Stimmenfeuer entfachen

Die Ausserrhodische Kulturstiftung vergab 2010 an acht Kunstschaffende insgesamt 80 000 Franken in Form von Werk-und Förderbeiträgen. Wir stellen die Kunstschaffenden vor. Heute: Die Sängerin Franziska Schiltknecht.

Patrik Kobler
Drucken
Teilen

teufen. Mit flatternden Haaren schwingt sie sich im Seil sitzend dem Alpstein entgegen und jauchzt unbekümmert in die Welt hinaus. Im Idyll nimmt niemand Anstoss daran; nicht einmal die beiden Geissen meckern. Seit letztem Frühjahr wohnt Franziska Schiltknecht mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in einem Bauernhaus bei der Waldegg. Nachdem sie in den letzten Jahren viel unterwegs war, möchte sie hier unweit von ihrem Geburtsort Speicher Wurzeln schlagen.

Sängerin von Hop o'my Thumb

Bekanntheit erlangte die 32-Jährige als Sängerin von Hop o'my Thumb. Sie sei eher zufällig zur St. Galler A-cappella-Formation dazugestossen, erinnert sie sich an die Anfangszeiten. Obwohl sie aus einer musikalischen Familie stammt – ihr Onkel ist Hackbrettler Roland Schiltknecht –, war sie bis dahin nie als Sängerin in Erscheinung getreten. Trotzdem gehörte sie von Beginn weg bei Hop o'my Thumb dazu. Nach zehn erfolgreichen Jahren löste sich die Formation 2006 auf. Seither widmet sich Franziska Schiltknecht anderen Projekten. Sie tourte mit dem Zirkus durchs Land und führte zusammen mit dem Akkordeonisten Goran Kovacevic das Musiktheater Goraniska auf.

Freude über Werkbeitrag

Für ihr jüngstes Projekt hat Franziska Schiltknecht kürzlich von der Ausserrhodischen Kulturstiftung einen Werkbeitrag erhalten. Darüber freut sie sich sehr. Es sei eine Anerkennung für das ganze Herzblut, das sie bislang investiert habe, sagt sie. Zudem verschaffe ihr der Betrag Luft, sich ohne Zeitdruck dem Projekt zu widmen. Mittlerweile geniessen die beiden Töchter Priorität. Trotzdem versucht sie ein abendfüllendes Programm auf die Beine zu stellen, in dem sie sich mit ihrem Dasein als Frau und Mutter auseinandersetzt. Die Lieder kreiert sie, wann immer Zeit dafür bleibt. In solchen Momenten verschafft sich Franziska Schiltknecht in einer Art Meditation über ihre Stimme Zugang zur inneren Quelle. «Was gerade in uns ist, kann durch tiefes Hineinhorchen in unser Bewusstsein treten», ist sie überzeugt. Begleitet von der Trommel oder der Shruti-Box, ein Handorgel-ähnliches Instrument aus Indien, lässt sie einen Ton so frei wie möglich im Körper schwingen. Dabei strebe sie weder bestimmte Ideale an, noch gebe es richtig oder falsch. «Ich warte einfach, bis die Lieder kommen», sagt sie.

Stimmenfeuer-Frau

Franziska Schiltknecht betrachtet die Stimme als ein Werkzeug zur Selbstheilung. Unter dem Namen «Stimmenfeuer» hilft sie Menschen, dieses Potenzial zu nutzen. «Dank der Unterstützung meines Mannes und der Grossmütter habe ich genug Freiraum, meinem Beruf als Stimmenfeuer-Frau nachzugehen.» Sie bietet Einzel- und Gruppensessions an: Diese beinhalten unter anderem Improvisation, Stimm-Atem-Körperarbeit und Präsenztraining. Hemmungen müsse man keine haben, sie singe mit allen.

Die Künstlerin kann sich sogar vorstellen, einem Jodelclub beizutreten. Umso mehr, als sie ihr neuer Wohnort im Grünen mit Säntissicht dazu inspiriert, Frauen-Jodelklänge neu zu interpretieren. «Ich freue mich, wenn Grenzen zerfliessen», sagt sie und jauchzt sich noch einmal mit vollem Schwung dem Alpstein entgegen.

www.stimmenfeuer.ch