Störgesang im Klassenzimmer

Mit Gitarre, Akkordeon und Talerschwingen bringt Störsängerin Heidi Meier Gruber Primarschüler zum Singen. Die Herisauerin will Freude am Musizieren vermitteln. Dafür greift sie auch auf traditionelle Musik zurück.

Julia Nehmiz
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Eifrige kleine Talerschwinger – Störsängerin Heidi Meier bringt traditionelle Musik ins Klassenzimmer der Gruber Primarschule. (Bild: miz)

Eifrige kleine Talerschwinger – Störsängerin Heidi Meier bringt traditionelle Musik ins Klassenzimmer der Gruber Primarschule. (Bild: miz)

GRUB SG. Es ist zu schade, dass eine Zeitung nur Worte vermitteln kann. Denn was die Gruber Primarschülerinnen und -schüler an einem Dienstagvormittag im Klassenzimmer schmettern, ist gar zu schön. Begeistert und gekonnt singen die Viert- bis Sechstklässler von Lehrerin Eliane Gantenbein «Schwan» von Gölä, «Aade bin i loschtig gsee» und «Es wollt ein steinalt Jünferlein». Mehrstimmig. Aufmerksam. Voller Freude.

Die Herisauer Störsängerin Heidi Meier ist zum dritten und letzten Mal zu Besuch bei den Gruber Kindern. Ihr Auftrag: Freude an Musik in die Klassenzimmer bringen. Im St. Gallischen Grub hat sie ihr Ziel erreicht. «Das ist das Schöne, wenn der Funke überspringt, wenn der Klang sich entwickelt im Klassenzimmer», sagt Heidi Meier.

Tanzen, klatschen, jodeln

Die Störsängerin hat einiges im Gepäck, um ihre jungen Sängerinnen und Sänger bei Laune zu halten. Zu den vielen Liedern, Kanons und Songs begleitet sie sich mal auf der Gitarre, mal auf dem Handörgeli, mal lässt sie die Kinder kleine Tanzschritte dazu ausführen. Es wird im Takt geklatscht und geschnippst, mit Talern geschwungen, mehrstimmig gesungen und sogar gejodelt. «Das haben sich die Gruber Kinder explizit gewünscht», sagt Meier freudig erstaunt nach dem Unterricht.

Und Meier ist genau die richtige für diesen Wunsch, ist sie doch musikalische Leiterin des Jodelchörlis Wildkirchli. «Anfangs stand bei den <Störsängern> im Vordergrund, traditionelles Liedgut in die Klassenzimmer zu bringen», sagt Meier. Lumpeliedli, Ratzliedli, das höre man nicht im Radio. Doch man sei vom streng-traditionellen Auftrag abgekommen.

Meier hat weiterhin traditionelles Liedgut im Gepäck. «Ich merke rasch, ob eine Klasse Freude daran hat oder nicht», sagt sie. Wenn nicht, lässt sie moderne Sachen singen, aber hauptsächlich auf Schweizerdeutsch. «Englische Popsongs oder deutsche Schlager können sie im Radio hören», sagt Meier lachend.

«Schwan» und «diggedaggedu»

Bei der Gruber Klasse steht «Schwan» von Gölä hoch im Kurs. «Ä Spange im Mu, ä Bröue im Gsicht, Zöpfli u schlächt im Turnunterricht», singen die Schülerinnen und Schüler mit Inbrunst. Doch auch bei deutlich uncooleren Texten sind sie mit Eifer bei der Sache. Einsingen auf «diggedaggedu» und «giggeleguggele» wird ebenso aufmerksam absolviert wie Lockerungsübungen. Und das dreistimmige Lied «Barabba Ba» wünschen sich einige Kinder als Zugabe.

Heidi Meier hat ihre Pappenheimer im Griff. Nur einmal muss sie mahnen: «Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn jemand falsch singt. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn jemand gar nicht mitsingt.»

Nicht nur die Schülerinnen und Schüler sind begeistert, auch Lehrerin Eliane Gantenbein hat die drei Doppellektionen von Heidi Meier genossen. «Im regulären Musikunterricht können wir nicht während zweier Lektionen singen», sagt Gantenbein, «da gehören auch Musiktheorie mit Notenlernen und Rhythmus dazu.» Sie fand es spannend, ihre Klasse von aussen singen zu hören. «Ich habe von unserer Störsängerin viele Anregungen mitgenommen», sagt die junge Lehrerin, die diese Art von «Unterrichtsstörung» wärmstens empfiehlt.

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