Sujet kurzfristig angepasst

DIETFURT. Ob die Hilfsbrücke der Umfahrung Bütschwil, das Aus des Naturparks Neckertal oder der Geburtstag von Udo Jürgens, die Themen am diesjährigen Kinderwagenrennen waren aktuell.

Beatrice Bollhalder
Drucken
Teilen
Ob die beiden Griechen die Torte für Udo Jürgens wohl heil bis ins Ziel bringen? Denn diesmal geht es um Schnelligkeit. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Ob die beiden Griechen die Torte für Udo Jürgens wohl heil bis ins Ziel bringen? Denn diesmal geht es um Schnelligkeit. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Das Kinderwagenrennen des Sportclubs Dietfurt findet alle vier Jahre statt, ist aber jedes Mal ein tolles Spektakel für die ganze Familie. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass die Zuschauer am Sonntagmittag in grosser Zahl zum Gelände am Bahnhof Dietfurt strömten. Und dies obwohl beispielsweise zwei Dörfer weiter ein grosser Fasnachtsumzug auf dem Programm stand. Wer sich zu diesem Schauplatz aufgemacht hatte, bereute es nicht. 24 Teams haben in den letzten Wochen unzählige Stunden gebastelt und gewerkt, um sich vor den rund 1800 Zuschauenden in einem speziellen Wettkampf zu messen.

Es ist nicht so einfach, mit den kleinen Rädern den Sägemehlhaufen zu überqueren. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Es ist nicht so einfach, mit den kleinen Rädern den Sägemehlhaufen zu überqueren. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Sujet abändern

Eröffnet wurde der erste Durchgang, der Schaulauf, an dem die Teams ihr Sujet vorstellen und die Zuschauer mit Süssigkeiten oder einem kleinen «Schnäpsli» verwöhnen, von zwei Mitgliedern des Sprengkommandos Bütschwil. Sie waren die einzigen, deren Musik nicht aus den Lautsprechern, sondern aus den Instrumenten ihrer laut aufspielenden Kameraden drang. Sie wählten das 20-Jahr-Jubiläum ihres Vereins als Sujet. Während einige Teams jeweils erst in den letzten Tagen vor dem Anlass ihren Wagen herrichten, haben es jene beiden, die den hohen Geburtstag Udo Jürgens zum Sujet erkoren hatten, genau einen Tag zu früh getan. Der Tod des grossen Stars hat die beiden schliesslich dazu bewogen, den Auftritt noch einmal zu überdenken. Sie hatten eigentlich vorgehabt, wie Udo Jürgens im Bademantel zu erscheinen. Schliesslich absolvierten sie den Parcours aber als Griechen (Griechischer Wein) und führten eine grosse Geburtstagstorte und eine Dose mit Schlagrahm («Aber bitte mit Sahne») mit. Die jüngeren Zuschauer öffneten bereitwillig ihren Mund, um eine Portion «Nidel» geniessen zu können.

Fast geschafft: Aber die beiden hatten nicht nur Müeh mit den Chüeh. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Fast geschafft: Aber die beiden hatten nicht nur Müeh mit den Chüeh. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Donnschtigjass in Dietfurt

Zwei Teilnehmer hatten die Idee, den Donnschtigjass noch einmal aufleben zu lassen. «Schnorri» Roman Kilchsperger absolvierte zusammen mit «Chrampfer» Karl Brändle und dem Jasszelt in Kleinformat, aufgebaut auf einem Kinderwagengestell, den Parcours. Ganz den Kühen verschrieben hat sich ein anderes Team. Mit einem Gemisch aus Milch und Vanille-Likör für die grösseren und Rahm-Caramels für die kleineren Zuschauer sowie dem bekannten Lied «Müeh mit de Chüe» konnten Daniel Wick und Martin Rüegg so viele Punkte bei der Zuschauer-Jury ergattern, dass es ihnen zum Sieg reichte. Sogar die originellen Kühe auf diesem Gefährt haben etwas mit Milch zu tun, sie sind nämlich aus leeren Milchkartons entstanden.

