Strom aus Wasserschacht

Die Dorfkorporation Wattwil nimmt ihr zweites Trinkwasserkraftwerk in Betrieb. Seit Anfang Jahr wird im Druckausgleichsschacht Gurtberg Strom produziert.

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Die Turbine im Druckausgleichsschacht Gurtberg liefert Strom für fünf Haushalte. (Bild: pd)

Die Turbine im Druckausgleichsschacht Gurtberg liefert Strom für fünf Haushalte. (Bild: pd)

Krinau. Seit Anfang Jahr fliesst nicht nur Wasser durch die Trinkwasserversorgung, sondern auch elektrischer Strom. Im Druckausgleichsschacht Gurtberg hat die Dorfkorporation Wattwil ein Trinkwasserkraftwerk installiert. Gespeist wird das Kleinkraftwerk von der Quelle Feldmoos in Krinau. Mit durchschnittlich 500 Liter Wasser pro Minute ist sie die ergiebigste Quelle im Versorgungsgebiet der Dorfkorporation Wattwil.

Zwischen der Wasserfassung und dem Druckausgleichsschacht liegt ein Höhenunterschied von rund 40 Metern. Die Turbine weist eine Leistung von 2,2 Kilowatt auf. Daraus ergibt sich eine Jahresproduktion von rund 20 000 Kilowattstunden, soviel wie fünf durchschnittliche Haushaltungen verbrauchen. Dank der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV arbeitet das Kraftwerk wirtschaftlich.

Die Anlage im Gurtberg ist bereits das zweite Trinkwasserkraftwerk, das die Dorfkorporation Wattwil in Betrieb nimmt. Das erste befindet sich beim Schulhaus Schönenberg, liefert jährlich rund 15 000 Kilowattstunden Strom und ist bereits 18 Jahre in Betrieb. Gegenüber der konventionellen Nutzung von Wasserkraft hat das Turbinieren von Trinkwasser wesentliche Vorteile: Trinkwasserkraftwerke können ohne Eingriffe in Gewässerökologie oder Landschaftsbild realisiert werden. Auch die Qualität des Trinkwassers wird nicht beeinträchtigt.

Viel ungenutztes Potenzial

Das Bundesamt für Energie schätzt das schweizweit ungenutzte Potenzial auf rund 60 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Geeignete Standorte für Trinkwasserkraftwerke gibt es viele, nicht nur in den Alpen. Bereits ein Höhenunterschied von 40 Metern bei einer Wassermenge von 500 Liter pro Minute reicht für eine wirtschaftliche Stromproduktion aus.

Nicht nur Quellwasserleitungen kommen für den Turbineneinbau in Frage, sondern auch Verbindungsleitungen zwischen unterschiedlichen Druckzonen. Anstelle eines Druckreduzierventils wird einfach eine Turbine eingesetzt.

Im Rahmen des Programms Kleinwasserkraftwerke unterstützt das Bundesamt für Energie Trinkwasserprojekte mit einer kostenlosen Erstberatung.

Infrastruktur nutzen

Scheint ein Standort geeignet, ist der nächste Schritt eine Grobanalyse durch ein Ingenieurbüro. Die Analyse erleichtert die Beurteilung, ob ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage möglich ist. Besonders interessant ist der Aufbau eines Trinkwasserkraftwerks dann, wenn keine grösseren Anpassungen an der Infrastruktur nötig sind.

Dies betrifft die Nutzung eines bestehenden Raums für die Turbine, das Vorhandensein einer elektrischen Zuleitung und die Nutzung der bestehenden Wasserleitungen. (pd)

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