STILFRAGE: Modische Appenzeller im Visier

Trachten, Tradition und Kreativität. Im Appenzellerland treffen diese drei Komponenten aufeinander und kreieren eine modisch interessante Mischung, aus der zahlreiche individuelle Stile hervorgehen.

Samira Hörler
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Anouk findet ihre meisten Lieblingsstücke im Brockenhaus, gibt dafür aber für Schuhe und Jacken etwas mehr aus.

Anouk findet ihre meisten Lieblingsstücke im Brockenhaus, gibt dafür aber für Schuhe und Jacken etwas mehr aus.

Samira Hörler

samira.hoerler@appenzellerzeitung.ch

Kleider machen Leute. Wenn man sich die grossen Modemetropole vorstellt, sind das Städte wie Paris und Mailand und nicht das Appenzellerland. Doch wenn der Begriff «Mode» in seiner ganzen Bandbreite untersucht wird, stösst man alsbald auf Tradition und Trachtenkleidung. Das bekannte hellblaue Edelweisshemd und der beschlagene Appenzeller Gurt sind Kultgegenstände, die jedem Schweizer und jeder Schweizerin bekannt sind. Letzterer erlebt momentan eine wiederbelebte Beliebtheit bei Modebegeisterten auf der ganzen Welt. Aber wie ist es vor Ort? Um der Vorstellung der Trachten tragenden Appenzeller auf den Grund zu gehen, habe ich mich in die Ecken und Winkel der verschlafenen appenzellischen Ge­meinden begeben. Eines vorweg; das Klischee erfüllt sich nicht, was aber auf keinen Fall falsch verstanden werden soll. Gesagt sei, dass die Appenzeller mehr zu bieten haben, als sie uns manchmal weismachen wollen. Denn trotz eventuell vorhandenen Vorurteilen traf ich auf Paradiesvögel und Modebegeisterte. Schliesslich entdeckte ich im Dörfchen Schwellbrunn vor einem Gasthaus auch noch einen Appenzeller, der meine doch vorhandene Sehnsucht nach «Klischeeerfüllung» befriedigte.

Holpriger Start

Zugegeben, die Suche war nicht ganz einfach. Auch meine Motivation, fremde Leute auf der Strasse anzusprechen, reichte nicht bis ins Unermessliche. Nach einer kurzen Phase der Überwindung gab ich mir aber einen Ruck und muss zugeben, dass es spannend war und Spass machte. Der erste Punkt auf der Liste war, den «Ur-Appenzeller» zu finden. Da meine Autofahrkünste noch nicht professionell beglaubigt sind, fuhr mich ein Kollege durch die ländlichen Gegenden des Appenzellerlandes.

Nach einer Zeit landeten wir im wunderschönen Schwellbrunn, welches übrigens nominiert ist in der Kategorie «Schönstes Dorf der Schweiz». Da traf ich Emil, einen elegant gekleideten 87-jährigen Herrn, der für mich den urchigen, aber modernen Appenzeller verkörpert. Mit hellblauem Hemd, Hosenträger mit traditionellem Blumenmuster und doch sehr schicken, grauen Hosen dazu verleiht er meinen Vorstellungen des «typischen» Appenzellers einen modernen Anstrich. Ich fragte ihn, ob ich ein Foto machen darf. «Jo, isch mir glich», grummelte er nach kurzer Überlegung und posierte dann doch ein wenig stolz. Das Foto gelang, und ich setzte meine Suche fort. Nun war die Idee, dass ich repräsentative Kandidatinnen und Kandidaten für die jüngere Generation finden soll. Also nächste Station: der Bahnhof in Herisau. Denn wo sonst trifft man die ach so schlimmen, herumlungernden Jugendlichen an? Gleich, als ich ankam, stach mir eine junge, schöne Frau ins Auge. Ich sprach sie an und tatsächlich, sie nahm sich die Zeit, um mit mir ein paar Fotos zu machen, obwohl sie auf dem Sprung war. Anouk heisst sie. Der Name passt wunderbar.

Ich versuchte mein Glück weiter, aber leider war es mir nicht hold. Ich rief meine Cousine aus dem Speicher an, ob ihr vielleicht nicht zwei junge Leute einfallen, welche aussergewöhnlich gekleidet sind. Und prompt gab sie mir die Nummer von Angela, mit der ich mich kurz darauf verabredete. Was meine Suche um einiges leichter gestaltete war, dass sie mir einen ihrer Freunde, Noah heisst er, mitbrachte. Er war so ausgefallen gekleidet, wie ich es mir nicht besser hätte wünschen können. Auch diese zwei durfte ich ablichten. Die Suche war beendet und meine Vorstellung der Appenzeller und deren Mode gründlich umgekrempelt.