Die Zuschauer verfolgen gespannt die Fahrt von «Total Birgit». (Bild: Beatrice Bollhalder)

Die Zuschauer verfolgen gespannt die Fahrt von «Total Birgit». (Bild: Beatrice Bollhalder)

Mit Fondue auf den Parcours

Nicht mal bis zur Hälfte des Parcours schafften es Richi Hollenstein und Rico Schönenberger – sie nahmen Sandro Scherrers Fonduefahrten auf originelle Weise auf die Schippe – bis empfindliche Zuschauer-Nasen feststellten, dass die Käsemasse angebrannt war. Trotzdem wurde noch dem einen oder anderen Zuschauer an der Strecke ein zünftiger «Brocken» gereicht. Auch das dazugehörige Gläsli Weisswein wurde gerne entgegengenommen. Ob der Wein wohl den Ausschlag dazu gab, dass dieses Team den zweiten Platz im Schaulauf erreichte? Mit zornigen Vögeln (Angry Birds), der Produktion von M&M's oder den immer wieder auftauchenden Themen «Bauer ledig sucht…» oder «Gripen» versuchten andere Teilnehmer zu punkten. Der Speaker wusste einiges zu den gewählten Themen und klärte auch darüber auf, was es mit «Felix Baumgartner» auf sich hat. Keine Erklärung war dagegen nötig zum Sujet «Naturpark Neckertal...und tschüss». Dieses Team verteilte die letzten Leckereien aus dem Neckertal. Noch bevor die kerngesunden Biertrinker auf den Parcours gingen, hatte es zu schneien begonnen. Spannend war für die Zuschauer zu verfolgen, wie sich die Wikinger, die sich ja auf dem Wasser wohl fühlen, die Schanze mit dem Sandhaufen oder die mit Schmierseife benetzte Blache überstehen würden. Als originell darf auch die Idee mit der Hilfsbrücke und dem Bohrgerät in Zusammenhang mit der Umfahrung Bütschwil bezeichnet werden. Viele Lacher erntete auch der Auftritt von Louis de Funès. Vor allem als die im Auto mitgeführte Nonne kopfüber im Sägemehl landete. An diesem Nachmittag musste die Nummer 1818 nicht gewählt werden, denn die beiden Chaoten waren mit einer Telefonkabine vor Ort. Aktuell war auch der «Euromat mit Rettungsschirm». Mario-Kart dagegen erinnerte an frühere Zeiten mit den beliebten Spielkonsolen. Entweder war dieses Spiel bei den Zuschauern hoch im Kurs oder sie fanden einfach die Umsetzung des Themas originell. Roger Bachmann und Lukas Macario landeten mit ihrem Kinderwagen nämlich auf Platz drei. Werbung in eigener Sache, nämlich für die Bütschwiler Fasnacht vom kommenden Wochenende machte der Kinderwagen mit dem Thema «Help! Ab ins Krankenhaus».

Louis de Funès ist mit der Nonne im Auto gefordert. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Louis de Funès ist mit der Nonne im Auto gefordert. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Gripen schnell unterwegs

Nach dem Schaulauf wurden die Wagen, angeführt von der Guggemusig Moslig, wieder zum Bahnhof Dietfurt geschoben. In diesem Lauf ging es darum, das Ziel möglichst schnell zu erreichen. Klar, dass der Gripen – nein, nicht der von Ueli Maurer, sondern jener von Andi Bachmann und Roger Bürge – das Ziel als schnellster erreichte. Etwas mehr Zeit brauchten Melanie Rüegg und Sandro Brändle (Heidi und Geissenpeter). Nicht nur originell, sondern auch schnell war die «Fonduefahrt», die hier dritte wurden. Nach dem zweiten Durchgang waren nicht mehr alle Gefährte voll fahrtüchtig. Aber Hauptsache, die Zuschauer hatten ihren Spass. Und bestimmt hat sich der eine oder andere überlegt, in vier Jahren am nächsten Kinderwagenrennen ebenfalls teilzunehmen.

Das Caquelon in der Hand, wird den «Pferden» beim Ziehen geholfen.

Das Caquelon in der Hand, wird den «Pferden» beim Ziehen geholfen.

Mit ganzem Einsatz wird der Bohrer über die Blache gezogen.

Mit ganzem Einsatz wird der Bohrer über die Blache gezogen.

Ob die beiden das Ziel wohl noch heil erreichen?

Ob die beiden das Ziel wohl noch heil erreichen?

Aber bitte mit Sahne!

Aber bitte mit Sahne!

Aktuelle Nachrichten