Streit geht in die nächste Runde

GANTERSCHWIL. Eine geplante Überbauung in Ganterschwil sorgt weiterhin für rote Köpfe, und eine Einigung ist in weiter Ferne. Leidtragende des Disputs sind auch Bütschwiler Kirchbürger, die womöglich mehr Steuern bezahlen müssen.

Simon Dudle
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Objekt der Begierde: Auf dieser Wiese in der Dorfmitte von Ganterschwil sollen drei Wohnhäuser entstehen. (Archivbild: Daria Baur)

Objekt der Begierde: Auf dieser Wiese in der Dorfmitte von Ganterschwil sollen drei Wohnhäuser entstehen. (Archivbild: Daria Baur)

Drei Mehrfamilienhäuser mit 27 Wohnungen auf dem Gebiet des ehemaligen Schulhauses Sonnental spalten die Ganterschwiler Gemüter. Diese Wohnungen sollen an bester Lage in der Dorfmitte errichtet werden. Wie so oft bei Bauvorhaben gibt es aber Widerstand. In diesem Falle werden sich die Katholische Kirchgemeinde Ganterschwil, der das Land noch gehört, und die Nachbarn nicht einig (die Wiler Zeitung hat berichtet). Mittlerweile kümmert sich das Baudepartement des Kantons St. Gallen um den Fall, da die Nachbarn einen Rekurs eingereicht haben. Auch ein gemeinsamer Augenschein vor Weihnachten brachte keine Entspannung.

Verkauf soll nicht erfolgen

Aktueller Streitpunkt ist ein 5 mal 20 Meter grosser Streifen Land. Dieser wurde den Anwohnern in Aussicht gestellt, um ihre Lebensqualität zu erhöhen. Laut Bruno Facci, Präsident des katholischen Kirchenverwaltungsrates Ganterschwil, machen die Rekurrenten genau diese Grenzverschiebung nun aber zum Hauptgrund ihres Widerstands. «Der Bogen ist überspannt. Die Gegner nehmen die Zusage des Landverkaufs als Waffe, um den Rekurs aufrechtzuerhalten. Diese Kehrtwendung ist eine Täuschung der Kirchbürger», sagt Facci. Die Stimmbürger hatten an der Kirchgemeindeversammlung im März mit 72 zu 42 Stimmen der Grenzverschiebung zugestimmt. Abgewickelt ist diese aber noch nicht. Wie Facci weiter sagt, werde man alles daran setzen, die erteilte Zustimmung für den Landverkauf an die Rekurrenten wieder rückgängig zu machen – und zwar unabhängig vom weiteren Verlauf des Rekursverfahrens.

Eine andere Meinung vertritt Hans-Jürg Rimensberger. Er ist einer der Rekurrenten und sagt: «Wir weisen jeglichen Vorwurf der Täuschung der Kirchbürger zurück. Der neue Grenzabstand und der eine oder andere Punkt sind nicht klar geregelt.»

Neuer Überbauungsplan

Sie würden sich nicht grundsätzlich gegen die Überbauung stellen, erwarten aber, dass die unklaren Punkte in einem neuen Überbauungsplan bereinigt werden, so Rimensberger. Da spätestens bei der öffentlichen Auflage des Projekts Einsprachemöglichkeit besteht, scheint eine langjährige Verzögerung der Überbauung unumgänglich.

Steuerfusserhöhung möglich

Leidtragende sind die Kirchbürger – und zwar auch jene von Bütschwil. Die beiden Kirchgemeinden schliessen sich per 1. Januar 2016 zusammen. Die 900 000 Franken an Erlös aus dem Verkauf des gesamten Stücks Land, auf dem gebaut werden soll, hätte zur Sanierung der Ganterschwiler Kirche und des Pfarreiheims verwendet werden sollen.

Da die Finanzierung – es wird mit Kosten von rund 600 000 Franken gerechnet – nun auf dem ordentlichen Weg erfolgen muss, stellt Facci eine Steuerfusserhöhung von ein bis zwei Prozentpunkten in Aussicht.

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