Sturmfrei verursacht Wirbel an Mittagstischen von Herisauer Familien

In Herisau war der Schulbesuch aufgrund des Sturms Sabine Anfang dieser Woche an drei Halbtagen freiwillig. Nicht alle hatten Freude an diesem Entscheid der Schulleitung.

Mea McGhee
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Herisauer Eltern durften Anfang dieser Woche entscheiden, ob sie ihre Kinder durch den Sturm zur Schule schicken oder sie aus Sicherheitsgründen zu Hause behalten wollten.

Herisauer Eltern durften Anfang dieser Woche entscheiden, ob sie ihre Kinder durch den Sturm zur Schule schicken oder sie aus Sicherheitsgründen zu Hause behalten wollten.

Bild: SGT

«Juhui, wir haben am Nachmittag sturmfrei», dürften viele Herisauer Kinder am Montagmittag ihren Eltern verkündet haben. Im Schulrucksack ein Informationsschreiben der Schulleitung: Darin hiess es, aufgrund des Sturms Sabine sei der Unterrichtsbesuch am Montagnachmittag und den ganzen Dienstag freiwillig.

«Sie als Eltern entscheiden, ob ihr Kind den Unterricht besucht. Für den Schulweg sind Sie als Erziehungsberechtigte verantwortlich.»

Dieses Schreiben sorgte gemäss Aussagen von Eltern an vielen Mittagstischen für Wirbel und Diskussionsstoff. Hier Kinder, welche die unverhofften Freiheiten zum Spielen nutzen wollten, dort Mütter und Väter, die fanden, ein Schulbesuch sei zu verantworten.

Andere Eltern wiederum waren verunsichert, ob sie ihre Kinder auf den Schulweg schicken sollten, angesichts der Gefahren, welchen sie dort allenfalls ausgesetzt wären.

Sturmspitzen zur Pausenzeit erwartet

Gefragt, warum man Ungewissheit und Unruhe in Kauf nahm und nicht wie einige Schulen im Kanton St.Gallen schon am Sonntag den Unterricht absagte, antwortet Herisaus Schulleiter Michael Häberli: «Aufgrund der zu erwartenden Entwicklung des Sturmes hat die Schulleitung am Sonntag entschieden, normal in die Unterrichtswoche zu starten.»

Die Windspitzen seien für etwa zehn Uhr angekündigt gewesen. Die Lehrpersonen wurden daher angewiesen, die Pausen mit den Kindern im Schulhaus zu verbringen.

Ziegel vom Dach geweht

Am Montagvormittag seien dann Ziegel vom Dach der Schulverwaltung geweht worden. «In Absprache mit der Schulpräsidentin haben wir darauf die Variante mit dem freiwilligen Unterrichtsbesuch gewählt», sagt Häberli. Diese Lösung erforderte von den Lehrpersonen Flexibilität. «Sie waren frei darin, wie sie die Situation meistern, sprich den Unterricht gestalten wollten», sagt Häberli.

In manchen Schulzimmern hatte die Lehrerin nur eine Handvoll Schulkinder zu betreuen, andere Klassen erschienen nahezu vollzählig zum Unterricht. Ein Thema einzuführen, wäre wenig sinnvoll gewesen, man habe ein Quiz zum Sturm durchgeführt oder Arbeiten fertig machen lassen, ist von Lehrpersonen zu erfahren. Wie viele Kinder zu Hause blieben, kann Häberli nicht sagen. Am Montagnachmittag seien es mehr als am Dienstag gewesen.

«Kein Herisauer Schulkind ist zu Schaden gekommen», betont der Schulleiter. Damit habe die Massnahme ihr Ziel erreicht, man würde bei einem nächsten derartigen Sturm ähnlich vorgehen.

Sabine schwächer als Burglind

Geringere Sturmschäden als vor zwei Jahren

«Für uns war dieser Sturm kein aussergewöhnliches Ereignis», sagt Heinz Nigg, Ausserrhoder Oberförster, über Orkan Sabine. In den Wäldern habe es keine grossen Schäden gegeben. «Nur ein Zehntel der Jahresnutzung ist in Mitleidenschaft gezogen worden.» Es habe fast nur Streuschäden gegeben – also einzelne Bäume, die umgefallen sind.

Heinz Nigg, Oberförster Appenzell Ausserrhoden

Heinz Nigg, Oberförster Appenzell Ausserrhoden

Bild: PD

«Das ist nichts im Vergleich zu den Schäden, welche Sturmtief Burglind hinterlassen hat», sagt Nigg. Das Sturmtief Burglind fegte im Januar vor zwei Jahren mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde über die Schweiz und hinterliess eine Spur der Verwüstung. Heinz Nigg erinnert sich an Flächenschäden in den Ausserrhoder Wäldern.

«Vor Sturm kann man den eigenen Wald nicht schützen», sagt Nigg. Man müsse abwarten, was passiere. Er rät privaten Waldeigentümern, einen Förster zu kontaktieren, um das weitere Vorgehen bezüglich Sturmschäden zu regeln. «Oft fehlen sowohl die Ausrüstung und Maschinen, als auch das Wissen. Die Sturmschäden so zu beheben, ist sehr gefährlich.»

Für die Förster gilt es nun, die Wälder auf einzeln herumliegende Bäume zu untersuchen. «Diese werden dann zersägt.» So können die Holzstücke trocknen und keine Borkenkäfer sich einnisten. Auch lose hängende Bäume müssen entdeckt und die Stellen gesichert werden.

Für die aktuelle Situation gibt Nigg aber Entwarnung: «Mit gesundem Menschenverstand kann man problemlos im Wald spazieren gehen.» Doch wenn der nächste Sturm sich zusammenbraut, gilt es, den Wald zu meiden. Und wenn man sich schon mitten im Wald befindet, rät der Oberförster: «So schnell wie nur möglich aus dem Wald.»