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Strikte Abläufe in der Unterkunft

Seit rund zweieinhalb Monaten dient das ehemalige Gasthaus Seeben als Gruppenunterkunft für Asylsuchende. Dort leben zurzeit sechs Familien. Sie sind in eine fixe Tagesstruktur eingebunden, einschliesslich Schulpflicht und Haushalt.
Olivia Hug
Alltag in der Gruppenunterkunft für Asylsuchende: Während die Kinder auf dem umzäunten Parkplatz spielen, hat eine erwachsene Person Aufsicht. Die anderen sind mit der Reinigung oder Kochen beschäftigt. (Bild: Olivia Hug)

Alltag in der Gruppenunterkunft für Asylsuchende: Während die Kinder auf dem umzäunten Parkplatz spielen, hat eine erwachsene Person Aufsicht. Die anderen sind mit der Reinigung oder Kochen beschäftigt. (Bild: Olivia Hug)

ENNETBÜHL. Die Tagesabläufe in der Gruppenunterkunft Seeben sind vorgegeben: Nach dem Frühstück heisst es für die Kinder zum Unterricht zu gehen, während sich die Eltern um den Haushalt kümmern: Waschen, Putzen, dem Hauswart bei Reparaturen behilflich sein und Kochen mit dem Küchenchef stehen an der Tagesordnung. Wenn die Kinder spielen, hat immer eine erwachsene Person Aufsicht zu halten. Bis um 17 Uhr sind die asylsuchenden Frauen, Männer und Kinder beschäftigt, ehe sie Freizeit haben oder das Fernsehgerät eingeschaltet wird. Manchmal gehe man miteinander in der nahen Umgebung wandern, erzählt der Betriebsleiter Michael Forster. Unter der Leitung von ihm herrscht in der von der Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten (VSGP) betriebenen Gruppenunterkunft für Asylsuchende in der «Seeben» eine verbindliche Tagesstruktur. Die Hausordnung müsse strikt eingehalten werden, sagt Beat Tinner, Präsident der VSGP. Wer dagegen verstösst, dessen Taggeld wird gekürzt. Und dieses beläuft sich lediglich auf einen Betrag im «tiefen einstelligen Bereich.»

Noch nicht voll besetzt

Aktuell leben in der Gruppenunterkunft, deren Betrieb auf acht Jahre vorgesehen ist, sechs Familien. Dass der Betrieb, der maximal 60 Personen zulässt, nach zweieinhalb Monaten noch nicht voll ausgelastet ist, liege daran, dass weniger allein reisende Frauen untergebracht werden müssen, als erwartet. Zu viele Familien können nicht aufgenommen werden, da die Mehrbettzimmer in der ehemaligen Militärunterkunft in der «Seeben» noch nicht unterteilt sind. Hierfür werde man noch einfache Wände einbauen, um die Zimmer zu trennen. «Die Familien sollen Privatsphäre haben», so Beat Tinner.

Beschäftigt sind in der Unterkunft nebst Leiter Michael Forster elf Angestellte in verschiedenen Pensen, einschliesslich einer Nachtwache. Der Betrieb ist rund um die Uhr überwacht – auch mit Videokameras. Ab 22 Uhr ist das Gebäude geschlossen. Wer das Gebäude verlässt, hat sich abzumelden und anschliessend wieder anzumelden. Die meisten Asylsuchenden bleiben jedoch in der Unterkunft. «Erstes ist es mit den Kindern zu aufwendig, wegzugehen. Zweitens müssten die Asylsuchenden beispielsweise für eine Fahrt nach Nesslau mit dem Postauto bezahlen oder müssten zu Fuss gehen», begründet Beat Tinner.

Getrennte Räumlichkeiten

Wenn es das Wetter zulässt, spielen die Buben und Mädchen draussen, deren Eltern bleiben meist in den Zimmern. Ein Zaun um den Parkplatz vor dem ehemaligen Hotel soll die Kinder vor dem Verkehr an der Schwägalpstrasse schützen. Im obersten Stock des Hauses wurde ausserdem ein Spielzimmer eingerichtet. Der Wohnbereich der Asylsuchenden befindet sich im ehemaligen Saal des Gasthauses. Das ehemalige Restaurant dient als Aufenthaltsraum für das Personal und auch die einstigen Hotelzimmer werden als Personal- oder Büroräumlichkeiten genutzt. Im untersten Stock sind Nasszellen und Lagerräume eingerichtet. Hier lagern die Hygiene-Pakete, Handtücher und Bettbezüge, welche allen Asylsuchenden bei Eintritt einmalig abgegeben werden. Auch einen Lagerraum voller Kleider gibt es: «Diese haben wir von der Bevölkerung auf einen Aufruf via Anschlag beim Gemeindehaus erhalten. Das Echo war sehr gross. Die Kleider werden von den Bewohnern gekauft, wir geben sie nicht gratis ab», erläutert Präsident Beat Tinner.

Deutsch zur Verständigung

Der Schein, dass alles an Infrastruktur im ehemaligen Gasthaus für den Betrieb der Gruppenunterkunft gegeben war, trügt: «Wir haben einen grösseren fünfstelligen Betrag in Dinge wie Möbel oder Bettdecken investiert», sagt der VSGP-Präsident. Das Säli ist heute das Schulzimmer. Kinder von der Unter- bis zur Oberstufe werden vom Leiter und Lehrer Michael Forster unterrichtet. Unterrichtssprache ist Deutsch. Bezüglich des Niveaus könne man den Bildungsgrad der Kinder nicht mit jenem von Schweizer Schülern vergleichen, so Beat Tinner. Hinzu kommt die Sprachen-Vielfalt. Informationen am Anschlagbrett sind in Deutsch, Englisch und Arabisch verfasst, auch Italienisch, Französisch, Serbokroatisch und «etliche weitere Sprachen werden von den Mitarbeitenden gesprochen», führt Michael Forster aus. Auch unter den Erwachsenen gebe es riesige Unterschiede. «Es leben sowohl Analphabeten als auch top ausgebildete Menschen hier.» Und dann gibt es noch die Unterschiede der Essgewohnheiten. Gekocht wird vielfältig, aber immer ohne Schweinefleisch. Weggeworfen wird nichts, und mit Strom und Wasser – so ist es in der Hausordnung festgehalten – soll sparsam umgegangen werden. Die Verantwortlichen für den Betrieb der Gruppenunterkunft sind überzeugt, dass es sich mit der Beschränkung auf «vulnerable Asylsuchende» – also Familien, Kranke und allein reisende Frauen – einfacher eine Unterkunft führen lässt, als mit allein reisenden Männern.

Notfallnummer ungenutzt

Bisher sei es zu keinen Konflikten gekommen und der allmähliche Ausbau des Betriebes sei sinnvoll, zumal sowohl Asylsuchende als auch Mitarbeitende erst mit der Situation zurecht kommen müssen. Die Notfallnummer, welche an sieben Tagen während 24 Stunden besetzt ist, sei noch nie benutzt worden, heisst es von Seiten der VSGP. Was eine Schwierigkeit darstelle, sei vielmehr der Besuch von Vertretern christlicher Organisationen oder ähnlichen. «Besuche von solchen Organisationen sind in kantonalen Asylzentren nicht erlaubt», betont Beat Tinner.

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