Vortragsreihe in Herisau: Wie Störungen zu Chancen werden

Die Vortragsreihe der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Herisau dreht sich dieses Jahr um Unerwartetes. Der Auftaktanlass am 26. Oktober steht allerdings noch unter dem letztjährigen Thema.

Alessia Pagani
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In einem der Vorträge werden die Überlebensstrategien von Eisbären in Zeiten der Globalen Erwärmung thematisiert.

In einem der Vorträge werden die Überlebensstrategien von Eisbären in Zeiten der Globalen Erwärmung thematisiert.

Bild: APZ

Die Themenfindung gestaltete sich in diesem Jahr einfacher als auch schon. Immer während der Wintermonate organisiert die Appenzellische Naturwissenschaftliche Gesellschaft (ANG) eine fünfteilige Vortragsreihe. Die übergeordnete Thematik in diesem Jahr: Unvorhergesehenes als Chance in der Naturwissenschaft.

Unvorhergesehenes – ein Wort, das in den vergangenen Monaten unseren Alltag geprägt und unser Leben beeinflusst hat. «Covid-19 und dessen Folgen überraschte die Menschen weltweit», sagt ANG-Präsident Louis Slongo. «Unvorhergesehenes als Störungen können aber auch Chancen für die Zukunft bieten.»

Im Rahmen der Vortragsreihe nähern sich fünf Fachpersonen dem Thema aus unterschiedlichen Seiten an. Der Auftaktanlass am 26. Oktober steht allerdings noch unter dem letztjährigen Thema «Umweltfragen im Alltag – das kann ich tun». Es handelt sich dabei um eine Veranstaltung, welche coronabedingt im März hätte abgesagt werden müssen.

Marco Sonderegger, Unternehmensleiter Entsorgung St.Gallen, referiert zum Thema Entsorgung 5.0. Er beleuchtet die aktuelle Situation und wirft gleichzeitig einen Blick in die Vergangenheit und die Zukunft. Weiter wirft er die Frage auf, ob es sich bei «Zero Waste» (keine Produktion von Abfall) um eine Vision oder eine Illusion handelt.

Von Eisbären, Artenschutz und Zugverkehr

Am 14. Dezember steht dann zum ersten Mal das Thema Unerwartetes im Mittelpunkt. Stephan Bader, Klimatologe bei Meteo Schweiz, stellt den Eisbären ins Zentrum seines Vortrags und versucht zu erklären, ob aus dem tierischen Klimaopfer ein klimaresistenter Überlebenskünstler werden kann. Bader erläutert neue Resultate der Genforschung zu Klimakrisen und erstaunlichen Überlebensstrategien als Chance.

Am zweiten ANG-Vortrag zum Thema Unerwartetes beschäftigt sich Klaus Frick, Dozent für Mathematik an der Ostschweizer Fachhochschule, am 11. Januar mit dem Potenzial künstlicher Intelligenz und über Algorithmen als zukunftsorientierte Werkzeuge. Dabei geht er unter anderem der Frage nach, ob Maschinen denken können und Algorithmen lernfähig sind.

Markus Grabher vom gleichnamigen Umweltbüro in Dornbirn referiert am 22. Februar über neue Methoden für den Artennachweis und die Artenerkennung im Naturschutz. Dabei erklärt er unter anderem auch die Technik der Umwelt DNA-Untersuchungen (eDNA) und geht der Frage nach, wie wir mit eingeschleppten Tierarten, Pflanzen und Krankheiten umgehen.

Am 29. März 2021 beendet der Vortrag von René Megert zum Umgang mit Störungen im Zugverkehr die diesjährige Vortragsreihe. Megert, Leiter Betriebsführung bei der Südostbahn, erläutert dabei die Auswirkungen solcher Störungen für den Fahrplan und nennt Optimierungsmöglichkeiten.

Naturwissenschaft populärer machen

Mit den Vorträgen verfolgt die ANG ein spezielles Ziel. «Wir wollen naturwissenschaftliche Themen zu populärwissenschaftlichen Themen machen und versuchen, sie für alle verständlich zu erklären», sagt Louis Slongo. Die ANG wurde 1958 gegründet und zählt heute 160 Mitglieder. Slongo präsidiert die ANG seit acht Jahren. Wie der ehemalige Herisauer CVP-Kantonsrat antönt, wird er das Amt in Kürze abgeben. «Es ist Zeit, dass andere diese Aufgabe übernehmen. Jüngere.» Eine Verjüngung, dies wünscht sich Louis Slongo nicht nur für den ANG-Vorstand, sondern auch für das Publikum:

«Es kommen immer viele Besucher, auch Jüngere. Aber es könnten mehr sein.»

Slongo ist überzeugt, dass die naturwissenschaftlichen Themen auch für die jüngeren Generationen spannend sind. Etwa das letztjährige Thema Umwelt. «Das betrifft uns alle gleichermassen», so Slongo. Die Vorträge finden jeweils in der Cafeteria des Berufsbildungszentrums BBZ in Herisau statt. Die Schutzkonzepte werden gemäss Slongo eingehalten. Dazu gehört je nach aktuellen Vorschriften auch eine Maskenpflicht. Erfahrungsgemäss werden zwischen 60 bis 100 Personen an den Anlässen erwartet. «Der Sicherheitsabstand kann so gut gewährleistet werden», sagt Slongo.

Die Vorträge der Appenzellischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft finden jeweils um 19.30 Uhr in der Cafeteria des Berufsbildungszentrums in Herisau statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Es besteht eine Maskentragepflicht.