Strassen sind nicht nur für Autos

Selbst im Hinterland würden Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden, sagt Stefan Kunz von der SP. Damit sie das wieder zu Fuss machen können, müssten Strassen als Lebensraum betrachtet werden.

Alexa Scherrer
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WALDSTATT. «Grosse Würfe haben es schwer in Ausserrhoden» und «städtische Elemente werden tendenziell abgelehnt». So lautet das Fazit des Kantonsingenieurs Urban Keller anlässlich der öffentlichen Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema «Dorfverkehr – Verkehrsdorf?» vom vergangenen Dienstagabend. Organisiert hat die Veranstaltung die SP Hinterland, da in dieser Region in vier Gemeinden neue Ortsdurchfahrten projektiert werden; in Hundwil, Waldstatt, Urnäsch und Schwellbrunn.

Mehr als nur Strasse

Laut Stefan Kunz, Präsident der SP Hinterland, sehe die Partei in diesen Sanierungen eine Chance, Verkehrswege nicht nur als Strassen-, sondern auch als Lebensraum zu sehen. «Gerade in Waldstatt spielt sich das Leben in der Peripherie ab, der Dorfkern stirbt aus, die Häuser verlottern», so Kunz. Wenn man mit dem Auto über die Dorfstrasse brause, würde das aber nicht auffallen. Robert Furrer, Geschäftsführer VCS Sektion St. Gallen/Appenzell, rief in seinem Vortrag dazu auf, die eigene Mobilität zu hinterfragen, sich «selbst an der Nase zu nehmen» und das Auto vermehrt stehen zu lassen. 50 Prozent des Verkehrsaufkommens sei Freizeitverkehr.

Diskutiert wurde, was passieren könnte, sollten im Zuge der Sanierungen Parkplätze aufgehoben werden. Dölf Biasotto, Präsident der Arbeitsgruppe «Ortskerngestaltung Urnäsch», erläuterte, dass dies in Urnäsch nie zur Diskussion gestanden hätte. Parkmöglichkeiten seien wichtig für die wenigen verbliebenen Gewerbebetriebe in den Dörfern. 35 Prozent mehr Umsatz hätte ein Geschäft generieren können, nachdem es den ehemaligen Standort ohne Parkplätze gegen einen mit Parkplatz getauscht habe. «Diese Gesetze des Marktes kann niemand über den Haufen werfen», so ein Votant.

Sensibilität für Dorfgestaltung

Stefan Kunz sieht das anders: «Wir können uns nicht alles von der Wirtschaft diktieren lassen.» Stattdessen müsse man an die kommenden Generationen denken. Obwohl auf dem Land die Verstädterung abgelehnt werde, würden städtische Gewohnheiten Einzug halten. So würden Eltern auch im Hinterland vermehrt ihre Kinder mit dem Auto in die Schule fahren. Der Strassenraum müsste so gestaltet werden, dass Kinder zu Fuss gefahrlos die Dorfschule erreichen könnten. Stefan Kunz wünscht, dass diese Sensibilität für die Dorfgestaltung jetzt in die einzelnen Dörfer getragen werde.