Strassenumfrage
Nach der tiefen Wahlbeteiligung in Herisau: Warum interessiert die Lokalpolitik so wenig?

Beim ersten Wahlgang für die Neubesetzung des Herisauer Gemeindepräsidiums blieben zwei von drei Stimmberechtigten zu Hause. Die Wahlbeteiligung lag trotz spannender Ausgangslage bei nur 36,7 Prozent. Wieso war diese so tief? Wir haben die Herisauer nach ihrer Meinung gefragt.

Elia Fagetti
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Am 2.Mai findet in Herisau der zweite Urnengang für die Gemeindepräsidiumswahlen.

Am 2.Mai findet in Herisau der zweite Urnengang für die Gemeindepräsidiumswahlen.

Bild: Martina Basista

Der Ausgang des ersten Wahlgangs in Herisau am vergangenen Sonntag hat überrascht: Max Eugster (SP) und Sandra Nater (FDP) lieferten sich ein unerwartetes Kopf-an-Kopf-Rennen. Die beiden Kandidaten und Gemeinderäte lagen nur rund 30 Stimmen auseinander. Favoritin Nater verpasste das absolute Mehr allerdings nur um wenige Stimmen. Nun kommt es am 2. Mai zum entscheidenden zweiten Wahlgang. Aber nicht nur das knappe Resultat liess aufhorchen. Auffallend war auch die tiefe Wahlbeteiligung von nur 36,7 Prozent. Dabei ging es immerhin um das wichtigste politische Amt der grössten Ausserrhoder Gemeinde, um das sich zwei bekannte Politiker bewarben.

Markus Hager, Herisau

Markus Hager, Herisau.

Markus Hager, Herisau.

Bilder: Elf.

Ich habe abgestimmt, aber viele nicht. Ich denke, das kommt davon, dass den meisten nicht so wichtig ist, wer jetzt Gemeindepräsident oder Gemeindepräsidentin ist. Soweit ich weiss, war die Beteiligung letztes Mal höher. Wenn jetzt die Wahlbeteiligung so extrem tief ist, dann heisst das für mich, dass diese Wahl zu wenig wichtig war.

Barbara Grüter, Herisau

Barbara Grüter, Herisau.

Barbara Grüter, Herisau.

Für den Posten des Gemeindepräsidiums habe ich nicht abgestimmt. Wenn ich ehrlich bin, ich habe noch nie abgestimmt. Ich hatte einfach immer andere Prioritäten, wie mein Kunstatelier hier in Herisau. Ich lebte auch eine Zeit lang in Israel. Ich denke nicht, dass es mir damals überhaupt durch den Kopf gegangen ist.

Milica Djordjevic, Herisau

Milica Djordjevic, Herisau.

Milica Djordjevic, Herisau.

Für mich ist Abstimmen wichtig. Ich habe auch bei dieser Wahl mitgemacht. Ich bin von Speicher hierher gezogen und habe mein Wahlverhalten mitgenommen. Bei den Jungen fehlt wahrscheinlich das Interesse. Und es ist auch blöd, wenn man noch extra ein Märkli kaufen muss, um abzustimmen.

Max Wild, Herisau

Max Wild, Herisau.

Max Wild, Herisau.

Ich war während der Wahl im Spital in der Chemotherapie. Doch gewählt hätte ich wahrscheinlich nicht, denn ich war noch nie wählen. Die Menschen fühlen sich vom Staat bevormundet und im Stich gelassen. Und deshalb gehen sie nicht wählen. Ich bin froh, wehren sich die Jungen langsam. Sie müssen das Ganze nachher ausbaden.

Mike Doepelheoer, Herisau

Mike Doepelheoer, Herisau.

Mike Doepelheoer, Herisau.

Ich würde gerne wählen, darf aber nicht. Meine Familie ist erst vor einem Monat nach Herisau gezogen. Nachdem wir aus Deutschland migrierten, wohnten wir elf Jahre lang in St.Gallen. Es ist wichtig für die Politik zu wissen, was die Leute bewegt. Man sollte als Politiker vielleicht eine Beizentour machen und die Menschen aktiv nach ihren Sorgen und Problemen befragen.

Vreni Wild, in Herisau getroffen

Vreni Wild, in Herisau getroffen.

Vreni Wild, in Herisau getroffen.

Die Situation ist ähnlich wie bei uns in Schwellbrunn. Die Jungen wählen zum Beispiel nicht nach Partei. Sie sind noch viel eher auf das spezifische Thema ausgerichtet. Sie können dann auch jemanden wählen, der in einer Partei ist, mit der sie sonst nicht viel anfangen können. Viele denken sich, wenn man nur eine Person wählen kann, wieso sich überhaupt die Mühe machen. So war das auch bei uns.

Thomas Ehreler, Herisau

Thomas Ehreler, Herisau.

Thomas Ehreler, Herisau.

Ich habe nicht abgestimmt. Wir füllen doch nur eine Statistik. Egal für was man abstimmt, durchgesetzt wird es nicht. Das hat man bei den ganzen Initiativen in den letzten Jahren gesehen. Und zum Teil wirkt die Politik auf mich wie ein Kindergarten. Wer am lautesten schreit, gewinnt. Und das vertreibt einem die Lust am Wählen.

Ruth Inauen, Herisau

Ruth Inauen, Herisau.

Ruth Inauen, Herisau.

Auch wenn ich abgestimmt habe, war die Wahl doch schwierig. Da haben wir zwei erfahrene Leute, die eigentlich jeder kennt. Das macht es schwierig, sich zu entscheiden. Ich habe von Bekannten gehört, dass sie beide Kandidaten gut finden, aber weil sie sich nicht entscheiden konnten, nicht zur Wahl gegangen sind.

Simon Trüb, Herisau

Simon Trüb, Herisau.

Simon Trüb, Herisau.

Ich denke bei den Anwohnern herrscht einfach zu wenig Interesse an der lokalen Politik. Vielleicht sind manche Menschen auch einfach zu faul, um zur Wahl zu gehen. Das kann ich nicht beurteilen. Ich für meinen Teil habe gewählt.