen für die Unterstützung aller Bisherigen ausgesprochen hatten», sagt er. Dass die Wattwiler einen Bisherigen abwählen, der sich sehr für die Gemeinde eingesetzt habe, findet er bedenklich und ein schlechtes Zeichen für jene, die sich eine Kandidatur für ein solches Amt überlegen.

«Schade ist auch, dass kein Unternehmer, kein Gewerbler und kein Landwirt mehr im Gemeinderat ist», meint Hansueli Hofer. Und selbstkritisch fügt er hinzu: «Vielleicht hätten wir im doch flauen Wahlkampf die Verdienste von Walter Bösch für die Gemeinde Wattwil offensiver kommunizieren sollen.»

Wie vor vier Jahren

Mit der Abwahl von Walter Bösch findet die langjährige Leidensgeschichte der SVP in Wattwil eine Fortsetzung. Im ersten Wahlgang einer Gesamterneuerungswahl hat es nämlich noch kein SVP-Vertreter in den Wattwiler Gemeinderat geschafft. Schon Walter Böschs Vorgängerin Heidi Bräker war es 2008 so ergangen. Sie war erst ein Jahr zuvor als einzige Kandidatin in einer Ersatzwahl für den zurückgetretenen Roland Brändli gewählt worden. Auch Walter Bösch hatte bei der Gesamterneuerungswahl 2008 kandidiert und setzte sich erst im zweiten Wahlgang gegen die Grüne Daniela Vetsch und den parteilosen Robert Höfliger durch.