Stresssituationen kennenlernen

Reto Mösli aus Gais und Andreas Dobler aus Appenzell sind Mitglieder der Schweizer Schreiner-Nationalmannschaft. Letzte Woche traten sie nach einer langen und intensiven Vorbereitungszeit in Genf zu den Schweizer Meisterschaften an.

Markus Fässler
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GAIS/APPENZELL. 14 Monate lang haben sich Reto Mösli und Andreas Dobler auf den grossen Wettkampf vorbereitet. Es war ein langer und harter Weg für die jungen Berufsleute. Mösli gewann zuerst die Sektionsmeisterschaften, Dobler wurde dort Vierter. Danach folgten die Regionalmeisterschaften, die der 18jährige Dobler für sich entschied, Mösli schaffte es auf Rang zwei. Dies bedeutete für die zwei eines: Sie hatten sich gegen rund 900 Mitbewerber aus der ganzen Schweiz durchgesetzt und gehören damit zur neunköpfigen Schreiner-Nationalmannschaft (siehe Kasten).

Tagesform muss stimmen

Am vergangenen Dienstag war es dann so weit, die Schweizer Meisterschaften in Genf konnten beginnen. Angetreten wurde in den Kategorien Massivholz und Möbelschreiner. Beide Titel sicherte sich Prisco Egli aus Jonschwil. «Natürlich wäre eine Medaille schön gewesen», sagt der 19jährige Reto Mösli. An einem solchen Wettkampf spielen aber viele Komponenten eine Rolle. «Die Tagesform muss stimmen. Und auch, ob einem die Aufgabe zusagt», so Dobler. Während Mösli bei den Möbelschreinern Vierter und beim Massivholz Sechster wurde, schaffte es Dobler auf Rang 7 respektive 5. «An den Schweizer Meisterschaften gehen die letzten neun aus über 900 an den Start, da will jeder einen Spitzenplatz. Und alle haben sich auf den Wettkampf hin nochmals verbessert», sagt Mösli. Auch die beiden Appenzeller haben im Vorfeld zwei bis drei Mal pro Woche nach Feierabend geübt, dies meistens zusammen. «So konnten wir uns gegenseitig motivieren und helfen», sagt Dobler. Unterstützt wurden die beiden auch von ihren Lehrbetrieben. Mösli arbeitet bei Koch Möbelhandwerk in Gonten, Dobler bei der Thomas Sutter AG in Haslen.

Vermeintlicher Feierabend

Die Wettkampftage selber seien happig gewesen, darüber sind sich beide einig. Jeweils um 8 Uhr morgens ging es los, um 11.30 Uhr stand eine kurze Mittagspause auf dem Programm. Gegen 17 Uhr war dann der Wettkampftag zu Ende, was aber noch lange nicht Feierabend bedeutete. Im Hotelzimmer mussten die Arbeitsabläufe für den nächsten Tag niedergeschrieben werden.

Nach dem Ende der Schweizer Meisterschaften könnte man nun vermuten, dass die beiden Auszubildenden ihre Freizeit wieder vermehrt geniessen können. Dem ist aber nicht so. Dobler, der im dritten Lehrjahr steht, blickt den Teilprüfungen entgegen. Für Mösli stehen schon bald die Abschlussprüfungen nach einer vierjährigen Lehre auf dem Programm. «Wir haben auch an den Meisterschaften teilgenommen, um einmal die Stresssituation, die bei den Prüfungen anstehen, mitzuerleben», sagt Reto Mösli.

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