Strom aus, Panik an

Wir Schweizer haben seltsame Eigenarten. Das wurde mir erst kürzlich wieder bewusst, als ich in meiner neu bezogenen Wohngemeinschaft meine Wäsche machen wollte.

Stephanie Sonderegger
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Bild: Stephanie Sonderegger

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Wir Schweizer haben seltsame Eigenarten. Das wurde mir erst kürzlich wieder bewusst, als ich in meiner neu bezogenen Wohngemeinschaft meine Wäsche machen wollte. Bisher genoss ich sowohl während meiner Zeit in Berlin als auch im Rheintal den Luxus einer eigenen Waschmaschine. Damit ist nun Schluss.

Wie immer völlig gestresst, schmiss ich Unterwäsche, Hosen und Blusen in die Wäschetrommel und schaltete die mir noch etwas suspekte Waschmaschine ein. Ich verliess die Waschküche mit dem befriedigenden Gedanken, die Wäsche in einer Stunde frisch gewaschen aufhängen zu können. Doch weit gefehlt: Eine Stunde später stand die Waschmaschine zwar still, damit aber auch die verriegelte Türe. Waschmaschine ein, Waschmaschine aus. Strom ein, Strom aus. Nichts passierte. Alle Versuche, meine eingesperrte Wäsche zu befreien, scheiterten kläglich. Die Angst, das komplette Waschsystem des Wohnkomplexes lahmgelegt zu haben, stieg in mir empor. Nicht zuletzt, weil ich stets ein Händchen dazu habe, elektronische Geräte in ewige Jagdgründe zu befördern.

Nach etlichen Überprüfungen aller Geräte und deren Funktionen griff ich laut fluchend zum Telefon, um meine beiden Mitbewohner anzurufen. Keine Reaktion. Mein Herz raste. Dann hörte ich nach endlosem Klingeln endlich ein Räuspern. Wenigstens auf meinen Vater war Verlass. Ich informierte ihn kurz und panisch über mein Waschküchendebakel. Er lachte: «Du weisst schon, dass gerade Mittagszeit ist?» Ich bestätigte mit einem verwirrten Ja. Darauf erklärte er mir, dass zu dieser Zeit in vielen Orten der Schweiz der Strom abgestellt werde. Lautes Fluchen meinerseits folgte. In meiner alten Heimat Berlin wäre mir das sicherlich nicht passiert.

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