Streifzug durch das Toggenburg

Der Toggenburger Verlag hat das Toggenburger Jahrbuch 2015 herausgegeben. Darin sind interessante Artikel zu unterschiedlichen Themen zu finden, von Hornschlitten über Textilgeschichte bis hin zur Allee am Thurweg.

Sabine Schmid / Anina Rütsche
Merken
Drucken
Teilen

TOGGENBURG. Jeweils mit dem Beginn des Herbstes hält das Toggenburger Jahrbuch Einzug in die Bücherregale. Zum 15. Mal ist es im Toggenburger Verlag erschienen. Das Redaktionsteam hat in gewohnter Manier eine Mischung aus Einblicken in die Kultur-, Textil- und Kunstgeschichte, Buchbesprechungen, Nachrufen sowie Artikeln aus den Bereichen Geographie und Biologie zusammengestellt. Zudem ist im Jahrbuch eine umfassende Chronik der Toggenburger Gemeinden zu finden. Es handelt sich beim Toggenburger Jahrbuch um ein Werk, welches das Leben und die Traditionen im Toggenburg abbildet und gleichzeitig aus der heutigen Sicht hinterfragt.

Geschichten aus dem Leben

Im aktuellen Jahrbuch stechen drei Lebensgeschichten von besonderen Persönlichkeiten aus der Region hervor, die im vergangenen Jahr verstorben sind. Es sind dies der Bergbauer und Maler Niklaus Wenk (1913 bis 2013), der Kurdirektor und Wanderleiter Reinhard Kobelt (1941 bis 2013) und Adolf «Dölf» Nef (1932 bis 2013), der sich in Degersheim in diversen Funktionen engagiert hatte.

Das Kapitel über Niklaus Wenk steht unter dem Titel «Rückblick auf mein langes Leben». Eine Textpassage in der Ich-Form lässt Nähe zum Leser aufkommen. In anschaulicher Weise berichtet der Maler darin über frühere Zeiten. Entstanden ist diese verschriftlichte Erinnerung auf Anregung von Wenks Tochter. «Ihr damals 89jähriger Vater sei in der Stube auf dem Kanapee gesessen und habe ihr frisch von der Leber weg sein Leben erzählt», heisst es dazu im Jahrbuch. Zum Bericht über Niklaus Wenk gehören auch Abbildungen von seinen farbenfrohen Werken, welche Motive aus dem Landleben zeigen: Berge, Hügel, Tiere, Menschen. Stets war es selbst Erlebtes, das der Maler in seine Bilder einbrachte. Doch Wenk thematisierte nicht bloss das Schöne, nein, auch schicksalshafte Ereignisse wie Lawinenniedergänge oder die Grippe 1918 haben Eingang in seine Arbeit gefunden. «Ein Bergbauer ist er auch als Maler geblieben, der seinen Erfolg als Künstler durchaus genossen hat. Mit einem verschmitzten Lächeln und einem träfen Spruch», mit diesen Worten schliesst der Nachruf.

Von zwei Schaffern

Auch Reinhard Kobelt war einer, der seine Heimat, das Toggenburg, liebte. «Mit ihm hat das Toggenburg eine Persönlichkeit mit vielen Facetten verloren, die in zahlreichen Funktionen gewirkt hat», lässt sich dem Jahrbuch entnehmen. Sein Wirken werde die Region jedoch weiterhin prägen. Eine umfassende Beschreibung von Reinhard Kobelts vielseitigen Tätigkeiten ist auf acht Seiten in Wort und Bild wiedergegeben. «Er war ein unermüdlicher Schaffer, ein humorvoller und positiv denkender Mensch, der fand, dass man jeden Tag etwas Neues lernen kann.» Ebenfalls ein engagierter Mann war Adolf «Dölf» Nef, der in Degersheim gelebt und gewirkt hat. Unter anderem hatte er für die evangelisch-reformierten Kirche gewirkt und sich in der Lokalpolitik eingesetzt. «Er hat <siim Tegersche> viel zuliebe getan», schreiben die Verfasser des Jahrbuchs über den Ende 2013 Verstorbenen.

Auf Zeitreise gegangen

Rückblicke in vergangene Zeiten prägen nicht nur diese drei Nachrufe. Historische Fakten wurden auch für andere Kapitel des Jahrbuch 2015 zum Hauptthema erkoren. Bereits in der Einleitung des 230 Seiten starken Werks wird darauf hingewiesen: «Das Redaktionsteam und die vielen Mitarbeitenden unseres regionalen Kultur-Jahrbuchs stehen besonders nahe an den Menschen, ihrem Wohn- und Lebensraum, ihren Leistungen und Schicksalen im Wandel der Zeiten.» So lassen sich in der neusten Ausgabe des Jahrbuchs beispielsweise die Hintergründe des Toggenburger Adels nachlesen – sorgfältig recherchiert und umfassend mit Grafiken und Abbildungen von alten Schriften illustriert. Die Grafen von Toggenburg und ihr Wirken stehen dabei im Zentrum. Auch die Geschichte der Flawiler Textilunternehmung H. W. Giger hat Eingang ins Jahrbuch gefunden. «Ein Stück Zeitgeschichte wird aus der Sicht direkt Betroffener nachvollziehbar», heisst es zu Beginn des 22seitigen Beitrags.

Unterwegs mit dem Jahrbuch

Auch der Aspekt des Toggenburgs als Ferien- und Freizeitregion kommt im Jahrbuch nicht zu kurz. Im Text über die Thurallee zwischen Ulisbach und Lichtensteig wird den Leserinnen und Lesern nebst Informationen zur Vegetation auch ein Ausflugstip «vor der Haustüre» mitgeliefert. Unterwegs können sie sich an der Tabelle zu den Baumbeständen orientieren, die der Autor in Fliessrichtung der Thur aufgelistet hat. Bebildert ist der Artikel mit stimmungsvollen Fotos aus allen vier Jahreszeiten. Das Jahrbuch begleitet sein Publikum jedoch nicht bloss beim Wandern. Es kann auch in anderen Bereichen ein wertvoller Begleiter sein – im Jahr 2014, im Jahr 2015 und darüber hinaus.