Student übernimmt Bauleitung

Noch bis zum 23. September ist im aargauischen Muri eine Installation des Architekturstudenten Matthias Ulmann aus Eggerstanden zu sehen. Doch das ist längst nicht sein einziges Projekt. Der 28-Jährige baut zurzeit ein Haus.

Stephanie Sonderegger
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Die Kunstinstallation kommt gut an bei der Bevölkerung in Muri. (Bild: pd)

Die Kunstinstallation kommt gut an bei der Bevölkerung in Muri. (Bild: pd)

EGGERSTANDEN. «Kaum ist der Chef kurz weg, rennen alle Bauarbeiter davon», sagt Matthias Ulmann und lacht. Der Architekturstudent steht zwischen Betonwänden auf einer Baustelle in Eggerstanden. Hier, nur wenige Meter von seinem Elternhaus entfernt, errichtet er zusammen mit Bruder Philipp einen Neubau in Eigenregie. Es ist sein erstes grosses Projekt. Doch auch im aargauischen Muri hat der talentierte 28-Jährige seine Finger im Spiel: Er gewann einen Wettbewerb und durfte eine Installation an der Klostermauer umsetzen.

Installation in Muri

«Ich sehe mich nicht als Künstler», sagt Matthias Ulmann, der erst eine Lehre zum Bauzeichner machte und nun im 6. Semester Architektur an der HTW Chur studiert. Dass genau er den ausgeschriebenen Wettbewerb der Stadt Muri im Kanton Aargau gewinne, habe ihn sehr überrascht, sagt er.

Vier Hochschulen wurden zur Teilnahme eingeladen, dabei sollten Ideen für temporäre Installationen an sechs Standorten geliefert werden. Matthias Ulmann entschied sich für eine Inszenierung an der Klostermauer in der Innenstadt. «Ich wollte eine Verbindung zwischen dem kulturellen Raum des Klosters und den umliegenden Restaurants schaffen», sagt der Student. Ulmann löste das Problem, indem er Holzplatten zu Tischen- und Sitzflächen fertigte, um diese von den Gastronomiebetrieben bewirtschaften zu lassen. Der Clou: Das Ganze soll an das Wappen Muris erinnern und somit die Form von Zinnen haben. Die Idee fand schnell Gefallen, Mitte Juli wurde die Installation eingeweiht, noch bis 23. September kann sie nun von der Bevölkerung genutzt werden. «Die Installation kommt sehr gut an bei der Bevölkerung. Vor allem, weil sie einen Zweck erfüllt», sagt Matthias Ulmann. Inzwischen habe sich auch jemand gemeldet, der einen Teil der Platten kaufen möchte. «Um diese für zukünftige Anlässe im Kloster zu verwenden.»

Hausbau in Eigenregie

Trotz Erfolgen wie diesen bleibt der 28-Jährige bescheiden. Neben seinem Teilzeitstudium in Chur arbeitete er über eineinhalb Jahre als Praktikant in einem Architekturbüro. Seit letztem Herbst hat er sein erstes eigenes Projekt: den Bau zweier Einfamilienhäuser in Eggerstanden. «Das ist mein Büro», sagt der Appenzeller und öffnet die Glastüre zu einem schmalen Raum im Haus seiner Eltern unweit der Baustelle. Direkt im Eingang steht ein Holzmodell. Es zeigt eines der beiden Einfamilienhäuser. «Ich habe alles bis ins Detail durchgeplant», sagt Matthias Ulmann. Neben der eingebauten Küche im Miniformat ist bereits die Steckdose zu sehen, die der Student eingeplant hat.

«Wir bauen für meinen Bruder. Er will die Häuser im kommenden Sommer vermieten», erklärt er. Während Bruder Philipp Ulmann als Schreiner agiert, hat sich der Architekturstudent der Bauleitung angenommen. «Ich habe die Pläne gemacht, und um eine optimale Umsetzung zu gewährleisten, wurde die Detailplanung zusammen mit meinem Vater besprochen.» Trotz zahlreichen Bauauflagen sei es ihm letzten Endes gelungen, sich an alle Bauvorschriften zu halten. «Ganz einfach war das nicht. Es gab vieles zu beachten», sagt er und fügt hinzu: «Aber ich habe mir die Zeit genommen, eine saubere Baueingabe inklusive Visualisierung einzureichen.» Die Behörden hätten sofort gemerkt, dass er noch im Studium sei. «Da macht man halt alles noch etwas ordentlicher.»

In eines der Häuser einzuziehen, komme für ihn aber nicht in Frage, sagt Matthias Ulmann. Der 28-Jährige möchte sich erst auf sein Studium konzentrieren und dann weiterschauen. Er ist überzeugt: «Zurzeit könnte es für mich gar nicht besser laufen.»

Architekturstudent Matthias Ulmann agiert als Bauleiter auf der Baustelle seines Bruders in Eggerstanden. (Bild: Stephanie Sonderegger)

Architekturstudent Matthias Ulmann agiert als Bauleiter auf der Baustelle seines Bruders in Eggerstanden. (Bild: Stephanie Sonderegger)