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«Stolz sein auf das, was wir haben»

Die Sportbahn Krummenau-Wolzenalp AG trotzt den Widrigkeiten warmer Winter, indem sie die Natur und die Ruhe des Gebiets propagiert. Verwaltungsratspräsident Rolf Hager sagt, dass sich das Unternehmen in einem kleinen Gebiet nicht verstecken muss.
Sabine Schmid
Rolf Hager Verwaltungsratspräsident Sportbahn Krummenau- Wolzenalp AG (Bild: Christiana Sutter)

Rolf Hager Verwaltungsratspräsident Sportbahn Krummenau- Wolzenalp AG (Bild: Christiana Sutter)

Der Winter war bis jetzt schlecht. Wie beurteilen Sie von Seiten der Bahn die aktuelle Saison?

Rolf Hager: Es ist eine der schwierigsten Saisons in der ganzen Geschichte unserer Sportbahn. Wir haben am Skilift Rietbach-Wolzenalp seit Mitte Januar sehr gute Pistenverhältnisse, aber man kann nicht ins Tal fahren. Wenn die Talabfahrt grün ist, denken die Gäste nicht daran, dass sie bei uns Wintersport betreiben können und sie fahren dann weiter das Tal hinauf. In diesem Jahr sind wir sicher unter dem Schnitt und werden das Soll von 100 Betriebstagen nicht erreichen, aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen.

Bringt ein solcher Winter das Unternehmen ins Strudeln?

Hager: Wir haben in den vergangenen sechs Jahren grössere Investitionen getätigt und wünschen uns keine solchen Saisons. Der Winter ist und bleibt unsere Haupteinnahmequelle. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir im Winter gut Geld verdienen können. Im Sommer müssen wir uns viel mehr darum bemühen.

Gerade Skigebiete im Bereich von 1500 Meter hätten keine Zukunft, heisst es von Klimaexperten. Das Gebiet Rietbach-Wolzenalp liegt genau in dieser Höhenlage. Glauben Sie an die Zukunft?

Hager: Das Toggenburg hat ein bisschen ein rauheres Klima, darum haben wir auch jetzt im Verhältnis mehr Schnee als gleich hoch gelegene Orte beispielsweise im Wallis. Im Vergleich zu anderen Destinationen stehen wir also nicht schlecht da. Bei vielen Leuten ist es aber in den Köpfen drin, dass man auf 1500 Meter nicht mehr Skifahren kann. Ich bin überzeugt, dass es im Toggenburg immer wieder schneit, und im nächsten Jahr sieht die Situation wieder anders aus.

Wie gut sind die Anlagen in Schuss?

Hager: Unsere Sesselbahn und unser Skilift sind in einem sehr guten Zustand. Seit Anfang an hat man die Sicherheit gross geschrieben und darin investiert. Dazu kommt, dass wir sehr gute Mitarbeiter haben, die den Anlagen Sorge tragen und die Sicherheitsvorgaben erfüllen. Unsere Sesselbahn untersteht denselben Auflagen wie grössere und modernere Bahnen. Im letzten Audit vor zwei Jahren erhielten wir ein gutes Zeugnis. Ich bin stolz darauf. Die Sesselbahn ist technisch also nicht schlechter, weil sie älter ist und langsamer läuft.

Im Sommer soll genau die Wolzenalp als Ort der Ruhe, der Gemächlichkeit propagiert werden.

Hager: Ja, aber nicht übertrieben. Wenn man moderne Anlagen baut, muss man auch darauf achten, wie man die Leute wieder ins Tal bringt. Das heisst, wenn man eine grosse Bahn baut, muss man auch die Pistenverhältnisse vergrössern. Dasselbe ist im Sommer. Wenn sich die Leute im Gebiet nicht verteilen, wird die Wolzenalp nicht mehr der Ort mit der Natur sein, wie wir sie schätzen. Wir können dies nur mit einer solchen Bahnanlage pflegen und bewusst leben. Wir dürfen von der Konzession nicht mehr als 700 Personen in der Stunde transportieren.

Streben Sie nach moderneren Anlagen?

Hager: Gewiss hätten wir gerne eine moderne Anlage. Heutige Bahnen sind nicht mehr so lange und oft in Sektionen getrennt. Das wäre für uns ein Vorteil, damit es bei der Talabfahrt nicht alles oder nichts gibt. Aber wir dürfen nicht vergessen, unsere festgeklemmte Sesselbahn ist vom Unterhalt her viel günstiger als eine moderne kuppelbare Bahn. Damit können wir in dem Preissegment bleiben, in dem wir jetzt sind. Das ist unsere Stärke und wird es auch in Zukunft sein. Der Wintersport darf nicht so elitär werden, dass Familien sich keinen Skitag mehr leisten können. Aus meiner Sicht sollen alle einen Zugang zum Wintersport haben.

In den 1990er-Jahren standen viele für die Sportbahn Wolzenalp AG ein. Stehen die Toggenburger noch immer hinter ihrer Bahn?

Hager: Wir haben das Gefühl, dass wir von der Bevölkerung getragen werden. Wir mussten damals eine grössere Revision machen und neue Sessel anschaffen. Dafür hat das Kapital nicht gereicht. Mit dem gezeichneten Kapital konnte die Bahn technisch wie auch finanziell saniert werden. Eine solche Aktion wäre heute sicher schwerer. Aber Beispiele im Obertoggenburg zeigen, dass der Rückhalt der Bevölkerung da wäre.

Kommen die Einheimischen auch auf die Wolzenalp?

Hager: Wir haben auch diesbezüglich einen Rückhalt. Aber die Einheimischen besuchen nicht immer die Orte, die ihnen geographisch am nächsten liegen. Darum ist es für uns wichtig, bei Leuten ausserhalb des Toggenburgs in die Köpfe zu kommen und sie für Tagesausflüge anzulocken. Wir können und dürfen unsere Natur präsentieren, und das ist etwas vom Wichtigsten. Aber man hat uns ein bisschen vergessen, und das müssen wir nun aufarbeiten.

Glauben Sie, dass Sie gerade mit der Kleinheit, der Ruhe, der Natur, der Erholung Ihre Chance bekommen?

Hager: Ja. Damit können wir Werbung machen. Wir wollen unser Gebiet aber nicht überfüllen. Einen Boom wie in den 1960er-Jahren wird es vermutlich nicht mehr geben. Dennoch: Wir dürfen stolz sein auf das, was wir haben, und wir dürfen auch dazu stehen.

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