Streit um Asylzentrum Landegg: «Wir fühlen uns hintergangen» – jetzt laufen auch Bürger Sturm gegen Weiterführungspläne

Nach der neusten Entwicklung beim Asylzentrum Landegg regt sich nun auch Widerstand in der Bevölkerung. Kritisiert wird insbesondere der Eggersrieter Gemeindepräsident.

Alessia Pagani
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Seit 2010 beherbergt die Landegg im Ortsteil Wienacht-Tobel Asylsuchende.

Seit 2010 beherbergt die Landegg im Ortsteil Wienacht-Tobel Asylsuchende.

Bild: Urs Bucher

Rolf Junkert wälzt dieser Tage ununterbrochen Unterlagen, vergleicht Schriftwechsel und analysiert Verträge. Grund dafür sind die neuerlichen Entwicklungen beim Asylzentrum Landegg im Lutzenberger Ortsteil Wienacht-Tobel. Entgegen der in der Bevölkerung vorherrschenden Meinung soll der Betrieb dort nun auch nach dem Jahr 2021 weitergeführt werden. Der Trägerverein Integrationsprojekte St.Gallen (TISG) will ein Internat für unbegleitete minderjährige Asylsuchende realisieren. Dies widerstrebt Junkert:

«Wir fühlen uns hintergangen.»

Die Landegg wird von den Kantonen St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden betrieben, die Liegenschaft liegt auf der Kantonsgrenze, wobei die minderjährigen Asylsuchenden auf Eggersrieter Boden untergebracht werden sollen. Bereits im Jahr 2009 hatte sich Junkert mit einem Bürgerkomitee erfolglos gegen die Eröffnung des Asylzentrums gewehrt. Die jetzige Entwicklung stösst ihm denn auch sauer auf.

«Es bestehen Verträge zwischen den beteiligten Kantonen und Gemeinden, welche unter anderem die Laufzeit bestimmen. Und nun setzen sich die Verantwortlichen wissentlich über diese Verträge hinweg.»

Junkert übt vor allem Kritik am Eggersrieter Gemeindepräsidenten Roger Hochreutener und spricht von einer Dampfhammeraktion: «Hochreutener hat über alle Verträge hinweg seine eigene Meinung durchsetzen wollen.»

«Für die Bevölkerung ist dies ein Affront.»

Für Junkert ist klar: Es gibt nur noch eine Option, und zwar jene einer definitiven Schliessung der Landegg.

Bürgerkomitee wird wieder aktiv

Rolf Junkert hat sich mit zwei Mitbürgern zusammengeschlossen und die Aktion Pro Wienacht wieder aufleben lassen. In einem offenen Brief an Hochreutener üben sie scharfe Kritik. Darin wird der Vorwurf erhoben, dass sich Hochreutener mit den Kantonsregierungen hätte absprechen müssen. Die Argumentation des Eggersrieter Gemeindepräsidenten, er sei überlastet gewesen und habe die Verträge nicht gekannt, nennt Junkert eine Ausrede, die Entschuldigungen akzeptiert er nicht. Junkert:

«Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.»

Vielmehr habe Hochreutener keinerlei Rücksicht auf die Bevölkerung genommen. «Mit solchen Aktionen verliert das Volk das Vertrauen in die Politik.», sagt Rolf Junkert unmissverständlich.

Zudem kritisiert er Hochreuteners Doppelrolle als ehemaliger Geschäftsführer des TISG und als jetziger Gemeindepräsident.

Forderung, den Vertrag zurückzuziehen

Vor der Eröffnung der Landegg hatte es in der Bevölkerung gebrodelt. Eine Task-Force wurde einberufen. Nebst dem damaligen Lutzenberger Gemeindepräsidenten Erwin Ganz und weiteren Gemeindeverantwortlichen arbeitete auch Markus Will in der Task-Force mit, um eine tragfähige Lösung zu finden. Auch er zeigt sich wenig erfreut über die jetzige Ankündigung des TISG und fühlt sich überrumpelt. Will nimmt die Gemeinde Lutzenberg in die Verantwortung und spricht unter anderem vom Versäumnis, die gesamte Sachlage vor der Kündigung überprüft zu haben. Der Betrieb laufe seit mehr als zehn Jahren gut und die Landegg sei grösstenteils akzeptiert. Markus Will:

«Man hätte vorher alle Optionen – die angekündigte Schliessung, eine Weiterführung oder andere Nutzungsmöglichkeiten der Liegenschaften – analysieren und mit der Bevölkerung von Wienacht diskutieren müssen.»

Auch Will spricht von einem Vertrauensbruch. «Durch das diskussionswürdige Vorgehen des Eggersrieter Gemeindepräsidenten ist eine Sachlage geschaffen worden, die nicht im Sinne des Vertrages ist. Und durch dieses unabgesprochene Verhalten herrscht nun böses Blut.»

Als einzige Möglichkeit, das Problem zu lösen, sieht Markus Will einen Marschhalt: «Der Vertrag mit dem TISG muss zurückgezogen werden und es muss jenseits von Populismus nach Treu und Glauben und unter Einhaltung des Vertrages eine tragfähige Lösung gesucht werden.» Will macht nochmals deutlich: «Wir alle stehen mit unserem Wort in der Pflicht.»

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Das kantonale Asylzentrum Landegg soll 2021 geschlossen werden. Nun will der Trägerverein Integrationsprojekte St.Gallen (TISG) dort unbegleitete minderjährige Asylsuchende unterbringen. Der in Appenzell Ausserrhoden ist gross. Der ehemalige TISG-Geschäftsführer räumt derweil Versäumnisse ein.
Adrian Lemmenmeier