Stiller Mischer im Hintergrund

Lange Nächte im fensterlosen Studio sind für ihn keine Seltenheit: Jasi Karalic ist Musikproduzent. Als «mean2k» steuert er für Hip-Hopper der Region die Beats bei. Heute Samstag versucht er sich in der Jury des ersten Schweizer «Beat Fight».

Olivia Hug
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WATTWIL. Jasi Karalic sitzt tief im Bürostuhl versunken an seinem Arbeitsplatz und horcht der Musik, die der Gitarrist spielt. Konzentriert, mit zugekniffenen Augen, die Arme verschränkt. Ein Penny für seine Gedanken. «Keine Chance, dass ich einfach so passiv ein bisschen Musik hören kann», sagt Jasi Karalic. Geschweige denn Radio, fügt er an, da sei die Musik sowieso überkomprimiert.

«Er hört alles»

Dabei hört er sehr gerne und viel Musik, von Rock über Hip-Hop bis Indie – er muss schliesslich, denn der Ebnat-Kappler ist Musikproduzent. «Mit einem Ohr höre ich halt viel zu genau hin», versucht er zu erklären. Und dieses Gehör mache es aus, fällt ihm der Kollege Patric Menzi ins Wort: «Er hört Sachen, die jeder andere nicht hört.» Das gehört, zusammen mit dem gesamten Equipment, das Jasi Karalic mittlerweile besitzt, zu den Voraussetzungen, dass er als Produzent tätig sein kann. In seinem Studio an der Wattwiler Bleikenstrasse hat er schon manche Toggenburger Band sowie Rapper aus der Ostschweiz bei den Aufnahmen begleitet. Doch auch Namen wie Black Tiger, Toni L., Freeman oder Tanja la Croix hat er abgemischt. Oder die Beats zu den Songs beigesteuert. Ferner habe er Ives Irie von den Delinquent Habits hier gehabt, die Filmmusik für «Panamericana» oder «Ameisenweg» abgemischt und er kreiere Jingles, hilft ihm Patric Menzi auf die Sprünge. Jasi Karalic selbst ist bescheiden, rühmt sich nicht mit seinem Werk.

Typisch Produzenten – sie halten sich lieber im Hintergrund auf, während die Hip-Hopper im Rampenlicht stehen und zu deren Beats rappen. Jasi Karalic findet das Schattendasein nicht frustrierend: «Wer sich wirklich dafür interessiert, dreht ein Album um und schaut nach, wer es produziert hat», sagt der 27-Jährige.

Selbermachen statt abspielen

Jasi Karalic heisst eigentlich Jasenko – bekannt ist er aber am meisten unter seinem Künstlernamen «mean2k». Seit 20 Jahren wohnt der Bosnier in der Schweiz, wo er sich zu Beginn seiner «Musikkarriere» als DJ versucht hat. «Irgendwann war mir das zu langweilig», schildert Jasi Karalic, «ich wollte nicht mehr einfach nur Beats abspielen, sondern sie selber schaffen.» Also habe er sich einen Computer und ein Keyboard gekauft. Heute sei er technisch für alles ausgerüstet – ausser für ein grosses Schlagzeug oder ein Orchester, denn dafür reiche der Platz nicht aus. «Ausser einem Jodelchörli habe ich schon alles hier unten gehabt», meint er schmunzelnd. Ob Handörgeli oder Rockstar: Er mischt ab, nimmt auf, sorgt dafür, dass die Musiker zum Schluss mit einem fix und fertigen Album aus dem Studio gehen. So sie denn kommen, denn: «Der Standort Toggenburg bringt schon gewisse Einschränkungen mit sich», weiss Jasi Karalic. Den einen oder anderen Auftrag habe er abgelehnt bekommen, weil Wattwil nicht optimal gelegen sei.

Erstmals in der Schweiz

Dennoch hat es für den Ebnat-Kappler immer irgendwie gereicht, um von der Musik leben zu können. Zwei Jahre lang war er vollberuflich als Produzent tätig, danach hat er nebst der Handelsschule im Studio gesessen. «Jetzt schau ich mal, wie's weitergeht.»

Weiter geht's heute abend im Restaurant Hintere Post in St. Gallen. Dort findet zum erstenmal in der Schweiz ein «Beat Fight» statt. Acht Musikproduzenten treten mit ihren Beats gegeneinander an, im K.O.-System, wie es in den Staaten oder Deutschland schon rege gepflegt wird, gewinnen kann nur einer. «mean2k» gehört aber nicht zu den Teilnehmern, sondern sitzt in der Jury. Neben dem Basler Rapper Black Tiger, dem Reggaekünstler Dodo und der Zuger Rap-Crew Fratelli-B. Zwei der Teilnehmer kennt er persönlich. Befangenheit? «Ich werde auf jeden Fall fair sein. Wenn ein Beat schlecht ist, dann ist er schlecht, egal, wer ihn gemacht hat.»

www.facebook.com/mean2k

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